Gut besuchte Jugendsprechstunde zum Thema "Gewalt in der Innenstadt"

Blöde Anmache, Anrempeln, Drohungen, Rauschgift und Schlägereien – Mülheims SchülerInnen wissen genau, welche Orte sie in der Innenstadt besser meiden, wenn sie dem aus dem Weg gehen wollen.

Um von den Betroffenen mehr über das Thema "Gewalt in der Innenstadt" zu erfahren, hatte Oberbürgermeisterin OB Dagmar Mühlenfeld zur Jugendsprechstunde in die Bürgeragentur eingeladen.

Mit rund 30 Jugendlichen diskutierte sie zwei Stunden lang über die aktuelle Situation, Prävention und Lösungswege. Die SchülerInnen hielten auf bunten Pappkärtchen fest, wo sie persönlich bereits Gewalt erfahren haben. Der Hauptbahnhof ist so ein Platz und die U-Bahn-Haltestelle Eichbaum, die Linie U 18, Busse und Bahnen ganz allgemein, der Platz vor der Hauptpost, in der Augustastraße, das Rhein-Ruhr-Zentrum, die Gegend rund um den Hans-Böckler-Platz und die Heißener Kirche sowie der Rathausmarkt. Auch in überfüllten Schulbussen kommt es immer wieder zu Rangeleien, Erpressungen und verbaler Aggression. Erwachsene sollen sich einmischen Dass viele Erwachsene einfach wegsehen, statt einzugreifen, das bemängeln die Jugendlichen und sie fordern sowohl von ihresgleichen als auch von den Älteren mehr Zivilcourage. Auch die Lehrer seien gefordert und sollten sich öfter einmischen. Selbstkritisch bemerkte ein Mädchen: "Vielleicht sollten wir die Erwachsenen einfach öfter ansprechen und um Hilfe bitten." Die müssten aber auch erkennen, dass Prügeleien vielfach keine "Kindersachen" seien. Auch die Polizei kam in der Diskussion nicht ganz ungeschoren davon: "Die kommen viel zu spät – oder gar nicht", beklagte eine Schülerin. Zahlreiche TeilnehmerInnen bedauerten zudem, dass zu wenig Zivilpolizisten und uniformierte Beamte an den bekannten Brennpunkten patrouillieren. Gerade sie könnten doch das Sicherheitsgefühl erhöhen, so eine Schülerin.

Einig waren sich die Jugendlichen übrigens darüber, dass die Gewalt nicht einseitig von einer ethnischen Gruppe, von Deutschen oder Jugendlichen mit Migrationshintergrund, oder von VertreterInnen einer Schulart ausgeht. Überall gebe es schwarze Schafe. Ignorieren oder Anzeige erstatten Wie sie denn selbst auf solche Gewaltsituationen reagierten, wollte Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld von den SchülerInnen wissen. "Ich versuche, gelassen mit den Leuten zu reden", sagte ein Jugendlicher. Gewalt könne schließlich nicht mit Gewalt gelöst werden. Problematisch sei aber, wenn der andere sofort zuschlage, statt zu argumentieren. Ein anderer Schüler versucht lieber, die Streithähne abzulenken oder verschenkt schon mal "ne Kippe, damit Ruhe ist". Auch weitergehen und ignorieren helfe oft. Ein Mädchen riet dazu, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Dann könnten die Täter bestraft werden.

Konkrete Forderungen der Jugendlichen Die Jugendlichen formulierten am Ende der Sprechstunde konkrete Forderungen an die Oberbürgermeisterin und die Verwaltung. So wollen sie mehr Informationen über die Arbeit der Jugendhilfe und Plakate mit Telefonnummern, an die sich Opfer oder Beobachter von Gewalt wenden können. Diese sollten in den Schulen aushängen, damit jeder jederzeit darauf Zugriff habe. Das sagte die OB zu und bat den Vertreter des Amtes für Kinder, Jugend und Schule, dies in die Wege zu leiten. In den Schulen soll auch über die schon bestehende Möglichkeit eines Anti-Aggressionstrainings, dem so genanten "Sozialen Trainingskurs", informiert werden. Weitere Forderungen der SchülerInnen waren eine verstärkte Videoüberwachung von öffentlichen Plätzen, die strengere Bestrafung von Tätern und größere Schulbussen. Die sollten zudem von einem Kontrolleur begleitet werden, der für mehr Sicherheit sorgt. Auch im Unterricht wollen die SchülerInnen das Thema "Gewalt unter Jugendlichen" behandelt wissen, zum Beispiel im Politikunterricht. Lehrer und auch die SV sollten regelmäßig darüber berichten, wie sich Opfer wehren und Täter aus gewaltbereiten Gruppen aussteigen können. Streitschlichter an Schulen helfen Ein guter Ansatz sei die inzwischen in vielen Schulen angebotene Ausbildung zu Streitschlichtern. Diese SchülerInnen könnten durch ihr Eingreifen innerhalb der Schule viele Konflikte beenden. Im öffentlichen Raum seien die Streitschlichter aber unbekannt. Es fehle hier auch das ihnen in der Schule entgegen gebrachte Vertrauen und sie würden von den Streithähnen nicht ernst genommen. Deshalb könnten sie hier nicht so einfach eingreifen. Außerdem müssten die Krawallmacher außerhalb des Schulgeländes keine Sanktionen von Lehrern befürchten. Es fehle also die Abschreckung OB wird Politik und Polizei informieren Die Oberbürgermeisterin versprach den Jugendlichen, die zuständigen Ämter und Ausschüsse, die Fraktionen, Schulen und die Polizei über den Inhalt der Sprechstunde zu informieren.

Über Ergebnisse sollen die Jugendlichen Nachricht erhalten, die in der Bürgeragentur ihre E-Mail-Adresse hinterlassen haben. Die MitarbeiterInnen des ZEUS-Zeitungsprojektes sagten zu, die öffentliche Debatte über das Thema "Gewalt unter Jugendlichen" mit ihren Berichten anzustoßen. Und alle TeilnehmerInnen wollen in ihren Schulen mündlich über die Jugendsprechstunde und das Thema "Gewalt" informieren. Wenn die SchülerInnen ein weiterführendes Gespräch zum Thema "Gewalt in der Innenstadt" wünschen, können sie in der Bürgeragentur eine Nachricht hinterlassen. Dann wird sich die OB in etwa einen halben Jahr erneut mit ihnen treffen.

Kontakt


Stand: 13.09.2005

[schließen]

Fehler melden

Sie haben einen Fehler gefunden? Bitte teilen Sie ihn uns mit. Ein Redakteur wird sich umgehend darum kümmern.

Ihre Nachricht

Sicherheitscode (Was ist das?)

 

Bookmarken | Drucken | PDF-Version | RSS-Feed | Fehler melden

Transparenter Pixel