Historie Wasserkraftwerk
- Städtische Stromversorgung -
Bedingt durch die Reparationen an Frankreich nach dem verlorenen ersten Weltkrieg und der dadurch wachsenden Knappheit an Kohle als Energielieferant wurde die Idee geboren, in der Nähe der neuerstellten Schleuse Raffelberg ein Wasserkraftwerk zu bauen. Die dortige Staustufe diente der Anlage eines Ruhrschifffahrtskanals und Hafens.
Der geplante Standort für dieses Kraftwerk war denkbar günstig, denn das Gefälle der Staustufe dort betrug bei Normalwasserstand 6,30 m, bei Mittelwasserstand 6,15 m und selbst bei höchstem Hochwasserstand noch 3,00 m. Bei der Dimensionierung des Maschinenparks ging man von einer wirtschaftlich verwertbaren Durchflussmenge aus, die mindestens 100 Tage im Jahr anfiel. Messungen hatten ergeben, dass diese Menge bei 105 m3/s lag. Der durchschnittliche Durchfluss liegt bei ca. 77 m³/sec.
Man entschied sich damals für den Bau von vier Francis-Turbinen mit senkrechter Welle, die direkt mit den Drehstrom-Schirmgeneratoren gekuppelt werden sollten. Nach den Berechnungen mussten drei Turbinen für einen Wasserdurchsatz von je 30 m3/s, die vierte für einen solchen von 15 m3/s ausgelegt werden. Auf dieser Grundlage wurde das Wasserkraftwerk Raffelberg in den Jahren 1922 - 1925 erbaut und im Februar 1926 in Betrieb genommen. Den in den Generatoren erzeugte Drehstrom mit einer Spannung von 5.000 Volt speiste man seinerzeit teils in das Ortsnetz Speldorf, teils nach Transformierung auf 25 kV in das Überlandnetz des RWE ein. Auch die früher zum Deutsch - Luxemburg - Konzern gehörende Wilhelmshütte in Mülheim an der Ruhr bezog Strom aus dem Wasserkraftwerk Raffelberg.
Das Kraftwerksgebäude haben die Architekten Pfeifer und Großmann geplant und erbaut. Die technische Ausrüstung erfolgte nach den Plänen der Siemens - Schuckert - Werke Berlin. Das Wasserkraftwerk Raffelberg war schon in dieser Zeit für die Energieversorgung sehr wichtig. Besonders die "Ersparnis an Kohle" hatte besondere Bedeutung. So wurde die "Einsparung von 2.200 Eisenbahnwagenladungen" immer wieder hervorgehoben. Heute wird Wasserkraft unter dem Aspekt der nachhaltigen Ressourcenbewirtschaftung als Teil des regenerativen Anteils in der Gesamterzeugung gesehen und gilt als besonders umweltfreundlich.
Zu Beginn der 60iger Jahre wurden die Drehstromgeneratoren auf 10.000 Volt Maschinenspannung umgerüstet. Dies geschah im Zuge des Ausbaues der Energieversorgung nach dem 2. Weltkrieg, wobei die alten 5.000 Volt-Netze durch 10.000 Volt-Netze abgelöst wurden. Schon bald zeigte sich, dass der personalintensive Betrieb des alten Wasserkraftwerkes nicht mehr wirtschaftlich zu vertreten war. Mit der Firma Voith in Heidenheim wurden daher Pläne für die erste Automatisierung der Turbinenanlage im Wasserkraftwerk erarbeitet.
Mitte der 70er Jahre war es dann soweit. Die Regelanlagen für die Beschickung der Turbinen wurden mit elektronischen Reglern ausgerüstet und mit dem Stand der damaligen Technik teilautomatisiert. Heute wird über ein Netz von Pegeln der Wasserstand des Oberwassers und der Hafenbecken bis auf wenige Zentimeter konstant gehalten. In den 2008 ist mit der vollständigen Automatisierung des Kraftwerkes begonnen worden, wodurch das Kraftwerk ab 2009weitesgehend selbständig seinen Betrieb aufrechterhalten kann. Zur Zeit werden im Wasserkraftwerk Raffelberg je nach Wasserführung der Ruhr ca. 21.500.000 kWh/Jahr Strom erzeugt.
Das Kraftwerksgebäude passt sich noch heute in seiner äußeren architektonischen Gliederung dem Landschaftsbild der näheren Umgebung wirkungsvoll an. Wegen seiner überregional bedeutsamen technischen Architektur wurde das Gebäude 1986 unter Denkmalschutz gestellt. Fast vollständig saniert, bis auf die Ettinger Tuffsteinfassade der Außenflächen die noch nicht von den Kriegseinwirkungen befreit ist, wird das Kraftwerk alsbald in neuem Glanz erstrahlen. Wenn dann noch im Inneren die Travertinverkleidung gereinigt wird, liefert das Kraftwerk Raffelberg als restauriertes kulturhistorisches technisches Denkmal eine nicht unerhebliche Menge Energie wirtschaftlich, abgas- und strahlungsfrei an das Netz des RWE.
Stand: 07.12.2011





[schließen]
Bookmarken bei