Der Mülheimer Pierre Mayamba
Vorwort: Pierre Mayamba, seit 20 Jahren in Mülheim lebender Kongolese (auch: Zaire, Demokratischen Republik Kongo) berichtet uns über das Schicksal des Menschenrechtsaktivisten Floribert Chebeya. Dieser war in den Jahren 1997/1998 in unserer Stadt. Damals hatten die hier lebenden Diasporakongolesen sich stark gemacht für die Bekämpfung von Aids. Dazu luden sie Floribert Chebeya nach Mülheim ein. Im Zuge der Zusammenarbeit wurde eine Konferenz bei Die Grünen durchgeführt. Wichtig war es, Spenden zu sammeln, um Kondome zu kaufen. Gleichzeitig entstand eine Informationsbroschüre zur Aufklärung über Aids. Das alles wurde dann 2000 im Kongo, zusammen mit dem Menschenrechtsaktivisten, in Anwesenheit des dortigen Gesundheitsministers, den Behörden vor Ort übergeben. Daneben gab es eine Konferenzdebatte mit dem Gast aus dem Kongo an der Universität Duisburg: „Menschenrechte in Zaire, Frage der Abgeschobenen Zairer aus Europa“. Außerdem haben weitere Kontakte von Mülheim aus zu Floribert Chebeya stattgefunden. So konnte man zum Beispiel gemeinsam ein Altenheim im Kongo retten und wieder in Betrieb nehmen, um den Menschen dort ein würdiges Leben zu ermöglichen.
Eine Chronik der Ereignisse. Wir zitieren die taz Berlin
Blut an Mund, Nase und Ohren. Floribert Chebeya wurde offenbar vor seinem Tod misshandelt und am Ende erwürgt. Hinweise auf Polizeimord verdichten sich. In Kinshasa wächst die Sorge um die Sicherheit. Von Dominic Johnson
BERLIN taz | 04.06.2010 Der in der Demokratischen Republik Kongo tot aufgefundene Menschenrechtsaktivist Floribert Chebeya wurde vor seinem Tod misshandelt und dann möglicherweise erwürgt. Dies erfuhr die taz gestern aus dem Umfeld der von Chebeya geführten Organisation „Voix des Sans-Voix“ (VSV), nachdem eine VSV-Delegation in Begleitung von UN-Mitarbeitern am Donnerstagnachmittag erstmals die Leiche des Toten unter Polizeigewahrsam besichtigen konnte.
Mit Ausnahme des Kopfes war der Körper verhüllt, ihn zu berühren oder zu fotografieren war verboten, aber was zu sehen war, genügte: Blut an Mund, Nase und Ohren, eine Beule an der Stirn und Schwellungen am Hals, die auf Strangulierung hindeuten.
Chebeya, der bekannteste Menschenrechtsaktivist des Kongo, war am Dienstagabend verschwunden, nachdem er einer Vorladung des Polizeichefs John Numbi gefolgt war. Die Polizei gab am Mittwoch die Auffindung seiner Leiche bekannt. Die erst am Donnerstag gewährte Teilbesichtigung von Chebeyas Leiche nährt nun den Verdacht, wonach er von der Polizei ermordet wurde.
Eine Exilquelle berichtet unter Berufung auf Kontakte in Kinshasas Polizeiappara, der VSV-Chef sei beim Treffen mit Numbi gefesselt worden; dass er beim Erdrosseln starb, sei möglicherweise nicht eingeplant gewesen. Sein Fahrer habe den Toten erst wegschaffen müssen und sei dann ebenfalls umgebracht worden, bevor die Polizei schließlich das Auto mit Chebeyas Leiche „fand“.
Die ins Kraut schießenden Spekulationen nähren die Angststimmung in Kongos Hauptstadt: Wenn ein international so bekannter Aktivist straflos getötet werden kann, ist niemand mehr sicher. „Die Stimmung in Kinshasa ist sehr angespannt“, berichtet ein Kontaktmann der mittlerweile abgetauchten VSV-Führungsriege. „Je länger es dauert mit der Freigabe der Leiche, desto angespannter“. Militante Jugendgruppen in Stadtteilen, die Hochburgen der Opposition gegen Präsident Joseph Kabila sind, würden bereits für Protestaktionen mobil machen.
In einem ungewöhnlichen Schritt forderte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon persönlich eine „transparente und unabhängige Untersuchung“. Der UN-Sonderbeauftragte für extralegale Hinrichtungen, Philip Alston, erklärte, die Umstände von Chebeyas Tod „legen eine offizielle Verantwortung nahe“. Die Morde seien „Teil eines zunehmenden Trends der Einschüchterung und Verfolgung von Menschenrechtsverteidigern, Journalisten, politischen Oppositionellen, Opfern und Zeugen in der Demokratischen Republik Kongo“.
| Von Mülheim aus, mit Hilfe von Floribert Chebeya organisiert und in Afrika realisiert: Kondome für den Kongo, zum Schutz gegen Aids |
Regierung treibt Aufklärung des Mordes am Menschenrechtsaktivisten Floribert Chebeya voran. Polizeichef Numbi unter Hausarrest. Von Dominic Johnson
Berlin taz | 06.06.2010 Mit unüblicher Konsequenz befördert die Regierung der Demokratischen Republik Kongo die Aufklärung des Mordes an Floribert Chebeya, dem am Mittwoch nach einer polizeilichen Vorladung ermordet aufgefundenen Chef der Menschenrechtsorganisation Voix ds Sans-Voix (VSV). Der Chef des Polizeigeheimdienstes, Oberst Daniel Mukalay, wurde verhaftet und soll den Mord gestanden haben, berichteten gestern Quellen aus Kongos Präsidentschaft gegenüber Nachrichtenagenturen. „Er hat gesagt, er habe Befehle ausgeführt“, gab ein ungenannter Sprecher Mukalays Geständnis wieder. Mehrere weitere hochrangige Polizeioffiziere, deren Identität nicht genannt wurde, seien ebenfalls festgenommen worden.
Mukalay ist direkt dem Polizeichef John Numbi unterstellt, mit dem Chebeya am vergangenen Dienstagabend einen Termin hatte, von dem er nicht mehr lebend zurückkehrte.
Bereits am Samstag hatte Kongos Polizeisprecher bekannt gegeben, General Numbi – einer der mächtigsten Figuren in Kongos Sicherheitsapparat – sei für die Dauer der Ermittlungen vom Dienst suspendiert und unter Hausarrest gestellt worden. Dies sei bei einem außerordentlichen Treffen des kongolesischen Sicherheitsrates unter Leitung von Präsident Joseph Kabila geschehen.
Kongos Regierung reagiert damit auf die internationale Empörung, die die Nachricht der Ermordung des international bekannten und geschätzten Chebeya ausgelöst hatte. Unter anderem hatte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon eine unabhängige Untersuchung gefordert. Kongos Regierung versucht gerade, die UNO davon zu überzeugen, dass sie ihre Blauhelme aus dem Land abziehen kann, weil Kongos Sicherheitskräfte jetzt selbst für Sicherheit sorgen können.
| Die Schwarzafrikaner aus Mülheim, unterstützt durch Floribert Chebeya konnten helfen: Ein Altenheim im Kongo wurde erfolgreich renoviert |
Der von der kongolesischen Polizei ermordete Menschenrechtler Floribert Chebeya soll zum 50. Unabhängigkeitstag beigesetzt werden. Die Regierung gerät unter Druck. Von Dominic Johnson
BERLIN taz | 13.062010 Die Ermordung des Menschenrechtsaktivisten Floribert Chebeya in Kinshasa durch Kongos Polizei wird immer mehr zu einer Bewährungsprobe für Kongos Regierung. Nachdem vor einer Woche bereits Polizeichef John Numbi suspendiert und unter Hausarrest gestellt worden war, ereilte dieses Schicksal am Freitag auch seinen für die Hauptstadt Kinshasa zuständigen Kollegen Jean de Dieu Oleko. Weitere Polizeioffiziere sind verhaftet worden.
Chebeya, Leiter der führenden kongolesischen Menschenrechtsorganisation „Voix des Sans-Voix“ (VSV) war in der Nacht zum 2. Juni nach einem Termin mit General Numbi in Kinshasa verschwunden. Die Polizei fand seine schwer misshandelte Leiche in seinem Auto am nächsten Tag und gab diese zunächst nicht heraus. Der Mord wurde weltweit verurteilt; UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte eine öffentliche Untersuchung. Am 4. Juni wurde der Leiter des Polizeigeheimdienstes verhaftet und gestand, den Mord auf Befehl begangen zu haben. Polizeichef John Numbi wurde vom Dienst suspendiert. Ob General Numbi, bisher einer der engsten Vertrauten Kabilas, für den Mord verantwortlich gemacht werden wird, ist allerdings nicht ausgemacht. Amtlichen Quellen ist inzwischen eingefallen, dass Numbi zur Tatzeit, als er Chebeya zu sich vorgeladen hatte, in Wirklichkeit auf einem Privattermin mit dem Präsidenten gewesen sein soll.
Kongos Regierung hat derweil einer Bitte der niederländischen Regierung stattgegeben, Chebeyas Leiche von unabhängiger Seite untersuchen zu lassen. Das niederländische forensische Labor „Verilabs“ legte jetzt einen ersten vorläufigen Bericht vor, wonach es nicht klar sei, ob Chebeya eines gewaltsamen Todes starb. Es seien mehrere Wochen weiterer Untersuchungen nötig, so „Verilabs“ nach niederländischen Rundfunkberichten. Chebeyas Angehörige und Freunde wollen den Ermordeten am 30. Juni öffentlich beisetzen – dem 50. Jahrestag der Unabhängigkeit des Kongo, den der kongolesische Staat mit einer gigantischen Feier in Kinshasa unter Anwesenheit unter anderem des belgischen Königs begehen will. Eine Beerdigung Chebeyas zu diesem Termin kann entweder neue Konfrontationen mit der Staatsmacht bedeuten – oder die Regierung vereinnahmt die Trauer für sich.
Floribert Chebeya Bahizire (* 13. September 1963 in Bukavu; † 2. Juni 2010 in Kinshasa) war Leiter der kongolesischen Menschenrechtsorganisation Voix des Sans Voix (VSV) (dt. Stimme der Stimmenlosen), einer der größten Menschenrechtsorganisationen des Landes und seit den 1990er Jahren einer der führenden Menschenrechtler des Kongo. Chebeya hatte sich für die verfassungsmäßigen Rechte der Kongolesen und die Verbesserung der Bedingungen in den Gefängnissen eingesetzt.[1] 1992 erhielt er den Reebok Human Rights Award für seine Verdienste im Kampf gegen die Diktatur des damaligen Diktators Mobutu Sese Seko, seinen Kampf für Demokratie und Menschenrechte aber auch unter den nachfolgenden Präsidenten fortgesetzt.[2] Mehrere Male war er verhaftet, gefoltert und erst auf internationalen Druck hin freigelassen worden, zuletzt im März 2009.[3] In der Nacht zum 2. Juni 2010 wurde er ermordet, was nicht nur in der Demokratischen Republik Kongo, sondern weltweit Empörung hervorrief. [4] So bezeichnete sich etwa der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon in einer Stellungnahme als „tief geschockt“ über den Mord. Ein weiterer UN-Vertreter sprach davon, dass die Umstände von Chebeyas Tod an außergerichtliche Exekution durch offizielle Stellen denken ließe.[5] Mehr als 50 Menschenrechtsorganisationen forderten eine unabhängige Untersuchung der Umstände seines Todes. (Quelle: Wikipedia)
Einzelnachweise:
http://de.wikipedia.org/wiki/Floribert_Chebeya - cite_ref-0
[4] taz-Artikel „Wie in einem schlechten Krimi“ vom 28. Juni 2010
(Quelle Wikipedia)
(Quelle Foto 1: http://www.rnw.nl/english/article/congo-police-chief-suspended-over-chebeya-death, Radio Netherlands Worldwide; andere Fotos: privat, Klaus Wichmann)
Überblick: Die Demokratische Republik Kongo, bis 1960 Belgisch-Kongo, von 1971 bis 1997 Zaïre, liegt in Zentralafrika und grenzt an (von Norden im Uhrzeigersinn) die Zentralafrikanische Republik, den Sudan, Uganda, Ruanda, Burundi, Tansania, Sambia, Angola, Republik Kongo und den Atlantik. Sie ist an Fläche der drittgrößte und an Bevölkerung der viertgrößte Staat Afrikas. Die Demokratische Republik Kongo ist nicht zu verwechseln mit der westlich gelegenen Republik Kongo, dem ehemaligen Französisch-Kongo.
Name: Die Namensgebung der Kongo-Staaten ist nicht immer einleuchtend. Einerseits hat sie oft geändert, andererseits hat Kongo-Brazzaville den Namen Kongo-Kinshasas übernommen und zeitweise hießen beide Länder gleich.
Bevölkerung: Die Bevölkerung setzt sich aus zwölf ethnischen Hauptgruppen zusammen, die sich wiederum in 240 kleinere Gruppen aufteilen. Die größten Bevölkerungsgruppen bilden die Kongo, Mongo, Luba und Lunda. Sie gehören den Bantuvölkern an, die etwa 80 % der Bevölkerung bilden. 15 % stammen von Sudangruppen ab, die man vor allem im Norden vorfindet. Minderheiten sind die Niloten im Nordosten sowie die Pygmäen in Waldgebieten und Hamiten im Osten. Die weiße, zumeist belgische Bevölkerung des Gebietes verließ bis etwa Ende der 1960er Jahre nahezu vollständig das Land.
Belgische Kolonie:... Der Waliser Henry Morton Stanley war es auch, der als erster Europäer den Kongo umfassend bereiste, sein Vorschlag, den Kongo dem britischen Kolonialreich anzugliedern, wurde von der britischen Regierung aber abgelehnt... Der belgische König Leopold II. jedoch, von dem Gedanken an ein Kolonialreich seit langem fasziniert, wollte die Gelegenheit nutzen. Da aber auch in Belgien die Stimmung eher gegen Kolonien war, vereinnahmte Leopold den Kongo 1885 mit Hilfe der Berliner Kongokonferenz als seinen „Privatbesitz“. Dieser Status jenseits allen Völkerrechts war in der ganzen Kolonialgeschichte einzigartig. Da mit dem Kongo zugleich auch alle seine Bewohner als rechtloser Privatbesitz angesehen wurden, kam es bei der wirtschaftlichen Ausbeutung (siehe Kautschukboom) zu (selbst für diese Zeit) solch grausamen Exzessen, dass sie als so genannte Kongogräuel 1908 international für Aufsehen und Empörung sorgten und Leopold zur Übergabe des Kongo als „normale“ Kolonie an den belgischen Staat zwangen.
Selbständigkeit: Am 30. Juni 1960 wurde die „Demokratische Republik Kongo“ ausgerufen. J. Kasavubu, Führer der Alliance Congolaise (vor 1960 Alliance de Bakongo ABAKO genannt), wurde Staatspräsident. Der bedeutende Panafrikanist und Führer der kongolesischen Unabhängigkeitsbewegung Patrice E. Lumumba wurde der erste Ministerpräsident des jungen Landes, das er allerdings aufgrund mangelnder Fachkräfte und angesichts sezessionistischer Bestrebungen, insbesondere in der Provinz Katanga, nicht zusammenzuhalten vermochte. Insbesondere die kontinuierlichen Interventionen Belgiens, der USA, aber auch der Sowjetunion führten zu einem allmählichen Zerreißen der jungen Nation.
Diktatur Mobutus: Nach nur 18 Monaten Unabhängigkeit putschte der frühere Assistent Lumumbas, Joseph Mobutu, unterstützt von den USA und Belgien gegen ihn und errichtete in den folgenden Jahrzehnten eine der längsten und grausamsten Diktaturen Afrikas.
Kongokrieg: Die konfliktreiche Phase zwischen 1996 und 2002 wird auch als Kongokrieg, ab 1998 „afrikanischer Weltkrieg“ bezeichnet.
Kivu-Krieg: Im Osten des Landes flammten in jüngster Zeit Kämpfe auf, es kam zu Massenfluchten nach Uganda. Seit 1998 wurden gemäß Angaben des International Rescue Committee 3,8 Millionen Menschen während gewaltsamer Auseinandersetzungen getötet. Nach Schätzungen der UNO wurden (bis Anfang 2005) jeden Tag etwa 1000 Menschen zu Opfern von Gewalttaten.
(Quelle: Text, Wikipedia; Karte, Wikipedia, Perry-Castañeda Library Map Collection, CIA)
Redaktion: Klaus Wichmann, Mülheim an der Ruhr, im August 2010
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