Das Projekt "Stolpersteine" in Mülheim an der Ruhr
"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist"
Dieses jüdische Sprichwort ist Leitmotiv einer Aktion, der sich bundesweit mehr als 190 Arbeitskreise angeschlossen haben. Sie tragen Sorge dafür, dass die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur aus der Anonymität in das Bewusstsein der Öffentlichkeit treten. Die Aktion wurde durch den Kölner Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen, der die Idee dazu 1993 entwickelte und 1997 den ersten Stolperstein in Berlin-Kreuzberg verlegte. Inzwischen sind europaweit mehr als 19.000 Steine verlegt, die meisten davon in Deutschland, einige auch in Österreich, Ungarn und Polen.
Es handelt sich dabei um Betonwürfel in der Größe 10x10x10 cm mit einer darauf verankerten Messingplatte. Auf dieser werden der Name eines NS-Opfers und sein Geburts- und Sterbedatum von Gunter Demnig eingehämmert. Die Steine werden dann vor dem Haus verlegt, in dem der Mensch gewohnt hat. Die Verlegearbeit erfolgt plan zum Gehweg, die Farbe des Steins lässt jedoch das Auge "stolpern".
Schüler und Schülerinnen der Realschule Stadtmitte haben aus Anlass ihres Schuljubiläums 2004 im Rahmen eines Schulprojekts das Schicksal jüdischer Schüler und Schülerinnen während der NS-Zeit untersucht und die Anbringung der ersten Gedenksteine in Mülheim an der Ruhr initiiert. Am 18. Dezember 2004 wurden durch den Künstler Gunter Demnig in Mülheim sieben "Stolpersteine" verlegt, die an die Opfer der NS-Herrschaft erinnern sollen.
Nach der Realschule Stadtmitte führte nun die Mülheimer Initiative für Toleranz (MIT) gemeinsam mit dem Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr diese Aktion fort.
Dazu wurde ein Arbeitskreis "Stolpersteine" gebildet, dessen Geschäftsstelle beim Stadtarchiv angesiedelt ist. Ziel des Arbeitskreises ist es, den Opfern "ein Gesicht zu geben" und dabei alle Opfergruppen des NS-Regimes einzubeziehen, d.h. neben den Menschen jüdischen Glaubens auch politisch Verfolgte, Roma und Sinti, Lesben und Schwule, Behinderte, Zeugen Jehovas, Wehrmachtsdeserteure etc. Als Resultat dieser Arbeit und infolge der zahlreichen Spenden aus der Mülheimer Bevölkerung war es möglich, weitere 10 Stolpersteine am 11. Oktober 2007 durch Gunter Demnig verlegen zu lassen und weitere Verlegungen vorzubereiten. Seitdem wurden in sieben Staffeln 95 Steine an 51 Stellen verlegt.
Die vorerst letzte Verlegung von Stolpersteinen ist für den 9. November 2010 geplant. Mit der Verlegung des 100. Stolpersteins kann der Arbeitskreis dann auf vier Jahre erfolgreicher Arbeit zurückblicken.
Begleitend zu den Verlegungen und den biographischen Recherchen ist mit finanzieller Unterstützung der Sparkassenstiftung eine Dokumentationsmappe erschienen, die Biographien der einzelnen NS-Opfer enthält. Die Mappe wurde als Loseblattsammlung angelegt, so dass die neu verlegten Stolpersteine berücksichtigt und neue Opferbiographien hinzugefügt werden können. Die Dokumentation wird an Schulen, Jugendeinrichtungen und mit Jugendarbeit befasste kirchliche Einrichtungen kostenlos abgegeben. Privatpersonen können die Mappe im im Lesesaal des Stadtarchivs einsehen und (gegen Gebühr) Kopien daraus anfertigen lassen.
Außerdem gibt es seit Anfang 2010 eine Stolperstein-Wanderausstellung, die von Schülerinnen und Schülern der Realschule an der Mellinghofer Straße erarbeitet worden ist und die über die Schulleitung gebucht werden kann (Tel. 0208 / 455 4451).
Verteilt über das gesamte Stadtgebiet liegen mittlerweile insgesamt 95 Stolpersteine an 51 verschiedenen Verlegeorten. Hier die Übersicht als Tabelle und Karte:
Wer an weiteren Informationen über das Projekt "Stolpersteine" interessiert ist, kann sich an die Geschäftsstelle des Arbeitskreises wenden, die im Stadtarchiv sitzt (Sekretariat: Tel. 0208 / 455 42 60 oder Email stadtarchiv@stadt-mh.de)








