Industriekonferenz (2016)

Begrüßung und Statement von Oberbürgermeister Ulrich Scholten

anlässlich der Industriekonferenz

am Donnerstag, 19. Mai 2016, 15.00 bis 17.30 Uhr

Haus der Wirtschaft

 ***

Sehr geehrter Herr Windfeder,

Sehr geehrter Herr Schauenburg,

Sehr geehrter Herr Becker-Nühlen,

meine sehr geehrten Damen und Herren!

Laut Programm erwarten Sie jetzt von mir eine Begrüßung. Ich freue mich in der Tat sehr darüber, dass Sie heute Nachmittag hier sind!

Doch statt weitere nette Worte über den wunderbaren Veranstaltungsort oder das Wetter zu verlieren, will ich entgegen dem Programmausdruck lieber gleich ins Thema einsteigen… Denn das können, Sie, liebe Gäste, von mir zu Recht erwarten.

Bevor ich im Oktober des vergangenen Jahres das Amt des Oberbürgermeisters angetreten habe, war ich rund 30 Jahre lang im Mannesmann / Salzgitter-Konzern tätig. Ich weiß also, wovon ich rede, wenn ich von der Bedeutung der Industrie für die Stadt und den Wirtschaftsstandort Mülheim an der Ruhr spreche…

Uns allen ist wohl bekannt: Etwa ein Drittel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Mülheim an der Ruhr arbeiten bei den 80 produzierenden Unternehmen in unserer Stadt.

Von diesen 18.000 Beschäftigten hängen nicht nur viele weitere Stellen im produzierenden Sektor ab. Diese 18.000 Beschäftigten haben Familien, und deren Bedürfnisse sichern viele weitere Jobs in unserer Stadt. Sei es beim Bäcker oder Schuster, oder beim Friseur…

Auch wenn die Zahl der Industriebeschäftigten gegenüber den 60er und 70er Jahren im Zuge des Strukturwandels deutlich gesunken ist, bleibt Mülheim an der Ruhr immer noch einer der bedeutendsten Industriestandorte im Ruhrgebiet. Und das soll noch möglichst lange so sein.

Dafür haben schon meine Vorgänger immer wieder wichtige Weichen gestellt. Und ich kann mit Stolz sagen, dass die Stadt in Sachen Industrie und Wirtschaftsfreundlichkeit vieles richtig gemacht hat: Auch in Zeiten, in denen die Industrie als old-economy galt, hat Mülheim an der Ruhr nie nur auf Dienstleistungen gesetzt. Wir haben unsere traditionsreichen Industriebetriebe immer wertgeschätzt, ihre Anforderungen - wo möglich - unterstützt und die Industriegebiete planungsrechtlich gesichert.

Dabei kam uns immer auch zugute, dass in unserer Bürgerschaft eine hohe Akzeptanz für die Industrie und ihre Belange bestand und weiter besteht. Das hilft bei vielen Entscheidungen. Und so war es auch möglich, dass wir Anfang 2013 als erste Stadt in der MEO-Region einen „Masterplan Industrie“ verabschiedet haben. Dieser war zuvor vom Planungsdezernat, dem Unternehmerverband und der IHK unter Federführung der Mülheim & Business GmbH erarbeitet worden.

Sehr geehrte Gäste,

trotz der guten Voraussetzungen kommen wir hier heute nicht sorgenfrei zusammen: Anfang des Jahres überschlugen sich die Pressemeldungen über mögliche Personalentlassungen in unseren führenden Industrieunternehmen. Zusammengenommen drohte uns der Abbau mehrerer hundert bis tausend wertvoller Industriearbeitsplätze. Und so entstand in den vergangenen Monaten die Idee zu dieser Industriekonferenz.

Während meiner Antrittsbesuche bei den wichtigsten Mülheimer Unternehmen sowie in Gesprächen mit der Standortleitung und dem Betriebsrat des Mülheimer Siemens-Werkes reifte dieses Format heran.

Die Situation bei Siemens hat sich inzwischen dank einiger Großaufträge, aber auch infolge der geplanten Verlagerung des Servicebereichs aus Essen an unseren Standort entspannt. Ähnliches gilt für den Produktionsverbund Salzgitter / Mannesmann / Europipe.

Dennoch sind wir gut beraten, wenn wir uns trotzdem intensiv mit der Situation unserer Industriebetriebe beschäftigen, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Das ist natürlich überwiegend die Aufgabe der Unternehmen selbst, ihrer Eigentümer und Geschäftsführungen in Zusammenarbeit mit ihren Belegschaften und Betriebsräten.

Aufgabe von Stadtverwaltung und Politik ist es hingegen, dafür gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Wir müssen schnelle Genehmigungen erteilen und konstruktive Vernetzungen insbesondere mit der Hochschule und den wissenschaftlichen Einrichtungen der Stadt ermöglichen.

Auch über die Herausforderungen und Chancen von Digitalisierung und Industrie 4.0 müssen wir uns verständigen. Denn diese Themen sind für die Zukunft der Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in unserer Stadt von entscheidender Bedeutung.

Nicht zuletzt müssen wir die guten Erfahrungen, Voraussetzungen und Potenziale an unserem Wirtschaftsstandort nutzen. Lassen Sie mich einige wenige kurz benennen:

1. In Mülheim an der Ruhr gibt es eine jahrzehntelange gute Tradition in der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern, Betriebsräten und Verwaltung zur Bewältigung von Herausforderungen des Strukturwandels und der Gestaltung der Zukunft.

2. Mit den beiden Max-Plack-Instituten und der Hochschule Ruhr West haben wir Grundlagenforschung und anwendungsorientierte Forschung sowie die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrieunternehmen hervorragend besetzt. Unser bereits mehrfach fortgeschriebener Masterplan „Impuls HRW“ zeigt dafür zahlreiche Möglichkeiten auf.

Der Förderverein der Hochschule unter Vorsitz von Heinz Lison leistet dazu ebenfalls hervorragende Arbeit und steht bei der weiteren Unterstützung zur Verfügung.

3. Das Planungsdezernat und die Wirtschaftsförderung haben bereits mit der Neuauflage des Masterplans „Industrie und Gewerbe“ begonnen. Die Ergebnisse dieser Industriekonferenz werden darin selbstverständlich aufgenommen und planungsrechtlich abgesichert.

4. Unternehmerverband, IHK und Mülheim & Business haben schon im vergangenen Jahr das Thema Digitalisierung und Industrie 4.0 aufgegriffen. Gemeinsam bieten sie den Industriebetrieben, aber auch dem Mittelstand eine praxisorientierte Austauschplattform mit Best-Practice-Beispielen aus Unternehmen in Mülheim und Umgebung an.

Ich habe den Ist-Zustand und die Herausforderungen aus meiner Sicht umrissen. Folgen wir einer alten Volksweisheit: Es gibt viel zu tun - packen wir es an!

In diesem Sinne: Glück auf!

Kontakt


Stand: 22.05.2017

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