Israelischer Botschafter besucht Mülheim
Empfang für den israelischen Botschafters Stein durch Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld am Donnerstag, 20.10.05, 12.00 Uhr, auf Schloß Broich

Begrüßungsworte
"Sehr geehrter Herr Botschafter Stein, meine sehr geehrten Herren und Damen, ich begrüße Sie herzlich im Namen der Stadt Mülheim an der Ruhr und ich danke Ihnen, sehr geehrter Herr Botschafter Stein, dass Sie unsere Einladung zu einem Besuch in unserer Stadt angenommen haben. Nach dem gemeinsamen Besuch der Willy-Brandt-Schule und der Kranzniederlegung auf dem Jüdischen Friedhof zum Gedenken an die Toten, treffen wir uns hier im Schloß Broich zum offiziellen Empfang der Stadt.

Besuch S.E. des Botschafters des Staates Israel, Shimon Stein (3. von links) am 20.10.2005 in der Willy-Brandt-Gesamtschule, Gespräch zwischen dem Botschafter und Schülern über persönliche Erfahrungen mit Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld (2. von links).

Besuch S.E. des Botschafters des Staates Israel, Shimon Stein am 20.10.2005, Kranzniederlegung auf dem Jüdischen Friedhof an der Grachtmit Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld
Fotos: Walter Schernstein
Wir freuen uns sehr über die Verbundenheit, die Sie, sehr geehrter Herr Botschafter Stein, uns mit Ihrer Anwesenheit entgegenbringen. Am 8. Mai 2005 haben auch wir in Mülheim an der Ruhr des Endes des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus gedacht. 60 Jahre nach dem Ende des wohl blutigsten Konflikts der Weltgeschichte, 60 Jahre nach Ende dieses unmenschlichen Krieges, der seinen Ursprung auf deutschem Boden hatte, haben wir hier in tiefer Trauer und gemeinsam mit unseren Freunden aus den Partnerstädten der rund 60 Millionen Menschen gedacht, die diesem barbarischen Krieg zum Opfer gefallen sind. Für unsere Stadt war dieser Tag ein ganz besonderer, denn unter den offiziellen Gästen war auch ein Vertreter unserer israelischen Partnerstadt Kfar Saba. Dieser Besuch war ein großer Vertrauensbeweis. Er war sichtbares Zeichen einer festen und weiter wachsenden Freundschaft, die sich trotz der gerade für Menschen jüdischen Glaubens traumatischen Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft zwischen unseren Städten, zwischen unseren BürgerInnen entwickelt hat. Der Besuch war ein Zeichen der Hoffnung auf ein friedliches und tolerantes Miteinander von Menschen mit gemeinsamen religiösen Wurzeln. Zu diesen so wichtigen Zeichen der Hoffnung zähle ich übrigens auch die erst wenige Tage zurückliegende Einladung der jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen zum jüdischen Neujahrsfest, bei der ich die Ehre hatte, ein Grußwort für die Vertreter der Städte sprechen zu können. Trotz aller positiver Zeichen: Ich möchte nicht verschweigen, dass Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland auch heute noch nicht wirklich frei leben können. Noch immer müssen Synagogen in unserem Land von Polizisten bewacht werden, jüdische Gräber werden geschändet und viele Menschen haben Bedenken, ihren jüdischen Glauben offen zu bekennen. Solange dies Realität in Deutschland ist, können wir nicht von Normalität im Umgang miteinander sprechen. Ich weiß um den schleichenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft. Wir müssen diesen an seinen Wurzeln bekämpfen. Ich weiß um den fruchtbaren Boden, auf den vor allem im Osten Deutschlands die Parolen der Rechtsextremen fallen. So zogen in Sachsen und Brandenburg sogar Vertreter rechtsextremistischer Parteien in die Landtage ein, weil sie von frustrierten Menschen aus Protest gegen die großen Parteien gewählt wurden. Junge Menschen werden in ihrer Perspektivlosigkeit mit rechtem Rock, mit Hassparolen und falschen Versprechungen geködert. Rechtes Gedankengut scheint wieder salonfähig geworden zu sein. Das muss uns aufschrecken. Das zwingt uns alle zum Handeln. Alle demokratischen Kräfte sind aufgerufen, gegen die Feinde unserer demokratisch-freiheitlichen Verfassung vorzugehen. Wir dürfen weder die kleinsten Ansätze antidemokratischen Verhaltens noch den schleichenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft tolerieren. Dafür ist es wichtig, uns unserer Geschichte und unserer Verantwortung, die daraus erwächst, bewusst zu sein. Wir dürfen nicht vergessen! In Mülheim haben wir bereits eine von breiten Gesellschaftsschichten getragene Erinnerungskultur. Diese wollen wir weiter ausbauen. Sei es durch die Fortführung der Stolperstein-Aktion gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde, sei es durch den Ausbau unserer städtepartnerschaftlichen Beziehungen zu Kfar Saba. Ich wünsche mir, dass die Reise in unsere israelische Partnerstadt einmal so selbstverständlich wird wie Besuche in Darlington oder Tours. Dafür brauchen wir ein Ende des Nahost-Konflikts. Um der dringend notwendigen Friedenslösung einen Schritt näher zu kommen, hat Israel sich aus dem Gaza-Streifen zurückgezogen. Das war sehr mutig. Nun hoffen wir alle, dass die Region ihre Chance auf Frieden zu nutzen versteht. Sehr geehrter Herr Botschafter Stein, ich wünsche Ihnen nun noch eine gute Zeit in Mülheim an der Ruhr und anschließend bei Ihrem Besuch in Duisburg. Kommen Sie wieder! Ihnen und uns allen ein herzliches Shalom und Glück auf."
Dagmar Mühlenfeld, Oberbürgermeisterin
Kontakt
Stand: 20.10.2005













[schließen]
Bookmarken bei