Archiv-Beitrag vom 17.09.2008IX. Deutsch-Finnischer Kommunalpartnerschaftskongress vom 1. bis 3. September in Mülheim an der Ruhr

IX.Deutsch-Finnischer Kommunalpartnerschaftskongress Alle drei Jahre findet im Wechsel der Deutsch-Finnische Kommunalpartnerschaftskongress statt. Nachdem der letzte Kongress 2005 in Hyvinkää/Finnland getagt hatte, war im Jahr des 200jährigen Stadtjubiläums und des 15. Jahrestages der Auszeichnung mit dem Europapreis die Stadt Mülheim an der Ruhr vom 1. bis 3. September Ausrichter des internationalen Kongresses.

Leitthema des gemeinsam mit dem Rat der Gemeinden und Regionen Europas - Deutsche Sektion sowie dem finnischen Kommunalverband getragenen Kongresses war in diesem Jahr die Rolle der Kommunen in einer sich verändernden Welt.

Bereits am 1. September 2008 wurden die insgesamt 120 Delegierten, darunter Vertreter aus etwa 80 deutschen und finnischen Partnerstädten, von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld zu einem Begrüßungsempfang willkommen geheißen. Oberbürgermeisterin Mühlenfeld machte schon hier deutlich, dass ein interessantes Arbeitsprogramm und Gelegenheit zu intensivem Austausch in den kommenden Tagen auf die Kongressteilnehmer warten würden. Sie ermutigte alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen zur Diskussion über die Rahmenbedingungen eines wachsenden und sich wandelnden Europa und seinen immer neuen Herausforderungen.

Der erste Kongresstag begann mit der feierlichen Eröffnung im Festsaal der Stadthalle. Nach dem musikalischen Auftakt übermittelte Günter Thum als Vertreter des Rates der Gemeinden und Regionen Europas / Deutsche Sektion ein herzliches "Tervetuloa" den finnischen Gästen und ein "Herzliches Willkommen" allen Teilnehmern. Pekka Nousiainen übermittelte Grüße seitens des finnischen Verbandes der Gemeinden und Regionen Finnlands, und der neue V.l. Harry Helinius Botschafter von Finnland in Deutschland und Günter Thum, Vertreter des Rates der Gemeinden und Regionen Europas / Deutsche Sektion, Bürgermeister a.D. der Stadt RheineBotschafter von Finnland in der Bundesrepublik Deutschland, Harry Helenius, betonte: "Unsere gemeinsamen Interessen und das generelle Bestreben, Europa zu stärken, machen unsere Zusammenarbeit in der Europäischen Union natürlich und ergebnisorientiert". Er freue sich überdies, dass er seine Arbeit in Deutschland gerade in der schönen Stadt Mülheim an der Ruhr beginnen könne, die er zuletzt als Schüler im Jahr 1964 im Rahmen eines Austausches hatte besuchen dürfen.
Den Vertrag von Lissabon stellte anschließend Gastgeberin Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld in den Mittelpunkt ihres Auftaktreferates. Der Vertrag sei ein Meilenstein für all jene Länder, die sich jetzt auf den Weg zum "Europa der Bürgerinnen und Bürger" machten: "Bei allen neuen Anforderungen, denen sich die Europäische Union ausgesetzt sieht, muss sichergestellt sein, dass die im Vertragswerk hervorgehobene 'Bürgernähe' konsequent verfolgt wird", so Oberbürgermeisterin Mühlenfeld. Die kommunale Emanzipation müsse unterstützt und weiter vorangetrieben werden. Alle administrativen Entscheidungen seien auch an dem Ziel zu messen, ob sich die Menschen in Europa zuhause fühlen könnten. Nur so könnten wir den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen. Die Bürgerinnen und Bürger unserer Länder müssten vom Staat als Partner in dem Prozess, Globalisierung zu gestalten, gesehen werden. Dazu brauche es ein demokratisches und transparentes Europa, das seinen Bürgerinnen und Bürger stärker als bisher Möglichkeiten gebe, sich Gehör zu verschaffen. Nur dann bestehe die Chance, dass die Menschen in Europa sich auch tatsächlich für die Gestaltung der Idee Europa interessierten und engagierten. Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld

Wie dies gelingen könne, woran wir arbeiten müssten und wo voneinander zu lernen sei, das werde man in den nächsten Tagen gemeinsam diskutieren, so Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld. Ferner betonte die Oberbürgermeisterin die rechtliche Stellung der Kommune, die durch den Lissabonner Vertrag deutlich gestärkt worden sei. Auch sehe sie damit die Kommunen in der Pflicht, den europäischen Identitätsgedanken aktiv innerhalb ihrer Gemeinwesen zu gestalten. Ein Europa der Bürger und Bürgerinnen gelinge nur, so Dagmar Mühlenfeld, durch die vermittelnde Rolle der Kommunen: "Über die europäischen kommunalen Partnerschaften nämlich wird die europäische Integration durch Begegnungen und Austausch zwischen den Menschen in Europa für jeden Einzelnen erlebbar. Mit den Kommunen als Partner der EU-Institutionen wird europäisches Handeln bürgernäher." Schließlich würden langfristig bis zu zwei Drittel der Menschen Europas in Städten und Gemeinden leben, und gerade dort müssten zukünftig Antworten auf die relevanten Zukunftsfragen gefunden werden.

Den hohen Stellenwert des Lissabonner Vertrages für die Kommunen betonte anschließend ebenfalls Barbara Gessler, Leiterin der Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn im Rahmen ihres Referates zum Thema Kommunaler Wandel aus der Sicht Europas. Sie verwies aber auch auf den steigenden Wettbewerb zwischen den Kommunen im Rahmen von soziokulturellen, wirtschaftlichen und ökologischen Zukunftsfragen.
Anschließend richtete sich der Blick von der europäischen Sicht auf den kommunalen Wandel in Deutschland und Finnland und setzte dabei einen Schwerpunkt auf Veränderungen durch Gebiets- und Strukturreformen. Viele Gemeinden Finnlands erleben und durchlaufen gerade unterschiedliche Stadien von Gebietsreformen. Erfahrungen, Entwicklungen in den Kommunen, aber auch kritische Aspekte wurden seitens des Ministerialdirigenten a.D. Franz-Gerd Stähler vorgetragen, der Mitte der 1970er Jahre im Innenministerium des Landes NRW an der Planung und Durchführung der kommunalen Gebietsreform beteiligt war.Erfahrungsaustausch und Diskussion in den drei Workshops
Gefolgt von einer Schilderung der aktuellen Situation in Finnland durch die Referentin Tuija Pohjola, entwickelte sich schließlich ein lebhafte Diskussion, die deutlich machte, wie wertvoll der Kongress für den aktiven Austausch von Erfahrungen war. Nachmittags arbeiteten die Kongressteilnehmer in drei Workshopgruppen und gingen den Fragen nach, wie sich kommunale Partnerschaften verändern werden bzw. bereits verändert haben; wie sich Kommunen auf die Herausforderungen in einer globalisierten Welt einstellen können und welche Herausforderungen für Kommunen durch den demografischen Wandel entstehen. Deutsche und finnische Impulsreferate und Beispiele boten dabei Anregung zum Erfahrungsaustausch und Anlass zur Diskussion. Die Ergebnisse der Workshops werden auf dieser Seite veröffentlicht.

Mit drei verschiedenen Exkursionsangeboten (Ausflug Weiße Flotte, Firmenbesuch der Mannesmann-Röhrenwerke sowie Besuch des Centrums für bürgerschaftliches Engagement und der Bürgeragentur) endete das Kongressprogramm am zweiten Tag.


Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld im Gespräch mit KongressteilnehmernBeim offiziellen Abendempfang übermittelte Dagmar Mühlenfeld herzliche Grüße der Stadt Mülheim an der Ruhr. Dabei bot sie den Gästen einen Überblick über die Veranstaltungsangebote anläßlich des 200jährigen Stadtjubiläums und verwies insbesondere auf die regionaler Strahlkraft dieser Veranstaltungen, um die Gäste schließlich schon jetzt zum erneuten Besuch in Mülheim in 2010 im Rahmen der Feierlichkeiten zur europäischen Kulturhauptstadt einzuladen.


Der dritte Kongresstag begann mit der Vorstellung der Workshopergebnisse vom Vortag im Plenum.. Auch hier machte die anschließende Diskussion deutlich, dass der Kongress genau die Themen behandelte, die zurzeit das Geschehen in den Gemeinden und Kommunen bestimmen:

- "Die Kommunen und Städte sind die Motoren für die Entwicklung der wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen den Nationen",
- "Städte können nur durch Kooperation und nicht durch Konkurrenz profitieren",
- "kulturelle Vielfalt erlebbar machen und als positiven Standortfaktor gestalten"
- "Zusammenarbeit der Kommunen, der privaten Unternehmen und der ehrenamtlichen Institutionen heißt die Lösung, um den Herausforderungen im Rahmen des demografischen Wandels im 21. Jahrhundert entgegenzutreten".

Der Kongress endete am 3. September 2008 mit einer Podiumsdiskussion zum Oberthema des Kongressen: "Die Rolle der Kommune in einer sich verändernden Welt im BereichPodiumsdiskussion Globalisierung und Klimawandel" Es diskutierten Karl Peter Brendel, Staatssekretär im Innenministerium Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Kyösti Oikarinen, Vorsitzender des Stadtrates der Stadt Oulu, Dr. Stefan Thomas, Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH, Lauri Lamminmäki, Stadtdirektor der Stadt Kuusankoski sowie Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld als Schirmherrin des Kongresses. Moderiert wurde die Diskussion sowie der komplette Kongress vom Pressesprecher der Stadt Mülheim an der Ruhr, Volker Wiebels.
Natürlich wurde auch das Geheimnis des nächsten Austragungsortes gelüftet: Die finnische Stadt Joensuu wird im Jahr 2010 den X. Deutsch-Finnischen Kommunalpartnerschaftskongress ausrichten.

 

 

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Stand: 25.03.2010

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