Migration · Integration · Interkulturelles Leben
Das Gesicht der Migration in Mülheim an der Ruhr zeigen

Migration & Geschichte: Josef Godde (NRZ-Artikel)

Initiativ-Kreis-Integration (I-K-I) in Mülheim an der Ruhr gegründet

Zur Geschichte der Migranten gehören nicht nur deren Einreise und die Erlebnisse zu Beginn ihres Aufenthaltes in Deutschland, sondern auch Bemühungen zur Integration, der Aufnahme in die Gesellschaft. Zur Gemeinschaftsbildung, erklärt Josef Godde, der den Initiativ-Kreis-Integration (I-K-I) in Mülheim an der Ruhr gegründet hat.

Integration ist möglich, wenn:

  • Die aufnehmende Gesellschaft ihre Willkommensbereitschaft deutlich macht
  • Die Zugewanderten an der Gesellschaft deutlich teilnehmen wollen.
  • Beginnend mit dem Dialog darüber entsteht eine Einbindung in die Gesellschaft und eine Teilhabe an der Gesellschaft.

Die Gemeinschaft bildet sich, wenn anerkannt wird:

  • Das Grundgesetz sichert für alle in Deutschland wohnenden Menschen die unverletzbare Menschenwürde, die freie Entfaltung der Persönlichkeit, die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Religionsfreiheit.
    Über das Grundgesetz ist nicht zu diskutieren, sondern zu informieren.
  • Die Zugewanderten erlernen als Grundlage für die Verständigung die deutsche Sprache. Für ein allgemein besseres Verständnis wird die Fremdsprachenfähigkeit aller gefördert.
  • Alle Kulturen befinden sich in einem Prozess. Durch die Dialog-Kultur der Demokratie, die auf Minderheiten Rücksicht nimmt, bildet sich eine Gemeinschaft mit gemeinsamer Zukunft.

Die Auftaktveranstaltung der I-K-I war am 14. Januar 2008 in Mülheim im Theater an der Ruhr.

Die Moderatorin Beate Kowollik begrüßte um 18.00 Uhr ca. 75 Gäste, den Initiator des Initiativ-Kreis-Integration Josef Godde und die Teilnehmer an der Podiumsdiskussion: Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld, Leiter Theater an der Ruhr Roberto Ciulli, Dialogbeauftragter DITIB Köln Bekir Alboga, Seminarleiterin Monika Engel und Wirtschaftswissenschaftlerin Nergiz Bölükbasi.

Die Diskussion über Integration wurde sehr engagiert und lebhaft geführt. Die anwesenden Gäste erhielten Impulse zur Gemeinschaftsbildung und befassten sich positiv mit diesem Thema. Es wurde deutlich, die Gemeinschaft wird von und durch alle Bürger in einem Gemeinwesen gebildet. Jeder hat seinen Anteil am Gelingen der gemeinsamen Zukunft. Durch seine Offenheit und Bereitschaft, aufeinander zuzugehen.

Dialoge zwischen Deutschen und Migranten fördern Kontakte und Verbindungen zwischen Menschen mit unterschiedlicher Kulturerfahrung. Deshalb waren die Gäste eingeladen, sich nach der Podiumsdiskussion an Thementischen über gemeinsame Interessen zu unterhalten, Kontakte zu knüpfen und gemeinsame Aktivitäten abzusprechen.

Für das Theater an der Ruhr erklärte Roberto Ciulli, das Theater wolle zukünftig zwei bis drei Aufführungen inszenieren, welche das Thema der verschiedenen Kulturen und die Gemeinschaftsbildung zum Inhalt haben würden. Die Besucher würden eingeladen, unmittelbar im Anschluss an die Aufführungen darüber im Theater zu sprechen. Das Theater will deshalb die Uhrzeit für diese Aufführungen vorziehen.

Auf den Thementischen für Kultur, Gesang, Sport und Bürgervereine waren Vorschläge als Beispiele ausgelegt, was Deutsche und Vereine gemeinsam mit Migranten und deren Organisationen unternehmen könnten.

Kultur gemeinsam erleben. Beispiele:

Gemeinsamer Besuch kultureller Veranstaltungen: Theater an der Ruhr; Stadthalle, Konzertbesuch; Ringlokschuppen, freies Kulturzentrum; Tersteegenhaus, Heimatkunde; Hochschloss Broich; stadtgeschichtliches Museum; Büromuseum im Rathausturm; Camera Obscura, Medienmuseum; Leder- und Gerbermuseum; Aquarius, Wassermuseum; Haus Ruhrnatur, regionale Flora und Fauna, Ökologie; Stadtbücherei
Besichtigungen: Bismarckturm, Museum Alte Post, Villa Hügel, Hafenrundfahrt Duisburg-Ruhrort.

Das Interesse am Thementisch Kultur war besonders groß. Die angekündigten speziellen Aufführungen des Theaters an der Ruhr wurden sehr begrüßt. Herr Breuer von hausheinrichsrot bietet eine Folgeveranstaltung im Bereich Kultur an. Außerdem besteht unter anderem die Absicht, Kinder einer tamilischen Schule und deutsche Kinder gemeinsam zu einem Thema malen zu lassen. Das Ergebnis wird dann zusammen mit ihren Familien betrachtet. Eine Vertreterin der Migrantenselbstorganisation besprach mit der Kulturreferentin den Besuch des Ledermuseums mit über zwanzig zugewanderten Frauen. Danach sind weitere Museumsbesuche geplant.

Gemeinsam singen und musizieren. Beispiele:

Gesangsvereine proben mit Zuwanderern aus verschiedenen Ländern einen Kanon (z. B. Bruder Jakob), der gleichzeitig in verschiedenen Sprachen gesungen wird und bieten sich einen Sängerwettstreit in der Anzahl der verschiedenen Sprachen. Ein abrahamisches Orchester spielt gleichzeitig dazu.
Die Gesangsvereine und das Orchester spielen zur Siegesfeier eines multikulturellen Sportwochenendes.

Die Vertreterin der Organisation Frauen der Welt wies darauf hin, das zugewanderte Frauen gerne in einem Chor singen würden. Sie würden sich jedoch nicht trauen, sich in einem Chor anzumelden, da sie die deutsche Sprache nicht beherrschten. Die Vertreterin eines Mülheimer Chores wird versuchen, sie in den Chor zu integrieren. Der deutsche Liedtext soll dann in einer für die zugewanderte Frau lesbaren Lautschrift verfasst werden.

Vertreter zweier Chöre wollen sich bemühen, Zugewanderte in Chöre aufzunehmen. Sie besprachen auch die Möglichkeit der Gründung eines neuen Chores mit dem Namen MIXED NATIONS, also einem Chor aus verschiedenen Nationen.

Sport multikulturell bestreiten. Beispiele:

Alle Mülheimer Sportvereine wettstreiten/spielen an einem Wochenende gegen eine multikulturelle Mülheimer Mannschaft. Besondere zusätzliche Spielregeln für diese multikulturellen Sporttage sind: Gewinnende Mannschaften gleichen 3 Minuten vor Spielende ihren Vorsprung durch Eigentore aus. Gewinnende Läufer bremsen 10 Meter vor dem Ziel ab und laufen dann Hand in Hand auf gleicher Linie mit den anderen Sportlern durch das Ziel. Der gemeinsame Sieg wird ausgiebig gefeiert. Getränke und Speisen sind multikulturell.

Bereits bei der Vorbereitung der Auftaktveranstaltung  erklärte sich der MSS-Mülheimer Sportservice in Zusammenarbeit mit dem MSB-Mülheimer Sportbund bereit, im Jahre 2008 eine integrative Sportveranstaltung durchzuführen. Mitglieder der Turngemeinde 56 wollen aktiv den Gedanken der Integration in die Vereinsarbeit einbringen.

Mülheim gemeinsam erleben. Beispiele:

St. Martin-Umzug, Nikolausmarkt in Saarn; Weihnachtsmarkt, Schloßstraße, Kirchenhügel; Kirmes an der Mintarder Straße; Spaziergänge durch die Saarner Ruhraue, vom Müga-Gelände zum Schloss-Styrum, durch den Witthausbusch, durch das Rumbachtal, Fahrradtour vom Kloster Saarn nach Mintard, vom Schloss Styrum zum Kloster Saarn, Schifffahrt nach Kettwig, zum Hafen Duisburg-Ruhrort.

Vertreter von Bürgervereinen aus den Ortsteilen Saarn, Speldorf und Styrum haben verabredet sich abzustimmen. Sie wollen gemeinsam mit Migranten einige der vorgenannten Beispiele verwirklichen.

Gäste der Auftaktveranstaltung, die nicht an Thementischen teilnahmen erklärten, durch die Podiumsdiskussion hätten sie eine neue Sichtweise der Integration. Sie würden sich zukünftig positiv und engagierter mit dem Thema auseinandersetzen.

Josef Godde
Mülheim an der Ruhr, im März 2008

IKI-LogoBeitrag Migration und Geschichte


Kontakt: vhs@muelheim-ruhr.de
http://www.kulturbetrieb.de
http://vhs.muelheim-ruhr.de
Das Projekt Migration & Geschichte
wurde durch die Leonhard-Stinnes-
Stiftung gefördert.

Impressum
Stand: 26.07.2010

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