Migration · Integration · Interkulturelles Leben
Das Gesicht der Migration in Mülheim an der Ruhr zeigen

Hintergrundinformationen zum Themenblock "Jüdische Migration aus der ehemaligen UdSSR"

Wir berichten auf diesen Internetseiten in vielen Facetten über die „Jüdische Migration aus der ehemaligen UdSSR“. Darunter sind ganz persönliche Zeitdokumente von Mülheimern, die zum Beispiel die Verbrechen der Nazis schildern. Um aber noch besser zu verstehen, warum die Juden unter anderem nach Deutschland gekommen sind, möchten wir hier auf einen interessanten Beitrag bei Wikipedia, „Geschichte der Juden in Russland“ verweisen.

Dieser Beitrag ist nicht in allen Punkten deckungsgleich mit unseren Informationen, er ist aber im Großen und Ganzen hervorragend recherchiert und vermittelt viele wichtige Erkenntnisse über das Leben der Juden im Osten vom 8. Jahrhundert bis heute. Besonders möchten wir auf die Informationen ab dem Absatz „Die Februarrevolution – 1917“ hinweisen, die ganz konkrete Hintergrundinformationen aufzeigen, warum die Juden aus Russland, der UdSSR und den Nachfolgestaaten immigrierten.

Inhalt dieser Seite:

Redaktion: Prof. Herbert Kaiser/Klaus Wichmann, Mülheim an der Ruhr, im Januar 2010

Migration & Geschichte: Lesen-Icon für Buchempfehlungen. Link zu wikipedia.org

Migration & Geschichte: Jüdische Migration aus der UdSSR
Frederik Grinberg als Junge auf seinem Ausweis während der Internierung im Ghetto von Tschernowitz

Mein Leben im Ghetto und auf dem okkupierten Territorium

"Als die Deutschen kamen, mussten wir 1941 ins Ghetto. Wir lebten in ständiger Angst um unser Leben. 1942 wurde das Ghetto liquidiert, wir mussten fünf Stunden im Schneeregen stehen. Wir trugen alle einen 'Judenstern'. Juden wurden auf der Straße verprügelt. Wir wohnten in Kellern und auf Dachböden. 1944 wurden wir von der Russischen Armee befreit." Frederik Grinberg, Mülheim an der Ruhr, im Oktober 2009

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 Migration & Geschichte: Jüdische Migration aus der UdSSR
Das Staatsgebiet der ehemaligen Sowjetunion (Quelle Landkarte: Wikipedia, Perconte)

Hintergrund: Juden in der ehemaligen Sowjetunion

1939 lebten dort ca. 3 Mio. Juden. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt und der sowjetischen Annexion waren es ca. 5 Mio. Durch die deutsche Willkürherrschaft sind ca. 2,5 Mio. Juden getötet worden. Nach 1945 bestand in der UdSSR ein tief verwurzelter Antisemitismus weiter fort.

Juden-Emigration aus der ehemaligen UdSSR:

1990 ca. 1,2 Mio. Juden lebten in der ehem. UdSSR
1990 - 1997 ca. 700.000 Emigranten
Haupt-Zielländer:  Israel, USA

(Quelle: Universalgeschichte der Juden, dtv, 2004)

 

Migration & Geschichte: Jüdische Migration aus der UdSSR
Eheleute Poukhovitskij mit Enkel Vadim, jüdische Emigranten in Mülheim an der Ruhr

Für die jüdischen Kontingentflüchtlinge

gelten seit 2006 die Regelungen des allgemeinen Zuwanderungsgesetzes. Sie heißen jetzt jüdische Emigranten. Für sie gelten Erleichterungen. Es gibt keine Altersbeschränkungen; die Familien werden nicht getrennt; es gibt keine automatische Sozialklausel. Vielmehr soll auf die Selbstauskunft der Zuwanderer-Kandidaten vertraut werden, aus der sich die Sozialprognose für das Leben in Deutschland ergibt. Jedoch müssen jetzt Grundkenntnisse der deutschen Sprache und die Möglichkeit der Aufnahme in eine jüdische Gemeinde nachgewiesen werden. (Quelle: Jüdische Allgemeine, 6. Jg., Nr. 1, Januar 2006)

 

Migration & Geschichte: Wäre nicht die KATASTROPHE gewesen...
Die Familie Puchovicki auf einem Vorkriegsfoto: Lazar’ i Gelja mit den Kindern Naum und Lisa. Sie haben nur noch ein Jahr zu leben. Nur Naum wird überleben.

Wäre nicht die KATASTROPHE gewesen...

Vorwort: Das ist die Geschichte der Familie Puchovicki, die in der KATASTROPHE (Weißrussland, 1941 – 1945) etwa 300 Angehörige verloren hat; erzählt von Naum Puchovicki, in deutsch wiedergegeben von Leo Scharzmann; publiziert in „Delet“ (1/2008), der Zeitschrift der liberalen jüdischen Gemeinde des Ruhrgebiets; zur Veröffentlichung freigegeben mit freundlicher Genehmigung durch „Delet“. Unstimmigkeiten in der Chronologie sind Ausdruck der Erinnerungsarbeit und wurden bewusst nicht geglättet.

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Migration & Geschichte: Jüdische Migration aus der UdSSR
Sowjetischer Ausweis der jüdischen Emigrantin Jelena Filatov mit der Kennzeichnung als Jüdin

Kontingentflüchtlinge

Sie sind eine priviligierte Gruppe von Ausländern, die im Rahmen humanitärer Hilfsaktionen eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis und die Rechtsstellung von Flüchtlingen erhalten sowie einen besonderen Ausweisungsschutz genießen. (Quelle: google, Kontingentflüchtlinge)

Von 1991 bis 2005 hatten Juden aus der ehemaligen Sowjetunion die Möglichkeit, als Kontingentflüchtlinge nach Deutschland umzusiedeln. Im Bewusstsein historischer Verantwortung wollte die Bundesrepublik Deutschland den Zuzug von Juden erleichtern, um die jüdische Gemeinschaft in Deutschland zu stärken. Bis 2005 reisten ungefähr 200.000 Juden ein; etwa die Hälfte schloss sich jüdischen Gemeinden an, die dadurch stark anwuchsen. (Quelle: Jüdische Allgemeine, 6. Jg., Nr. 1, Januar 2006)

 

Migration & Geschichte: Jüdische Migration aus der UdSSR
Jelena Filatov, Dagmar van Emmerich und Tamarra Strijewski vom Deutsch-Russischen Kulturzentrum

Deutsch-Russisches Kulturzentrum e. V.

Gegründet im Februar 1994 durch weit mehr als 100 Menschen. Dies entsprang dem beiderseitigen Bedürfnis, vor dem Hintergrund der belasteten Geschichte unserer Völker, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen, die wechselseitiges Verständnis und Vertrauen fordern und fördern. Konkret geht es auch heute noch darum, den russischsprachigen Migranten in unserer Stadt Hilfen bei ihrer Integration zu bieten. Dies ist vielfach gelungen. Deutsche und Russen fanden schnell zueinander; in Sprachkursen, durch kulturellen Austausch, durch Exkursionen, durch Feste und Feiern. 2009: 15 Jahre Kulturzentrum, ein wichtiger binationaler und interkultureller Treffpunkt.

 

Migration & Geschichte: Jüdische Migration aus der UdSSR
Die Lehrerin Jelena Filatov im Sprachunterricht

Sprachunterricht – Zweisprachigkeit

Seit 1998 gibt es in Mülheim einen Russischunterricht als Angebot für alle Kinder, deren Muttersprache russisch war und ist. Er wurde auf Initiative des Deutsch-Russischen Kulturzentrums eingerichtet, unterstützt vom Stadtschulamt. Als Lehrerin ist Jelena Filatov bis heute tätig. Am Anfang besuchten 45 Kinder den wöchentlich zweistündigen Unterricht. Heute sind es 114, vom ersten bis zum zehnten Schuljahr. Zum Abschluss kann eine zeugnisrelevante Prüfung abgelegt werden.

 

Migration & Geschichte: Jüdische Migration aus der UdSSR
Ärztin Tatjana Gougnova

Erfolgreich in Mülheim angekommen

Tatjana Gougnova und Vladimir Volovitsch aus Orenburg/Ural kamen 1994 nach Deutschland. Seit 1996 leben sie in Mülheim, unterstützt vom hiesigen Deutsch-Russischen Kulturzentrum. Beide sind in Russland ausgebildete Ärzte, durften aber in Deutschland erst nach einer mehrjährigen Probezeit selbständig praktizieren. Tatjana bestand 2000 die Zulassungsprüfung und eröffnete in Mülheim eine Praxis für russischsprachige und deutsche Patienten, die sehr gut angenommen wird. Sie betrachtet ihre Patienten als große Familie. Sie wirbt für ein Engagement im Deutsch-Russischen Kulturzentrum. Ihr Mann arbeitet in Oberhausen als Oberarzt für Schmerztherapie und Anästhesie.

 

Migration & Geschichte: Jüdische Migration aus der UdSSR
Oleg Tartakowski

Geboren in der Ukraine – Weltmeister für Deutschland

1994 kam Oleg Tartakowski nach Deutschland. Bald fing er mit Jiu Jitsu an und ist national und international erfolgreich: Mitglied der Nationalmannschaft seit 2000, "Deutscher Meister" und "Weltmeister", 14 Gold-, 10 Silber- und 5 Bronzemedaillen. Er unterrichtet ehrenamtlich Kinder und Erwachsene im Mülheimer Jiu-Jitsu-Verein "Bujindo e. V.". Seit drei Jahren ist Oleg Leiter des Kinder- und Jugendzentrums "Tikwatejnu" der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen. Nach dem Abitur in Mülheim begann Oleg Tartakowski Medizin an der Universität Duisburg-Essen zu studieren, er möchte Kinderarzt werden.

Redaktion: Deutsch-Russisches Kulturzentrum e. V.; Prof. Herbert Kaiser; Klaus Wichmann; Abbildungen privat; Mülheim an der Ruhr, im Oktober 2009

Migration & Geschichte: Lesen-Icon für Buchempfehlungen. Fragen und Antworten: Schüler und junge Erwachsene aus Russland bzw. Nachfolgestaaten der UdSSR oder mit russischem Migrationshintergrund zu ihrem Leben in Deutschland. Lesen Sie hier den kompletten Beitrag ...mehr

 


Deutsch-Russisches Kulturzentrum e. V.

Bruchstraße/Ecke Schillerstraße
45468 Mülheim an der Ruhr
Telefon 0208.485381
Telefax 0208.461279
mail@van-emmerich.eu

Was ist kultura?
Kultura ist das Deutsch-Russische Kulturzentrum. Es wurde im März 1994 von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Mülheim gegründet, denen die Begegnung mit den Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion am Herzen lag. Dem Verein gehören zwischenzeitlich 120 Mitglieder an, wobei der weitaus größte Teil Russisch als Muttersprache aufweist.

Ziele der kultura
Kultura liegt besonders die Integration der Menschen aus dem russischen Sprachraum am Herzen. Vorurteile sollen abgebaut werden. Wir wollen wechselnde Neugierde wecken und befriedigen.

Was macht kultura?
Kultura bietet ein vielseitiges Programm an. Mit Vorträgen, Ausstellungen, Exkursionen, Reisen und Kursen findet eine ständige Auseinandersetzung mit den kulturellen, politischen, wirtschaftlichen sowie auch der sozialen Situation mit den ehemaligen Staaten der Sowjetunion, dem heutigen Russland und den Verhältnissen hier vor Ort statt. Kultura bietet Hilfe und Unterstützung für unsere Neubürger in mannigfacher Art.

Das Kulturzentrum hat jetzt einen eigenen Internetauftritt:
deutsch-russische-kultura-muelheim.de


Kontakt: vhs@muelheim-ruhr.de
kw@wichmann-kommunikation.de
http://www.kulturbetrieb.de
http://vhs.muelheim-ruhr.de
Das Projekt Migration & Geschichte
wird durch die Leonhard-Stinnes-
Stiftung gefördert.

Impressum
Stand: 26.01.2011

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