Archiv-Beitrag vom 29.07.2009Jugendliche aus den Partnerstädten zum 2. Internationalen TWINS.2010-Workshop "Traces of Fatzer" zu Gast in Mülheim

In der Zeit vom 25. Juli bis 9. August 2009 findet der 2. Internationale TWINS.2010-Workshop "Traces of Fatzer / Spuren von Fatzer" in Mülheim an der Ruhr statt, an dem Jugendliche aus den Partnerstädten Darlington, Tours, Opole und Istanbul-Beykoz teilnehmen.

Die jungen Gäste aus unseren Partnerstädten setzen sich dabei u. a. auch mit den Stückfragmenten des Dramas "Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer" von Bertolt Brecht und werden diese auch inszenieren.

Aus Anlass dieses bedeutenden Jugendkulturprojektes lud Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld am 28.7.2009 die Jugendlichen sowie Vertreter aus Politik, Rat, Verwaltung, Ringlokschuppen und RUHR.2010 zu einem Empfang in das Schloß Broich.

Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld begrüßt die Gäste und Jugendlichen aus den Partnerstädten zum Empfang anlässlich des 2. Internationalen TWINS.2010-Workshop Trasces of Fatzer am 28.7.2009 im Schloß Broich

 Foto: Anke Degner

 

Rede der Oberbürgermeisterin:

 

Verehrte Gäste,
liebe junge Freunde und Freundinnen unseren Partnerstädten Darlington, Tours, Opole und Beykoz,

herzlich willkommen in Mülheim an der Ruhr!

Ich freue mich sehr, dass das TWINS.2010-Projekt "Traces of Fatzer" in diesem Jahr mit einem zweiten Workshop seine Fortsetzung findet und sehe einige bekannte Gesichter aus dem letzten Jahr (knapp 40 TeilnehmerInnen insgesamt, davon waren einige auch bei dem ersten Workshop dabei).

Gerne erinnere ich mich an die Abschlussveranstaltung im August 2008 und an den Enthusiasmus, den Mut und die Ausdauer, mit dem die erste Aufführung auf die Beine gestellt wurde

Auch in diesem Jahr geht es um die Auseinandersetzung mit dem Schriftsteller Bert Brecht und um die kulturelle Kooperation in Europa, gelebt von jungen Menschen aus den Partnerstädten.

Der Jugendaustausch war für die Stadt Mülheim im Rahmen der städtepartnerschaftlichen Begegnungen schon immer ein wichtiges Element. Bei solchen Treffen, stellt sich stets heraus, dass die Gemeinsamkeiten überwiegen und die Unterschiede das Ganze erst spannend machen.

Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld begrüßt die Gäste und Jugendlichen aus den Partnerstädten zum Empfang anlässlich des 2. Internationalen TWINS.2010-Workshop Trasces of Fatzer am 28.7.2009 im Schloß Broich

Auch Brecht war – nicht zuletzt auch durch seine erzwungene Emigration ein Europäer und Weltbürger - seine Gedanken sind jenseits aller nationalen Grenzen gültig.

"Traces of Fatzer" ist so ein internationales Brecht-Stück... es fordert auf, sich mit dem Zusammenleben von Menschen, mit Gesellschaft und Demokratie auseinanderzusetzen.

Insbesondere junge Menschen sind auf der Suche nach der Balance von Identität und Freiheit und gleichzeitig nach der Sicherheit einer Gemeinschaft.

Was, wer bin ich und worüber definiere ich mich - eine Frage, mit der sich Jugendliche auf dem Weg zum Erwachsenwerden auseinandersetzen.

Kleidung, Sprache und Lebensstil spielen hierbei eine große Rolle.

Als Brecht Anfang zwanzig war, waren viele seiner Freunde und Bekannten auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges gefallen.
Er hat in seinem 58-jährigen Leben zwei Weltkriege erlebt,
seine Jugend und seine Erlebnisse waren dadurch nachhaltig geprägt, sie waren andere als unsere, seine Sprache ist die Sprache seiner Zeit.

Die grundsätzliche Frage aller Generationen und Zeiten aber ist geblieben:
Wieviel Anpassung ist erforderlich und wieviel Individualität ist möglich und notwendig, damit das Zusammenleben in einer Gemeinschaft funktioniert und sich die Menschen in ihr wohl- und angenommen fühlen.

Brechts Episches Theater will beim Zuschauer Gefühl und Mitgefühl durch Verstehen und Erkennen ersetzen.
Solches Verstehen und Erkennen erstreckt sich auch auf die Veränderbarkeit von Geschichte. Wir, das Publikum, sollen hieraus Konsequenzen für unser eigenes Denken und Handeln ziehen - so auch bei Fatzer.

Brecht wollte "die Welt endlich bewohnbar machen" bzw. zu deren Veränderung in diese Richtung beitragen. Ein Fazit ist: Wir, die Bewohner der Erde, tragen die Verantwortung, wir müssen sie bewohnbar machen. Das ist Aufforderung und Auftrag an uns alle, an der Gestaltung der Gesellschaft mitzuwirken. Unsere Demokratie gibt uns diese Möglichkeiten.
Man kann sie nicht früh genug wahrnehmen.

Brecht verweist in seiner epischen Dramatik auf die Verantwortung des Individuums für seine Geschichte.Verantwortung zu übernehmen, muss man lernen und es erfordert Mut. Es geht um Verantwortung für das eigene Leben und für die Gesellschaft in der man lebt.

Projekte wie diese sind ein Baustein auf diesem Weg. Ich freue mich, dass Ihr Euch entschieden habt, an diesem Workshop teilzunehmen.

So wächst die Jugend unserer Partnerstädte und damit Europa wieder ein Stück weiter zusammen.

Ich danke an dieser Stelle der RUHR.2010, die im Vorlauf auf das Kulturhauptstadtjahr dieses Projekt unterstützt hat sowie der Leonhard-Stinnes-Stiftung, dem Auswärtigen Amt und dem Förderverein Mülheimer Städtepartnerschaften.

Um es mit Bert Brecht zu sagen: "Die Weisheit eines Menschen misst man nicht an seinen Erfahrungen, sondern an seiner Fähigkeit Erfahrungen zu machen".

Ausreichend Gelegenheit hierzu bietet Euch dieser Workshop.

Ich wünsche Euch allen viel Freude an den Projekttagen und viel Erfolg für die Aufführung am 8. August!

Habt eine schöne Zeit in Mülheim an der Ruhr!

Kontakt


Stand: 29.07.2009

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