Archiv-Beitrag vom 27.05.2009Konstituierende Sitzung des Bildungsbeirates

Zur konstituierenden Sitzung des Kommunalen Bildungsbeirates kamen Mitte Mai Vertreter aller gesellschaftlichen Gruppen in der Mülheimer Volkshochschule zusammen. Grundlage für den Mülheimer Bildungsbeirat ist der am 1. Januar 2009 geschlossene Kooperationsvertrag zwischen der Stadt Mülheim an der Ruhr und dem Land Nordrhein-Westfalen, der eine Stärkung der kommunalen Bildungsverantwortung zum Ziel hat.

Konstituierende Sitzung des Bildungsbeirates. Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld. VHS, Heinrich-Thöne-Volkshochschule20.05.2009Foto: Walter Schernstein

 

In dem Kooperationsvertrag wurde u.a. vereinbart, dass ein Kommunaler Bildungsbeirat installiert wird in dem Vertreter und Vertreterinnen aller Mülheimer Bildungsakteure unter Einbeziehung der Eltern und Schülerinnen und Schüler Absprachen und Empfehlungen in Bezug auf die im Kooperationsvertrag vereinbarten Handlungsfelder treffen.

Begonnen mit dem KiTa-Zweckverband über den Kulturbetrieb der Stadt, Elternvertretern, Schülervertretern, Jugendhilfe, der Schulaufsicht, Schulleitern bis hin zur Wirtschaft trafen sich über 40 Akteure des Mülheimer Bildungsnetzwerkes.

Die Teilnehmer spiegeln die ganze Bandbreite der Mülheimer Bildungslandschaft wider.

Konstituierende Sitzung des Bildungsbeirates. Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld. VHS, Heinrich-Thöne-Volkshochschule20.05.2009Foto: Walter Schernstein

Fotos: Walter Schernstein

In der Begrüßung erinnerte Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld (Bildmitte) daran, dass die Stadt Mülheim eine der ersten Städte ist, die den Kooperationsvertrag für das regionale Bildungsnetzwerk zur Förderung der eigenverantwortlichen Schule unterschrieben hat und wird die Entwicklung in diesem Bereich konsequent vorantreiben, denn – so Dagmar Mühlenfeld – "Bildung geht alle an, es braucht eine ganze Stadtgemeinde um die gesteckten Ziele zu erreichen und es muss eine regionale Bildungslandschaft gestaltet werden".

Gleichzeitig skizzierte die OB in Ihrer Zukunftsvision, dass es in zehn Jahren kein Kind ohne Bildungsabschluss in Mülheim an der Ruhr geben soll. "Die Bildung wird als Standortfaktor immer wichtiger. Die Stadt Mülheim soll durch ihre Bildungsinstitutionen Anziehungspunkt für Wirtschaft und Bevölkerung werden. Das Kommunale Bildungsbüro ist Ankerpunkt für diese Entwicklung." In diesem Zusammenhang bedankte sie sich für die versprochene Unterstützung der Mülheimer Wirtschaft, in Form der Bereitstellung von Leistungen im Wert einer Personalstelle.

In Mülheim gibt es auch schon zum jetzigen Zeitpunkt viele Kooperationen, kleinere und größere Netzwerke, die sich gemeinsam für Bildung engagieren. Diese sollen stärker verknüpft werden, voneinander wissen und miteinander kooperieren, um die Mülheimer Bildungslandschaft insgesamt transparenter zu gestalten.

Dagmar Mühlenfeld erläuterte die neue Rolle des Schulträgers. "Die klassische Trennung von inneren und äußeren Schulangelegenheiten, wobei der Schulträger in der Vergangenheit nur für die sächliche Ausstattung der Schulen zuständig war, ist nicht zukunftsfähig. Wir brauchen heute ein neues kommunales Bildungsverständnis und die sich daraus ergebende kommunale Bildungsverantwortung:

  • die Bildungskarrieren müssen kommunal unterstützt werden
  • die Bildungssteuerung muss durch die Kommune erfolgen
  • die Profilbildung der Schulen muss abgestimmt auf die Gesamtsicht auf Bildung in der gesamten Stadt erfolgen
  • es muss eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Schulträger, der Schule und dem Elternhaus geben.
  • die Bildungskette beginnt ab der Geburt ein Leben lang," so die Oberbürgermeisterin.

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Stimmen aus dem Teilnehmerkreis

Dr. Albert Noll (Dezernent Bezirksregierung Düsseldorf) begrüßt, dass in Mülheim pädagogische Themen im Mittelpunkt stehen und nicht nur strukturelle Themen wie zu Beginn in den Modellkommunen. In diesen Kommunen wurde lange nur über Zuständigkeiten der Schulaufsicht und der Schulen diskutiert, bevor die inhaltliche Arbeit geleistet wurde. Auch die Ausweitung des Teilnehmerkreises des Bildungsbeirates auf alle Bildungsakteure vor Ort hält er für einen sehr positiven Ansatz, der richtungsweisend auch für andere Städte sein kann.

Gisela Hohlwein (Leiterin des Kompetenzteams Mülheim an der Ruhr) sieht eine gute Möglichkeit der Zusammenarbeit. Das Kompetenzteam Stadt Mülheim an der Ruhr berät und unterstützt Schulen im Rahmen ihrer Konzeptarbeit und bietet bedarfsorientiert Fortbildung in den Kernfächern an. Fachliche Anknüpfungspunkte sind insbesondere Individuelle Förderung und Unterrichtsentwicklung. Die Vernetzung des Kompetenzteams mit den Fortbildungsakteuren in Mülheim hat schon begonnen und kann zukünftig mit Hilfe des Bildungsbüros weiter vorangetrieben werden.

Udo Woschei (Elternvertreter der Realschulen) sieht eine gute Chance im Bildungsnetzwerk, da es selten die Gelegenheit gibt sich mit anderen Eltern zusammenzusetzen und auszutauschen. Ziel sollte es sein ein Elternnetzwerk (Stadt-Elternschaft) über alle Schulformen hinweg zu installieren. Weitere wichtige Fragestellungen, die aus seiner Sicht im Bildungsbeirat beraten werden sollten sind:

Wie können Eltern und Kinder bei Übergängen abgeholt werden?

  • Wie können die einzelnen Übergänge: Kita – Schule/ Grundschule – weiterführende Schule/ Schule – Beruf; Studium optimiert werden?

Moritz Böing (Schülervertreter der Gesamtschulen) erläutert, dass Schüler eine sehr pragmatische Sicht auf die Bildungsentwicklung haben. Er bittet in diesem Zusammenhang aber auch darum Maßnahmen nicht voreilig umzusetzen. Wichtige Themen aus seiner Sicht sind:

  • Ausweitung des Ganztagsangebotes
  • Soziales Lernen
  • Vernetzung mit außerschulischer Bildung

Herr Böing sieht die wichtigste Funktion des Bildungsbeirats als Informationsverbund. Im Ergebnis müssen alle Bildungsangebote in Mülheim an der Ruhr transparent gemacht werden.

Barbara Wagner (KiTa-Zweckverband) gefällt die Bandbreite des Kooperationsvertrages und der geladenen Teilnehmer des Bildungsbeirates bezogen auf die Bildung im Elementarbereich. Auch hier können im Rahmen eines Bildungsnetzwerkes Ressourcen gebündelt werden und Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden. Nach Ihrer Einschätzung muss der Focus lebensbegleitend auf Bildung liegen und zitiert Kennedy mit: "Nichts ist so teuer wie keine Bildung!"

Ingrid Lürig (Vertretung für den Schulformsprecher der Gesamtschulen) ist eine Bestandsaufnahme der bestehenden Netzwerke sehr wichtig. Gleichzeitig sollten " Good Practice" Beispiele der Schullandschaft zugänglich gemacht werden. Diese Aufgabe kann nach Ihrer Einschätzung zentral durch das Kommunale Bildungsbüro erfolgen.

Elisabeth Schulte (UntermehmerverbandsGruppe e.V.) begrüßt das Bildungsnetzwerk der Stadt Mülheim. In Bezug auf den Übergang Schule-Beruf sieht Frau Schulte das Problem, dass Eltern nicht erreichbar sind. Insofern besteht hier im Rahmen der Netzwerkbildung eine gute Möglichkeit die Einbeziehung der Elternhäuser zu verbessern.

Gerda Möhring (Elternvertreterin Gymnasien) unterstützt das Anliegen von Herrn Woschei zur Einrichtung eines Elternnetzwerkes. Frau Möhring berichtet über gute Erfahrungen mit dem Instrument eines Elternstammtisches, der an ihrem Gymnasium stattfindet und Gelegenheit für einen Austausch bietet. Bei der Planung der Elternarbeit muss aber bedacht werden, dass Elternarbeit ehrenamtliche Arbeit ist. Die Arbeit in den einzelnen Schulen nimmt für Elternvertreter schon viel Zeit in Anspruch, daher wünscht sie sich durch das Bildungsbüro Unterstützung auf organisatorischer Ebene. Das Bildungsbüro könnte hier als Geschäftsstelle fungieren.

Aloys Meyer (Schulformsprecher Grundschulen) sieht die Bildung von Netzwerken als Voraussetzung für erfolgreiche Bildungsbiografien. Die Schulen arbeiten auch jetzt schon nicht im freien Raum, sondern sind in Teilbereichen bereits gut vernetzt. Als Beispiel nannte er die Arbeit mit problematischen Kindern/Familien in Zusammenarbeit mit der Erziehungsberatungsstelle und Schulberatung. Für Schulen wird es zukünftig immer wichtiger Netzwerke zu nutzen und sie erhoffen durch das Bildungsnetzwerk und das Bildungsbüro unter anderem eine Verstärkung der Kooperation mit der Jugendhilfe. Ein weiterer möglicher Ansatz ist aus seiner Sicht die Beteiligung des Bildungsbeirats an der Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung.

Ute Wohlgemuth (Ministerium für Schule und Weiterbildung)

Die Befragung der Beteiligten über positive beizubehaltende Bereiche des Modellprojekts "Selbstständige Schule" haben folgende Themenfelder aufgezeigt:

  • Schulformübergreifende Zusammenarbeit hat sich bewährt
  • Absprachen in Bezug auf Zusammenarbeit. Entwicklung eines Verständnisses von gutem Unterricht z.B. kleinräumlich auf der Ebene eines Stadtteils
  • Schulleiterqualifizierung
  • Koordinierung des Schulbudgets
  • Steuerung der Schule

Frau Wohlgemuth sieht eine große Chance, dass in der Stadt Mülheim an der Ruhr diese Themenfelder durch die geschaffenen Organisationsstrukturen zeitnah umgesetzt werden können.

Kontakt


Stand: 28.05.2009

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