Kooperation in der Zeitmaschine: Auf Mont Cenis suchten Ruhrgebietsstädte nach Spielregeln für Zusammenarbeit

Mit ihrer zweiten Ankerveranstaltung auf Mont Cenis in Herne hatte sich die „Städteregion Ruhr 2030“ viel vorgenommen: Am 9. und 10. Juli 2002 verhandelten 44 Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft über die Spielregeln für eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Städten im Ruhrgebiet. Und damit die Verhandlungen nicht durch die alltäglichen Mißtöne gestört werden, hatten sich die Städte Herne und Mülheim an der Ruhr zu einem Experiment entschlossen: Den Rahmen für die Spiel-regel-Verhandlungen bildete eine Konsensbildungs-konferenz im Jahr 2016!
Unter den Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft war Mülheim an der Ruhr mit Stefan Bruckner (Mülheim & Business GmbH), Rolf Hornbostel (Stab kommunale Entwicklungsplanung und Stadtforschung), Matthias Lincke (Vermessungs- und Katasteramt), Helga Sander (Beigeordnete Planen, Bauen, Umwelt), Rolf Suttmann (Stadtplanungsamt) sowie Dieter Wiechering (SPD-Ratsfraktion/Vorsitzender Plannungsausschuß) vertreten, auch aus Mülheim an gereist war Dr. Bernd Schönwald (ZENIT GmbH).
Während der zwei Tage in der Zeitmaschine wurden Kooperationsverträge entwickelt. Die Verträge vereinbaren Ziele und Verfahren der Zusammenarbeit, vor dem Hintergrund eines gemeinsamen Kerninteresses: der Attraktivitätssteigerung in der Region. Damit wurde ein Instrument der interkommunalen Kooperation erprobt, mit dem die Durchsetzung der eigenen Interessen mit den Interessen der Nachbarstädte so abgestimmt werden kann, daß im Ergebnis alle Beteiligten gewinnen.
„Die Zeitmaschine hilft uns, kreativer und unbefangener über Kooperation nachzudenken“, erklärte Mülheims Oberbürger-meister Dr. Jens Baganz, , „Wir müssen allerdings auch im Jahr 2016 durch geeignete Spielregeln verhindern, daß ein Wettbewerb zwischen den Ruhrgebietsstädten auf Kosten einzelner Städte oder ihrer Bevölkerung geht!“
„Kooperation zwischen den Ruhrgebietsstädten erfordert viel Vertrauen“, unterstreicht die Beigeordnete Helga Sander, die in Mülheim an der Ruhr für Umwelt und Planung zuständig ist, „Es sind ja nicht die Städte, sondern immer Menschen, die miteinander kooperieren. Da hilft es natürlich, wenn man weiß, auf wen man sich verlassen kann.“
Besonders wichtig sind die Spielregeln für den Ausgleich von Vorteilen und Nachteilen zwischen den Kooperationspartnern. Die gemeinsame Festsetzung neuer Gewerbegebiete oder der Schutz von Freiflächen über die Stadtgrenzen hinweg kann nur funktionieren, wenn niemand ungerecht benachteiligt wird.
Die Methode simulierter Verhandlungen wurde an der Rechtsfakultät der Harvard University entwickelt, um die Beilegung von internationalen Streitigkeiten und die Vermeidung von Gerichtsprozessen zu unterstützen. Da stadtregionale Kooperation auch für andere Städte in Deutschland ein Zukunftsthema bildet, eröffnen die Ruhrgebietsstädte mit ihrer Konsensbildungskonferenz einen neuen Zugang zur Kommunalpolitik: Spielregeln für Kooperation und Eigensinn!
Nach der erfolgreichen Durchführung der Konsensbildung innerhalb der Zukunftssimulation kommt es nun darauf an, die gewonnenen Erkenntnisse im Forschungsverbund Städteregion Ruhr 2030 zu strukturieren und hieraus für den politischen Alltag praxistaugliche Empfehlungen abzuleiten.

Informationen über „Städteregion Ruhr 2030“:
Rolf Hornbostel (0208) 455-6801
Ingo Kurosch (0208) 455-6805
Anja Thiel (0208) 455-6807
Webpage: www.ruhr-2030.de
Im Leitbildvorhaben „Städteregion Ruhr 2030“ suchen die Städte Duisburg, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen, Essen, Gelsenkirchen, Herne, Bochum und Dortmund gemeinsam mit der Fakultät Raumplanung der Universität Dortmund nach Zukunftsbildern, Spielregeln und Leitprojekten für Kooperation und Eigensinn in der Kernzone des Ruhrgebiets. Seit November 2001 wird diese Suche vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin und vom Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen finanziell unterstützt.


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Stand: 25.08.2003

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