Archiv-Beitrag vom 02.09.2009Kranz zum Antikriegstag am 1. September 2009 niedergelegt

Der Kriegsopfer in ehrendem Gedenken


Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der IG-Metall Mülheim an der Ruhr, Ulrich Dörr, dem Regionsvorsitzenden des DGB, Dieter Hillebrand, sowie dem Vorsitzenden des VVN, Helmut Herrmann, legte Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld im Rahmen einer Gedenkfeier zum Antikriegstag am 1. September am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus im Luisental einen Kranz nieder. In Ihrer Ansprache dankte Sie insbesondere dem DGB für die Ausrichtung der Gedenkveranstaltung sowie den vielen Anwesenden aus Politik, Rat, Verwaltung und Bürgerschaft. Ebenfalls mit dabei: die Klasse 9b der Hauptschule Bruchstraße, die das Thema zurzeit im Unterricht behandelt und sich daher besonders intensiv mit dem geschichtlichen Hintergrund beschäftigt. Ihre Teilnahme freute Dagmar Mühlenfeld: "Es ist wichtig, dass sich auch junge Leute mit der Geschichte auseinandersetzen, sich erinnern gegen das Vergessen. Das ist eine Verantwortung aller Generationen, damit sich eine solche Geschichte nicht wiederholt", so die Oberbürgermeisterin.

In ihrer Rede zur Kranzniederlegung appellierte sie an alle Anwesenden: "Wir treffen uns seit Jahren am 1. September hier im Luisental zu diesem Gedenken, das keine Routine werden darf... Deshalb sind Gedenktage wie diese notwendig... Wir gedenken in dem Bewusstsein, unsere Demokratie zu schätzen und zu pflegen, den europäischen Gedanken zu unterstützen und der Notwendigkeit, auf die Konfliktherde der Welt Einfluss zu nehmen - im Sinne des demokratischen, freiheitlichen und rechtsstaatlichen Gedankens. Nur mit diesem Versprechen kann ich mich guten Gewissens hier und heute verneigen vor den Opfern des nationalsozialistischen Gewaltregimes... Lassen Sie uns das gemeinsam tun." (Die ganze Rede finden Sie unterhalb des Textes).

 

Brief zum 70. Jahrestag des Überfalls auf Polen an Partnerstadt Opole

 


Dagmar Mühlenfeld nahm den 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen ebenfalls zum Anlass, Stadtpräsidenten Zembaczynski und den Bürgerinnen und Bürgern der Mülheimer Partnerstadt Opole einen Brief zu schreiben, im dem sie ihre besondere Anteilnahme zum Ausdruck brachte: "... Millionen polnische Bürgerinnen und Bürger haben in der Folge ihre Heimat, ihre Angehörigen und ihr Leben verloren. Deshalb ist es mir an diesem Tag ein besonderes Anliegen, Ihnen allen stellvertretend für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Mülheim an der Ruhr unsere Anteilnahme für die durch unser Land erlittenen Verluste auszusprechen. Dies geschieht in Wissen um die besondere Verantwortung, die allen Deutschen obliegt, nämlich die im Namen unseres Landes begangenen Verbrechen und Grausamkeiten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Umso dankbarer sind jedoch die Mülheimerinnen und Mülheimer, dass die städtepartnerschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Städte heute - und seit Jahren - eine feste Brücke der Verständigung und des Miteinanders in einem zusammenwachsenden Europa bedeuten. In diesem Sinne möchten wir auch in der Zukunft miteinander, nicht gegeneinander daran arbeiten, das gemeinsame Haus Europa zu bauen. Denn nur so, davon bin ich auch ganz persönlich überzeugt, wird es den Menschen in Europa dauerhaft gelingen, ein friedliches Zusammenleben aller Europäerinnen und Europäer garantieren zu können." 

 

Rede von Frau Oberbürgermeisterin Mühlenfeld
anlässlich der Kranzniederlegung zum Antikriegstag
am 01.09.2009 im Luisental

 

Sehr geehrte Herren und Damen,
lieber Herr Hillebrand,
lieber Herr Dörr,

ich bin Ihnen dankbar, dass Sie alle gekommen sind, um gemeinsam an die deutsche Verantwortung für die barbarischen Kriege zwischen 1914 und 1918 und vor allem zwischen 1939 und 1945 zu erinnern.
Herzlichen Dank dem DGB für die Einladung und die Ausrichtung dieser Veranstaltung.

Wir treffen uns seit Jahren am 1. September hier im Luisental zu diesem Gedenken, das keine Routine werden darf.

Wir versammeln uns, um an den Überfall der Deutschen Wehrmacht auf Polen zu erinnern, der sich in diesem Jahr zum siebzigsten Mal jährt. Ein furchtbares Jubiläum, das auch 70 Jahre später beschämt und entsetzt - und - hoffentlich - nachdenklich stimmt.
Das entscheidende Datum des Jahres 1939. Mit dem Überfall auf Polen wurde von Nazi-Deutschland der Zweite Weltkrieg entfesselt und damit ein 12 Jahre andauerndes Zeitalter unvorstellbarer Barbarei.
Die Vergangenheit können wir, die Generation des Jahres 2009, nicht mehr ungeschehen machen. Aber wir können in unserer Zeit Einfluss nehmen auf die Gegenwart künftiger Generationen.
Das ist umso wichtiger, je mehr über die Traumata der Überlebenden dieses Weltkrieges auf allen Seiten ans Tageslicht kommt und je weniger Zeitzeugen zur Befragung und zur Erzählung zur Verfügung stehen.
Von einer traumatisierten Gesellschaft der Kriegskinder ist die Rede, die in Deutschland deshalb eine so angepasste und fleißige Aufbauleistung nach 1945 hingelegt hat, weil sie gut funktionieren wollten, weil sie mit der Aufbauarbeit und dem guten Erfüllen demokratischer Erwartungen rechtfertigen wollten, dass sie am Leben geblieben waren.
Dies alles wird bald Vergangenheit sein. Dann werden keine Zeitzeugen mehr davon berichten können, wir verführbar der Mensch ist, wie mitleidlos und wie leicht er sich zum Schlächter benutzen lässt.

Darauf müssen wir vorbereitet sein, meine sehr geehrten Herren und Damen.
Dazu gehört eben auch, sich der Vergangenheit immer wieder aufs Neue bewusst zu werden und sie dauerhaft erinnerbar zu halten. Deshalb sind Gedenktage wie diese notwendig.

Hierzu gehört ebenfalls, sich der Gegenwart bewusst zu sein, darüber informiert zu sein, was in unserer Stadt, unserem Land, in der Welt geschieht, um wachsam zu bleiben und, wenn nötig, einzuschreiten und den Anfängen zu wehren
Hierzu gehört, aktiv zu einer menschlichen, demokratischen, friedensfähigen und damit lebenswerten Gesellschaft beizutragen.

Seit Kriegsende haben sich die europäischen Staaten rasant... und aufeinander zu entwickelt...
Aus den Feinden von einst sind die Freunde und Partner von heute geworden. Ein Prozess, der uns mehr als 60 Jahre Frieden, Freiheit und wachsenden Wohlstand beschert hat.

Europa ist heute Teil der globalen Welt und als solcher auch von der aktuellen Finanzmarkt und Wirtschaftskrise betroffen. Die gilt es zu überwinden, gewiss. Es gilt aber auch zu vermeiden, dass sich soziale Unterschiede in unseren Gesellschaften vergrößern, Konfliktherde innerhalb und zwischen Staaten entstehen und antidemokratische Kräfte erstarken lassen.

Auch das heutige Europa ist nicht gänzlich frei von Kriegen geblieben, nehmen wir beispielsweise den furchtbaren Krieg auf dem Balkan in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Außerhalb Europas gab und gibt es viele Kriegs- und Krisengebiete.
Auseinandersetzungen, deren Ursachen meist wirtschaftlicher, oft auch religiöser oder ethnischer Natur sind.
Der Kaukasus, Pakistan, Iran, der Kongo, Korea, der nahe Osten und viele andere Staaten und Regionen - Berichte über Kriege und Bürgerkriege finden sich täglich in den Medien.
Wie auch Berichte über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan, der zur Stabilität in der Region beitragen soll und zu Recht immer wieder neu hinterfragt wird. Es sind Diskussionen wie diese, die unsere Demokratie leisten und bestehen muss.


Meine sehr geehrten Herren und Damen,
der heutige Antikriegstag hat (leider) an Aktualität nichts verloren, auch wenn wir uns in Europa über ein weitgehend friedliches Leben freuen dürfen.

Denke ich an die Zukunft unserer Kinder und Enkel, dann wünsche ich den Menschen die Einsicht, Konflikte mit anderen Mitteln als Gewalt zu lösen.

Aber noch liegen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander.
Der Weg, der sie verbindet, ist unsere Herausforderung, die Herausforderung für die Menschheit.
Nur, auf das Wünschen allein können wir uns nicht verlassen. Die Zeiten sind vorbei, in denen es geholfen hat. Die gute Fee für unsere Welt müssen wir Menschen selber sein.

Voraussetzung ist die Lösung von Konflikten auf dem Wege der Kommunikation und in einem Umfeld von Achtung und Respekt.
Das fängt hinter der Haustür, in den Familien an und hört vor der Haustür noch nicht auf.

Vor unserer Haustür ist es insbesondere der Rechtsextremismus, der mir Sorgen macht.
Er macht mir Sorgen, weil es wieder möglich ist, dass Menschen beschimpft, verletzt, im schlimmsten Fall getötet werden, weil sie eine andere Hautfarbe haben, eine andere Religion oder andere Lebensentwürfe verfolgen als ihre Peiniger.
Er macht mir Sorgen, weil die Rechtsextremisten unseren Rechtsstaat abschaffen und durch diktatorische Strukturen ersetzen möchte.

Dies wird auf Dauer nur dann zu verhindern sein, wenn wir uns alle immer wieder vor Augen führen, welches hohe Gut es mit unser Demokratie trotz all´ ihrer Unzulänglichkeiten, zu schützen gilt.

Erst jüngst formulierte Peer Steinbrück bei Anne Will "Wenn Du Dich nicht um mich kümmerst, dann verlasse ich Dich.......
Deine Demokratie!".

Demokratie, meine Herren und Damen, ist nicht selbstverständlich. Sie muss von jeder Generation neu erarbeitet und gesichert werden. Das ist ein weiterer Grund, warum wir heute hier sind.

In diesem Bewusstsein gedenken wir der 60 Millionen Menschen, die dem Vernichtungskrieg der Nationalsozialisten zum Opfer fielen, der Juden, Sinti und Roma, der Homosexuellen, der Menschen mit Behinderungen, der politisch Andersdenkenden, der Zivilisten und Soldaten...
und wir gedenken der Befreiung durch die Alliierten am 8. Mai 1945, die uns Demokratie und Menschrechte zurückgebracht hat.

Wir gedenken in dem Bewusstsein, unsere Demokratie zu schätzen und zu pflegen, den europäischen Gedanken zu unterstützen und der Notwendigkeit, auf die Konfliktherde der Welt Einfluss zu nehmen - im Sinne des demokratischen, freiheitlichen und rechtsstaatlichen Gedankens.

Nur mit diesem Versprechen kann ich mich guten Gewissens hier und heute verneigen vor den Opfern des nationalsozialistischen Gewaltregimes... Lassen Sie uns das gemeinsam tun.

 

Kontakt


Stand: 03.09.2009

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