Künftige Entwicklung der Heimaterde

"So kenne ich die Heimaterdler: immer da, wenn etwas Wichtiges zur Diskussion steht." Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld war sichtlich erfreut, dass rund 270 Siedler und Siedlerinnen in der Stadtteilbücherei zur Stadtkanzlei-Veranstaltung kamen. Gemeinsam mit Baudezernentin Helga Sander und Professor Franz Pesch vom Gestaltungsbeirat der Stadt stellte sie sich den Fragen und Meinungen der Siedlungsbewohner.

Bevor es im Schulzentrum Heißen zur Sache ging, spazierten etwa 100 Bürger und Bürgerinnen unter der Leitung von Denkmalpfleger Erich Bocklenberg durch die Heimaterde. An markanten Plätzen lauschten sie mit Interesse seinen Ausführungen zur Geschichte und Entwicklung der Siedlung Heimaterde. Der Rundgang machte deutlich, dass sich die Siedlung in den vergangenen Jahrzehnten bereits an vielen Stellen verändert hat und dass nicht alle Häuser den typischen Charakter bewahrt haben.

Unterschiedliche Fassaden und Dächer, Carports und Anbauten – die Anforderungen an die Wohnungen und Häuser haben sich im Laufe der Jahre verändert. "Was immer die Stadt tut, sie wird nicht alle Betroffenen zufrieden stellen können", bekannte denn auch Oberbürgermeisterin Mühlenfeld gleich zu Anfang der Veranstaltung. Mit der Stadtkanzlei suche sie deshalb den Dialog mit den Heimaterdlern – unabhängig von den formellen Beteiligungsverfahren. Schließlich sollten sich die Menschen auch künftiger Generationen in dem städtischen Kleinod wohlfühlen.

Baudezernentin Helga Sander präsentierte den aktuellen Planungsstand. Demnach soll der Charakter der Siedlung erhalten bleiben, eine behutsame Nachverdichtung aber möglich sein. Derzeit warte die Stadtverwaltung auf das Gutachten zur Denkmalbereichssatzung des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege. Erst dann wolle die Stadt über weitere Schritte entscheiden. Erst dann würde die Arbeit an den Bebauungsplänen ggf. fortgesetzt.

Professor Franz Pesch hob zum einen den "wunderbaren Lebensraum" in der Heimaterde hervor. Zum anderen gab der Fachmann zu bedenken, dass sich die Gärten in den vergangenen Jahrzehnten vom Nutzland zum Freizeitbereich gewandelt hätten. Auch seien die einstigen Siedlerhäuschen zu klein für den Bedarf der künftigen Generationen. Schon jetzt gebe es kleinteilige Veränderungen an den Bauten, so dass sogar Doppelhäuser nun nicht immer gleich aussähen. Das Mitglied des Mülheimer Gestaltungsbeirates warnte vor der Einführung einer Denkmalbereichssatzung. Damit kämen erhöhte Aufwendungen auf die Eigentümer und Mieter zu. Im Gegenzug dazu empfahl Professor Pesch die Annahme der Gestaltungssatzung, die zwar den Charakter der Siedlung erhalte, den Bewohnern und Bewohnerinnen aber mehr Freiräume lasse.

In der anschließenden Diskussion trat ein Teil der Anwesenden vehement gegen Verdichtungspläne ein. Sie äußerten die Befürchtung, dass die Gärten nicht nur verkleinert werden sollten, sondern ganz verloren gingen. Unterstützung fanden sie bei Professor Roland Günter. Die Siedlung sei perfekt. Da müsse man nicht reinbauen.

Ein Teilnehmer stellte fest, dass nicht alle Heimaterdler die Vorstellungen der Bürgerinitiative teilen. Andere Stimmen forderten, die Phase der Stagnation endlich zu beenden. So sei eine Familie 2003 in die Heimaterde gezogen unter der Voraussetzung, bald Eigentum erwerben zu können. Nun müsste sie sich die Frage stellen, ob es sich lohne, hier wohnen zu bleiben. Eine Frau wolle für sich und ihre drei Kinder den Wohnraum erweitern, sei derzeit aber blockiert.

Baudezernentin Helga Sander stellte unmissverständlich fest, dass die Stadt keine Absprachen mit irgendwelchen Investoren getroffen habe. Ihre Aufgabe sei es nun, alle Informationen zu sammeln und fachlich zu bewerten. Anschließend müsse die Politik darüber entscheiden.

Die Vertreter von ThyssenKrupp Immobilien wiesen darauf hin, dass die Privatisierung der Häuser bereits seit 1980 vonstatten gehe. Daran halte das Unternehmen fest. ThyssenKrupp Immobilien verkaufe seine Häuser an die Mieter, nicht an Fremde, und das zu moderaten Preisen.

Fotos: Walter Schernstein

Die Kritik, dass seit dem vergangenen Jahr nichts Neues passiert sei, ließ Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld nicht gelten. "Wir haben die Gestaltungsfibel und den Gestaltungsbeirat auf den Weg gebracht. Nun warten wir auf das von Ihnen geforderte Gutachten aus Pulheim", so Mühlenfeld. Wenn dies vorliege, werde sie zu einer erneuten Stadtkanzlei-Veranstaltung einladen, um das Ergebnis mit den Bürgern und Bürgerinnen zu diskutieren.

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Stand: 25.05.2004

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