Pilotprojekt Lärmminderungsplanung 2000 bis 2006

Schon vor Einführung der EU-Umgebungslärmrichtlinie hat das Amt für Umweltschutz sich intensiv mit den Lärmeinwirkungen im Mülheimer Stadtgebiet auseinandergesetzt.

Im Zeitraum von 2000 bis 2006 fand das vom Land Nordrhein-Westfalen finanziell geförderte Pilotprojekt Lärmminderungsplanung fand statt.

Grundlage der Lärmminderungsplanung war die 1990 erfolgte Erweiterung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) um den § 47a. Damit war für die Gemeinden die Pflicht entstanden, unter bestimmten Umständen die auf ihr Gebiet einwirkenden Geräuschquellen zu erfassen und ihre Auswirkungen auf die Umwelt festzustellen.

                    Der innerstädtische Strassenverkehr auf dem DickswallEinfahrender Zug, Amt für Umweltschutz, Stadt Mülheim an der Ruhr

Vorgehensweise

Unter "Lärmminderungsplanung" versteht man einen mehrstufigen Planungsprozess, der im Prinzip in folgende Arbeitsschritte zusammengefasst werden kann:

  1. Vorprüfung: Die zuständigen Stellen befinden darüber, ob schädliche Lärmeinwirkungen auf das Gemeindegebiet und damit die rechtlichen Voraussetzungen für die Durchführung einer Lärmminderungsplanung gegeben sind. Falls dies zutrifft, erfolgt die
  2. Schallimmissionsanalyse: Diese beinhaltet die detaillierte Untersuchung der Auswirkungen der unterschiedlichen Lärmquellen auf das Plangebiet.
  3. Konfliktanalyse: In diesem Arbeitsschritt werden Konfliktbereiche, in denen die geltenden Richtwerte überschritten werden, aufgezeigt.
  4. Betroffenheitsuntersuchung: Ziel dieser Untersuchung ist eine nachvollziehbare Darstellung der Prioritäten innerhalb der Lärmminderungsplanung. Hier werden beispielsweise Größen wie Einwohnerzahlen/Bevölkerungsdichte sowie die Höhe der Lärmbelastung zu einer nachvollziehbaren Bewertungseinheit zusammengefasst.
  5. Maßnahmenplan: Dieser umfasst organisatorische, gestalterische, straßenverkehrsrechtliche, bauliche und sonstige technische Vorschläge, um schädliche Umwelteinwirkungen durch Lärm zu beseitigen oder deren Entstehen zu verhindern. Es werden Angaben zu den für die Umsetzung dieser Vorschläge zuständigen Stellen, zur zeitlichen Abwicklung und zu den Kosten gemacht.

Der im Rahmen des Pilotprojektes erarbeitete Lärmminderungsplan wurde im Mai 2006 fertig gestellt.

Ergebnisse

Die Ergebnisse umfassen:

  • Schallimmissionspläne für sämtliche Geräuschquellenarten
  • entsprechende Konfliktpläne
  • eine Betroffenheitsanalyse
  • einen Maßnahmenplan

Die Betroffenheitsanalyse ließ sehr gut erkennen, wo die meisten Mülheimer Bürgerinnen und Bürger durch Lärm belastet sind und machte dies erstmals auch quantitativ greifbar. Auf diese Art und Weise ist es möglich, mit Maßnahmen gezielt dort anzusetzen, wo die meisten Menschen betroffen sind.

Maßnahmen

Im Rahmen des Pilotprojektes wurden insbesondere ein Maßnahmenkonzept für den Bereich des Straßenverkehrslärms zu entwickeln. Generell bestehen hier unter anderem folgende Möglichkeiten, Lärm zu reduzieren:

  • Verkehrsberuhigung, Geschwindigkeitsreduzierung
  • Verkehrslenkung
  • Citylogistik (Parkraumführung, LKW-Führungskonzepte)
  • Verkehrsentwicklungsplanung (Verkehrsvermeidung, -verminderung, -verlagerung)
  • Trassierung der Verkehrswege (Tunnel, Hoch- oder Tieflage)
  • Schaffung räumlicher Abstände zwischen Emittenten und empfindlichen Nutzungen
  • Bau- und Nutzungsbeschränkungen (zum Beispiel keine weitere Wohnbebauung in verlärmten Bereichen)
  • lärmarme Fahrbahnbeläge, Wartung von Gleisen
  • quellenbezogene Lärmreduzierung (Bau und Betrieb der Fahrzeuge und Anlagen)
  • aktiver Schallschutz (Wälle, Wände, Schließen von Baulücken, Abschirmung durch Gebäude)
  • passiver Schallschutz (Grundrissgestaltung von Wohnungen, Schallschutzfenster)

Lärmschutzwand an der A40 in Mülheim an der Ruhr

Lärmschutzwand in Mülheim-Dümpten, Amt für Umweltschutz
Lärmschutzwände

Dabei ist generell festzuhalten, dass die erfolgversprechendste Maßnahme immer noch diejenige ist, Lärm zu vermeiden, bevor er überhaupt entsteht. Die nächste Wirksamkeitsstufe ist die Verminderung von Lärmemissionen an der Quelle selbst. Da die beiden vorgenannten Maßnahmenausrichtungen gerade in Ballungsräumen jedoch nicht immer möglich sind, ist die Reduzierung des Lärms auf dem Ausbreitungsweg (aktiver Schallschutz) oft das Mittel der Wahl. Erst an letzter Stelle in der Prioritätenreihung kommen Maßnahmen des passiven Schallschutzes, also der Lärmschutz direkt am zu schützenden Ort. Leider ist passiver Schallschutz in Verdichtungsräumen manchmal die einzige Möglichkeit, überhaupt eine Entlastung der Bevölkerung zu erzielen.

Insgesamt ist der im Rahmen des Pilotprojektes erstellte Lärmminderungsplan das Ergebnis der Untersuchungen über die Möglichkeiten, die Durchsetzbarkeit, die Kosten und die Wirksamkeit von Lärmminderungsmaßnahmen.

Die Mülheimer Vorgehensweise bei der Erstellung des Lärmminderungsplanes für wurde durch das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) und den Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR) in einem Leitfaden dokumentiert, der als Beispiel für zukünftige Lärmminderungsplanungen dienen soll (Download am Ende des Textes).

Auf Basis des Planes konnte auch eine ebenfalls vom Land geförderte Lärmminderungsmaßnahme an der Zeppelinstraße durchgeführt werden. Im diesem Rahmen erfolgte dort eine Fahrbahnsanierung bei der die vorhandene Pflasterung im Schienenbereich gegen Asphalt ausgetauscht wurde. Der Erfolg der Maßnahme ist als sehr hoch zu bewerten und übertrifft nach Messungen des Landesumweltamtes sogar die ursprünglich für möglich gehaltene Minderung. Auch die Rückmeldungen aus der Bürgerschaft waren sehr positiv.

Der aus dem Projekt resultierende Lärmminderungsplan selbst wurde vom Rat der Stadt zur Kenntnis genommen aber nicht als solcher verabschiedet.

Die Ergebnisse des Pilotprojektes bilden auch aktuell noch eine wesentliche fachliche Arbeitsbasis für den städtischen Lärmschutz.

Lärmkarten Pilotprojekt (Stand 2006)

Logo Lärmkarten

Sollte Sie Hilfe bei der Deutung der Karten benötigen oder weitere Fragen zum Thema haben, steht Ihnen das Amt für Umweltschutz gerne für Rückfragen zur Verfügung.

Mit der Verabschiedung der EU-Umgebungslärmrichtlinie ging eine Änderung des BImSchG einher. Die Vorgaben der EU zur Lärmminderungsplanung wurden in den sechsten Teil des Bundes-Immissionschutzgesetzes (§ 47a bis 47f) integriert.

Die EU-Umgebungslärmrichtlinie setzt dabei insbesondere einen Schwerpunkt auf die Beteiligung der Öffentlichkeit an der Aufstellung von städtischen Lärmaktionsplänen.

Mülheimer Seite zur Umgebungslärmplanung

 

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Stand: 02.08.2013

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