Archiv-Beitrag vom 28.02.2013"Menschen, die man vergisst, sterben ein zweites Mal"

Eröffnung der Stolperstein-Wanderausstellung der Realschule Mellinghofer Straße

Die Wanderausstellung „Menschen, die man vergisst, sterben ein zweites Mal“ wurde von der Arbeitsgruppe „Stolpersteine“ an der Realschule Mellinghofer Straße entwickelt und konzipiert. Bürgermeister Markus Püll eröffnete die Ausstellung jetzt im Rathausfoyer.

Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 10 haben sich eingehend mit der Thematik beschäftigt, leisten immer wieder Recherchearbeit, interviewen Beteiligte und Zeitzeugen, erarbeiten Dokumentationen, nahmen und nehmen an Stolpersteinverlegungen teil und übernehmen auch Pflegepatenschaften für einzelne Steine. Die Ergebnisse dieses Engagements sind mit der Wanderausstellung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich geworden.

Eröffnung der Stolperstein-Wanderausstellung

Foto: Walter Schernstein

Bürgermeister Markus Püll ist froh, "dass wir diese Arbeit hier im Rathaus zeigen können.
Nach Abschluss der Restaurierung ist es das erste Mal, dass dieses Foyer wieder als Ausstellungsfläche genutzt wird, und es ist schön, dass wir dies mit einer Präsentation tun können, die besondere Aufmerksamkeit verdient!"

Neben Stellwänden, die von Menschen erzählen, für deren Stolpersteine die Schüler Patenschaften übernommen haben, gibt es Informationen zum Initiator der Stolpersteine Gunter Demnig, Interviews, einen Film, der die Gedanken und Gefühle einiger Schüler zu den Stolpersteinen zeigt sowie eine künstlerische Installation.

"Die Ausstellung trägt dazu bei, dass Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aus der Anonymität heraus in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden. Sie hebt auch Einzelschicksale hervor. Und das ist wichtig, denn die ganze Grausamkeit des Geschehenen lässt sich intensiver erfassen, wenn man dies mit Namen und persönlichen Schicksalen verbinden kann," so Püll in seiner Eröffnungsrede. "Stolpersteine rufen ein stilles und stetiges 'Nie wieder' in unsere Straßen und unsere Köpfe. Sie fordern uns auf, unsere Demokratie zu schätzen und zu schützen. Ein hohes Gut, das wir oft zu selbstverständlich als gegeben hinnehmen. Deswegen muss unsere Stadtgesellschaft unendlich froh darüber sein, wenn ihre jungen Bürgerinnen und Bürger sich mit der Geschichte auseinander setzen, sich engagieren und Zeichen setzen, Zeichen gegen das Vergessen, gegen Rassismus und Gewalt. Und eine Schule, die ein solches Engagement anregt und ermöglicht, verdient Dank und Anerkennung für ihre vorbildliche Arbeit," lobt der Bürgermeister den Einsatz der SchülerInnen. "Allen, die an der Realisierung der Ausstellung mitgearbeitet haben, möchte ich sehr herzlich danken! Ihr habt einen großen Teil Eurer Zeit und sehr viel Sorgfalt und Mühe investiert. Darauf könnt Ihr stolz sein! Ihr habt Opfern ein Gesicht gegeben und dafür gesorgt, dass sie nicht mehr vergessen werden können. Ich wünsche mir, dass viele Menschen hierher in diese Ausstellung kommen, sich interessieren und Eure Arbeit würdigen!"

Schüler der Realschule Stadtmitte hatten vor 9 Jahren die Stolpersteine in Mülheim „ins Rollen gebracht“. Und seither sind es – neben der MIT - Mülheimer Initiative für Toleranz – vor allem zahlreiche Schüler an den Realschulen Mellinghofer Straße und Broich sowie an der Otto-Pankok-Schule, die das Projekt im Gespräch und lebendig halten und mit dafür Sorge tragen, dass die Geschichte der NS-Opfer in unserer Stadt dokumentiert und bewahrt wird.

In drei Wochen, am 22. März, werden die nächsten Stolpersteine verlegt. Es werden dann insgesamt 110 Steine an 60 Orten in unserer Stadt sein.

Hier gibt es weitere Informationen zum "Projekt Stolpersteine in Mülheim an der Ruhr".

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Stand: 28.02.2013

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