Migranten nutzen Gesundheitswesen anders

Stethoskop. Migranten nutzen im Vergleich zu Einheimischen das öffentliche Gesundheitswesen anders.

Migranten nutzen im Vergleich zu Einheimischen das öffentliche Gesundheitswesen anders. Dies ist das Ergebnis eines Forschungsberichtes des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BaMF). Dieser befasst sich umfassend mit der Gesundheit und Sterblichkeit von Migranten.

So ist die Nutzung von Vorsorgeleistungen sowie ambulanter Pflegedienste bei Migranten im Vergleich zur deutschen Bevölkerung unterdurchschnittlich. Dies wird auf Kommunikations- und Verständigungsprobleme, Informationsdefizite und ein unterschiedliches Gesundheits- und Krankheitsverständnis zurückgeführt.

Ausländische, dabei vor allem türkische Erwerbstätige, sind häufiger von Arbeitsunfällen und Arbeitsunfähigkeit betroffen als Deutsche. Dies wird damit begründet, dass ausländische Beschäftigte vermehrt Berufe ausüben, die ein erhöhtes Unfallrisiko aufweisen. Migranten nehmen bei Berufserkrankungen weniger medizinische Rehabilitationsleistungen in Anspruch, obwohl zum Beispiel türkische Erwerbstätige überproportional und früher in Rente gehen und von Erwerbsminderung betroffen sind.

Positiv auf den Gesundheitszustand von Migrantinnen und Migranten wirken sich "protektive" Wanderungsfaktoren aus (Healthy-Migrant-Effect - das heißt, das in der Regel zunächst beibehaltene günstigere Ernährungs- und Risikoverhalten, größere soziale Netzwerke und der höhere familiäre Zusammenhalt). 

Geringe Sterblichkeit bei jüngeren Migranten, höhere Risiken bei älteren Migranten

Die niedrigere Sterblichkeit bei Ausländern im Alter von 20 bis unter 60 Jahre deutet auf einen positiven gesundheitlichen Auswahlprozess hin, der in der Wissenschaft als "Healthy-Migrant-Effect" bezeichnet wird. Dieser besagt, dass Migranten zu Beginn ihres Aufenthalts in der Regel gesünder sind als gleichaltrige Nicht-Migranten. Da die Mehrheit der Zuwanderer im Alter von 20 bis 35 Jahren zuzieht, und sich dabei erst kurz in Deutschland aufhält, sind in diesen Altersstufen auch besonders geringe Sterblichkeitsrisiken zu erwarten.

Dagegen sind bei älteren Migranten ab 60 Jahren höhere Sterberisiken festzustellen. Dies ist zum einen auf die zunehmende Anzahl von älteren Personen zurückzuführen, die ursprünglich als "Gastarbeiter" von 1955 bis 1973 nach Deutschland zuwanderten und überwiegend schwere körperliche Arbeit verrichteten.
Zusätzlich wirkte sich die ungünstige soziale Situation negativ auf die Gesundheit aus.
Zum anderen liegt der Anstieg auch an den Rückwanderungen gesunder, ehemaliger Zuwanderer, die vor allem in der Zeit kurz nach dem Renteneintrittsalter in ihre Herkunftsländer zurückkehren.

Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

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Stand: 29.09.2017

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