MST-Tour nicht nur für Schulklassen: Stadtgeschichte zum Nationalsozialismus
"Stolpersteine" gegen das Vergessen
Plötzlich waren sie trotz gutem Notendurchschnitt "verschwunden" - sieben Schüler der ehemaligen Knaben- und Mädchenrealschule an der Oberstraße, der heutigen Realschule Stadtmitte. Bei Recherchen zum Schuljubiläum war dies den heutigen Schülern aufgefallen. Mit ihren Geschichtslehrern suchten die Jugendlichen weiter nach Informationen zum Schicksal der einstigen jüdischen Mitschüler.
Am 18. Dezember 2004 verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig die ersten "Stolpersteine" gegen das Vergessen. Nun gibt es einen Stadtrundgang für die 7. bis 10. Klasse und für interessierte Erwachsene:
"Mülheimer Stolpersteine - Stadtgeschichte zur Zeit des Nationalsozialismus"
Gästeführerin Anne Kebben entwickelte in Zusammenarbeit mit der Realschule Stadtmitte einen Stadtrundgang, der den Begriff "Stolperstein" im erweiterten Sinne verstanden wissen möchte. So erfährt man auf diesem Weg durch die Stadt von markanten Punkten in Mülheim, an denen man nicht einfach vorbeigehen kann, sondern über die man stolpern muss, und die zum Nachdenken anregen. "Der Rundgang will Anstöße geben und soll auffordern, sich mit dieser Zeit auseinander zu setzen", so Anne Kebben.
Die Tour, die am Rathaus startet, geht auf die Wahlen von 1933 ein und macht Station am Viktoriaplatz / Platz der ehemaligen Synagoge. An der Bahnstraße begegnen die Teilnehmer zwei Demnig-Stolpersteinen - zehn mal zehn Zentimeter große Steine mit aufgesetzten Messingtafeln, die an zwei Menschen erinnern, die während des Nationalsozialismus deportiert und ermordet wurden.
Über die Althofstraße geht es weiter zum Kirchenhügel, hier wohnten Mülheimer, von deren Verfolgung Anne Kebben berichtet. Über Fritz Thyssen und seine Rolle im Nationalsozialismus gibt es ebenso Informationen wie über die Haltung der evangelischen Kirche gegenüber den damaligen Machthabern einerseits und gegenüber den jüdischen Mülheimern andererseits. Die Gräber von 400 Zwangsarbeitern werden besucht und über die Bombennacht von 1943 gibt es einen Augenzeugenbericht. Wie Künstler, die nicht systemkonform waren, ihr Überleben sicherten, ist unter anderem ebenfalls ein Thema dieses Rundgangs, der am Bunker gegenüber der Stadthalle endet.
Den zweistündigen Stadtrundgang "Mülheimer Stolpersteine - Stadtgeschichte zur Zeit des Nationalsozialismus" bietet die Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH (MST) für die 7. bis 10. Klasse und auch für Erwachsene an. Die Kosten betragen 65,00 Euro für Schulklassen und 80,00 Euro für Erwachsenen-Gruppen - Informationen und Buchungen unter Tel.: 02 08 / 9 60 96 42.
Für Ideen und Unterstützungen rund um "Mülheimer Stolpersteine" können Sie sich auch an den MIT-Arbeitskreis Stolpersteine wenden, die die "Aktion Stolpersteine" seit 2007 fortführt und mittlerweile 73 Steine verlegt hat. Im Herbst 2010 wurde der 100. Stein verlegt.
Kontakt
Stand: 12.01.2012





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