3.2.2 Mühlen der frühen Neuzeit I (1508-1811)

Motenhofmühle (Vogtsmühle/Reckhammer)

Geschichte

Aufzählungszeichen

Die Getreidemühle/Ölmühle [?] hatte das Mahlzwangsrecht für die Höfe der Grafen von Limburg-Styrum in Mülheim.

AufzÃEURhlungszeichen

Anfang 18. Jh.: Johann Wilhelm Vogt wandelt die Getreidemühle in ein Hammerwerk [2 Eisenhämmer] um; die Vogtsmühle ist der erste eisenverarbeitende Betrieb in der Herrschaft Broich und beschäftigt 12-15 Arbeiter; er stellt Beschläge, Achsen und Lager für die Bauernwagen her.

Aufzählungszeichen

1804 [1812?]: Die Brüder Friedrich und Karl Voigt erwerben den »Reckhammer« von der Styrumer Lehenskammer; sie produzieren Werkzeuge für den Bergbau und Tuchscheren für Fa. Troost, Luisental, sowie für den Export nach Holland und Frankreich; insgesamt werden jährlich 12000 Pfund Eisen und Stahl im Wert von 3000 bis 4000 Talern verarbeitet.

Aufzählungszeichen

1837: Es wird (wieder) eine Getreidemühle erbaut und in Betrieb genommen.

Aufzählungszeichen

1865: Die Getreidemühle wird in eine Lohmühle umgewandelt.

Aufzählungszeichen

1906: Einstellung des Lohmühlenbetriebes.

Aufzählungszeichen

1960er Jahre: Der Motenhof und die Mühle müssen dem Bau der Häuser Dickswall 100-104 [110?] weichen.


Bauart

Aufzählungszeichen

Wassermühle.


Funktion

Aufzählungszeichen

Getreidemühle, Hammerwerk und Lohmühle.


Lage

Aufzählungszeichen

Mülheim, oberer Dickswall Nr. 100-104 oder Nr. 110, gegenüber der Einmündung der heutigen Oststr., bzw. an der Abzweigung der Essener Str. von der Walkmühlenstr.; gespeist vom Rumbach.


Zustand

Aufzählungszeichen

Nichts mehr vorhanden.

 

Motenhofmühle

Abb. 17: Motenhofmühle

 

Nachweise

Aufzählungszeichen

Barleben, S. 266 f., 341

Aufzählungszeichen

Böving, S. 10

Aufzählungszeichen

Denkschrift, S. 244

Aufzählungszeichen

Günter, S. 45

Aufzählungszeichen

Höfel, S. 15, 44 f., 47 ff.

Aufzählungszeichen

Terjung, S. 3, 24


Trennungsstrich

Mülhoffs Mühle

Geschichte

Aufzählungszeichen

1743: Hermann Mülhoff erhält von der Broicher Landesherrschaft die Erlaubnis, in seine Öl- und Lohmühle ein Schälwerk für Hirse und Gerste einzubauen.


Bauart

Aufzählungszeichen

Wassermühle [?].


Funktion

Aufzählungszeichen

Öl-, Loh- und Grützschälmühle.


Lage

Aufzählungszeichen

Unbekannt.


Zustand

Aufzählungszeichen

Nichts mehr vorhanden.


Nachweise

Aufzählungszeichen

Barleben, S. 285

Landschaftsverband, S. 17

Lohmühle

Geschichte

Aufzählungszeichen

1743: Betriebsgründung [?].


Bauart

Aufzählungszeichen

Wassermühle [?].


Funktion

Aufzählungszeichen

Lohmühle; gemahlen wurde Eichenrinde aus dem Auberg.


Lage

Aufzählungszeichen

Selbeck, An der Lohe.


Zustand

Aufzählungszeichen

Nichts mehr vorhanden.


Nachweise

Aufzählungszeichen

Jansen, S. 85 f.

Aufzählungszeichen

Meißner, S. 40


Trennungsstrich

Rauhenmühle

Geschichte

Aufzählungszeichen

1786: Hermann Rau(hen) erhält von der Broicher Herrschaft gegen Zahlung von 100 Talern die Konzession, an sein Haus eine Schälmühle anzulegen.


Bauart

Aufzählungszeichen

Wassermühle.


Funktion

Aufzählungszeichen

Grützschälmühle.


Lage

Aufzählungszeichen

Speldorf


Zustand

Aufzählungszeichen

Nichts mehr vorhanden.


Nachweise

Aufzählungszeichen

Barleben, S. 285

Aufzählungszeichen

Terjung, S. 3, 24 f.

Trennungsstrich

Troost"sche Weberei

Geschichte

Aufzählungszeichen

November 1790: Johann Caspar Troost [-1836] beantragt die Privilegierung zur Anlage einer Baumwollspinnerei, in der 40-50 minderjährige Mädchen [10-13 Jahre] aus den unteren Schichten an ca. 15 mechanischen Spinnmaschinen beschäftigt werden sollen.

Aufzählungszeichen

18.2.1791: Maria Louise Albertina Landgräfin zu Hessen[-Darmstadt] erteilt die Konzession für Johann Caspar Troost zur Fabrikgründung im Louisenthal. Troost darf vom Schleusenkanal der Ruhr Wasser bis zu seiner Fabrik leiten. Eingerichtet wird zunächst eine Baumwollspinnerei, als eine der modernsten im Rheinland ausgerüstet mit vom Engländer Richard Arkwright 1769 erfundenen Spinnmaschinen, deren Spinnstühle die Wasserkraft der Ruhr antrieb.

Der Angst der Pächter der Broicher Korn- und Papiermühle [sh. 3.2.1. 4.], Johann Wilhelm von Eicken und Witwe Vorster, vor Beeinträchtigung ihres Gewerbes wird in der Konzession dadurch Rechnung getragen, dass die Mühlenanlage Troosts weder die vorhandenen Mühlenbetriebe beeinträchtigen noch zu etwas anderem als der Baumwollspinnerei genutzt werden darf.

Bei der Entscheidungsfindung zur Konzessionierung gaben die Befürwortung der Betriebsansiedlung durch die Gemeindevertreter und die wirtschaftlichen Vorteile für die gesamte Herrschaft den Ausschlag, die sich zu dieser Zeit in einer wirtschaftlich schwierigen Situation befand.

Aufzählungszeichen

1817: Troosts Söhne Johann Caspar jr. und Ferdinand errichten eine Baumwollweberei, zu der später eine Gewebedruckerei kommt, um das in der Spinnerei gesponnene Garn in eigener Regie zu verarbeiten. Die Weberei verfügt 1836 über 4508 Spindeln und 50 Webmaschinen.

Aufzählungszeichen

Der Betrieb der Spinnerei wurde mit wenigen Fachkräften und einer großen Zahl ungelernter Kinder, die die Zuarbeiten ausführten, aufgenommen. 1800 gab es ca. 150-200 Beschäftige, nach der Einrichtung der Weberei 1817 ca. 300 Beschäftigte, 1841 ca. 480 Beschäftigte, 1846 über 1200 Beschäftigte, Troost ist zu diesem Zeitpunkt der größte Arbeitgeber in Mülheim.

Aufzählungszeichen

Die wechselhaften Ruhrpegel und konjunkturelle Schwankungen beeinträchtigten den Betrieb. Die Produktion wurde z. T. wieder in die häusliche Arbeit von Weberfamilien in Mülheim und Umgebung bis ins Münsterland hinein verlagert [vorindustrielles Verlagssystem]. Außerdem modernisierte man in den Jahren ab 1825 [1840er Jahre?] die Betriebstechnik: Dampfmaschinen übernahmen den Abtrieb der Spinn- und Webstühle.

Aufzählungszeichen

Nach dem Tod von Johann Caspar jr. und Ferdinand Troost wird der Betrieb 1849 aufgeteilt. Die Weberei wird 1856 in eine Aktiengesellschaft unter dem Namen »Luisenthaler Actien-Gesellschaft für Druckerei, Werberei und Spinnerei« umgewandelt. 250 Webstühlen bieten ca. 650 Menschen eine Beschäftigung. Die Gesellschaft wird 1875 liquidiert und nach mehreren Eigentümerwechseln 1894 an C. Roesch u. Co. verkauft.

Aufzählungszeichen

Die Spinnerei, die 1861 ca. 250 Beschäftigte zählt, wechselt mehrfach den Eigentümer, bis sie 1872 ebenfalls zur Aktiengesellschaft umgewandelt wird, zunächst als »Mülheimer Actiengesellschaft für Kunstwollfabrikation, Woll- und Baumwollspinnerei« bzw. seit 1886 »Mülheimer Kunstwollfabrik Actiengesellschaft«. Wegen mangelnder Nachfrage war die Woll- und Baumwollspinnerei eingestellt worden. Auch diese Fabrik wird später von C. Roesch u. Co. aufgekauft.

Aufzählungszeichen

Absatzgebiete von Weberei und Spinnerei sind neben der hiesigen Gegend Holland, Sachsen und die Schweiz.

Aufzählungszeichen

Für die vielen Kinder, die im Betrieb tätig sind, wird 1841 eine eigene Fabrikschule eingerichtet. Gemäß dem preußischen Kinderschutzgesetz von 1839 war die Beschäftigung von Kindern unter 9 Jahren verboten worden. Für Kinder bis zum 16. Lebensjahr wurde ein dreijähriger regelmäßiger Schulbesuch festgelegt. Um die Kinder weiterhin beschäftigen zu können, erhielten sie bei Troost einen täglichen Minimalunterricht von 2 Stunden. Das Gesetz wurde 1853 noch einmal verschärft: Kinder zwischen 12 und 14 Jahren durften längstens 6 Stunden täglich arbeiten.

Aufzählungszeichen

1841 beschäftigte Troost 46 Mädchen und 66 Jungen unter 16 Jahre. 1850 sind in der Spinnerei von 185 Beschäftigten 120 Kinder unter 14 Jahre. 1852 arbeiten in der Spinnerei nur noch 23 Kinder unter 14 Jahre und 26 Kinder über 14 Jahre. Im November 1879 arbeiten nur noch Kinder zwischen 14 und 16 Jahre im Betrieb, davon in der Kunstwollfabrik 12 Jungen und 22 Mädchen, in der Baumwollweberei 71 Jungen und 40 Mädchen.


Bauart

Aufzählungszeichen

Wassermühle mit 2 Mühlrädern; später Umstellung auf Dampfmaschinenantrieb.


Funktion

Aufzählungszeichen

Antrieb für die Webstühle und eine Kattun-Druckerei.


Lage

Aufzählungszeichen

Mülheim, Dohne, Gelände der Siedlung Louisenthal sowie längs des Schleusenkanals am Wasserbahnhof.


Zustand

Aufzählungszeichen

Mühlengebäude abgerissen, Mühlteich [heute Thyssenscher Teich], der sein Wasser aus dem Schleusenkanal bezog, noch vorhanden sowie Gebäudeteile der Fabrik, die heute das Altenheim »Luisenthal« beherbergen.

 

Fabrikgebäude der ehem. Firma Troost

Abb. 18: Fabrikgebäude der ehem. Firma Troost

 

Nachweise

Aufzählungszeichen

Barleben, S. 280-333

Aufzählungszeichen

Günter, S. 14, 45 f.

Aufzählungszeichen

Hartewig, S. 158-165

Aufzählungszeichen

Höfel, S. 68


Trennungsstrich

Lepkesmühle

Geschichte

Aufzählungszeichen

Besitz des Hochadeligen Damenstiftes Essen

Aufzählungszeichen

1792: Hermann Läppchen darf eine Mühle errichten und erhält von der Landesherrschaft die Mahlkonzession.

Aufzählungszeichen

19. Jh.: Einbau einer Dampfmaschine zum Ausgleich der oft nur geringen Wasserkraft.

Aufzählungszeichen

1921: Der Mühlenbetrieb wird eingestellt.

Aufzählungszeichen

Seit 1954: Schankwirtschaft »Leppkes Mühlenbach«, heute Landgasthof


Bauart

Aufzählungszeichen

Wassermühle mit 2 Mahlgängen für grobes [Roggen-, Gersten- und Haferschrot] bzw. für feines Mehl [Weizen und Buchweizen].


Funktion

Aufzählungszeichen

Getreidemühle.


Lage

Aufzählungszeichen

Dümpten, Hexbachtal, Hexberg oder Leppkesfeld, auf dem Gelände des Hofes an der Mühlenstr. [Besitzer 1950: Rohland] an der Grenze von Essen, Oberhausen und Mülheim; gespeist vom Lepkesmühlenbach.


Zustand

Aufzählungszeichen

Mühlteich erhalten; bis 1950 standen noch die großen Mühlsteine auf dem Hof.


Nachweise

Aufzählungszeichen

Jansen, S. 41

Aufzählungszeichen

Landschaftsverband, S. 17

Aufzählungszeichen

Meißner, S. 162

Aufzählungszeichen

Terjung, S. 3, 20-22


Trennungsstrich

Bensbergmühle

Geschichte

Aufzählungszeichen

Mühle der Broicher [?] Herrschaft.

Aufzählungszeichen

2. H. 18. Jh.: Betriebsgründung.


Bauart

Aufzählungszeichen

Wassermühle.


Funktion

Aufzählungszeichen

Grützschälmühle.


Lage

Aufzählungszeichen

Speldorf.


Zustand

Aufzählungszeichen

Nichts mehr vorhanden.


Nachweise

Aufzählungszeichen

Terjung, S. 3, 24


Trennungsstrich

Mühle im Werth, Hörstgenmühle

Geschichte

Aufzählungszeichen

Mühle der Broicher Herrschaft.

Aufzählungszeichen

Ende 18. Jh.: Umwandlung in eine Lohmühle [nach Böving: Entstehung nach 1806 als Ölmühle, dann Lohmühle].

Aufzählungszeichen

1845: Die Mühle befindet sich im Besitz von Johann Hörschgen.

Aufzählungszeichen

Ende 19. Jh.: Stillegung der Mühle, das Gelände gehört damals Stinnes.


Bauart

Aufzählungszeichen

Wassermühle, 1845 mit 3 Mühlrädern.


Funktion

Aufzählungszeichen

Getreide- [?], Öl- und Lohmühle.


Lage

Aufzählungszeichen

Mülheim, Ecke Schollenstr. und Ruhrstr. [Parkhaus Kaufhof]; vom Rumbach gespeist.


Zustand

Aufzählungszeichen

Nichts mehr vorhanden.

 

Mühle Im Werth

Abb. 19: Mühle Im Werth;
Ausschnitt aus dem Plan Beckers von 1750 (Abb. 8)

 

Nachweise

Aufzählungszeichen

Böving, S. 8

Aufzählungszeichen

Terjung, S. 3, 24

Kontakt


Stand: 11.06.2010

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