Mülheim im Wandel der Erdgeschichte

Eine kurze Geschichte zur Geologie und zur Geographie des Stadtgebietes

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem Steinbruch Rauen am Kassenberg in Mülheim an der Ruhr. Dort sind im Hangenden der Oberkarbonischen Schichtenfolge Transgressionssedimente aus der Oberkreidezeit aufgeschlossen. Teile des Steinbruchbetriebes sind als Geotop geschüzt.Jede Bodenentwicklung beginnt auf Gestein. Deshalb ist es zum Verständnis von Böden gleichsam von Bedeutung, welches Gestein den Untergrund bildet.

Mülheim liegt geologisch gesehen quasi im Dreiländereck. Das Mittelgebirge, das Niederrheinische Tiefland und die Westfälische Bucht treffen hier aufeinander. Im Stadtgebiet kommen unterschiedliche Gesteinsschichten mit verschiedenartigen Gesteinen vor. So finden sich Festgesteine (Sandstein, Tonstein, Kalkstein und Mergel) verschiedener geologischer Epochen neben jüngeren Lockergesteinen, überwiegend aus Sand und Kies und Ton.

Aufgrund der vielfältigen Standort- und Umweltbedingungen haben sich unterschiedliche Böden entwickelt.

Die ältesten Gesteine

Sie sind im bergischen Teil, im Süden des Mülheimer Stadtgebietes bis etwa zur Stadtmitte verbreitet und z. T. oberflächennah aufgeschlossen. Dies sind Sand- und Tonsteine des Karbonzeitalters, welches vor etwa 360 Millionen Jahren begann und vor etwa 300 Millionen Jahren endete. In den Gesteinsabfolgen gibt es mächtige Kohleflöze, die bereits seit dem Mittelalter in Schürfgruben, später dann auch bergmännisch in Stollen abgebaut wurden. Bis Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es viele Kohlezechen in Mülheim. Am Steilufer des Kahlenberges im Bereich der Jugendherberge ist ein Anschnitt mit einem flözleeren Teil der Gesteinsabfolge des Karbons sichtbar.

Bild eines felsigen Aufschlusses im Forstbachtal. Zu sehen ist ein Sandstein aus dem Oberkarbon. Darauf befinden sich flachgründige Böden.Auf der gegenüberliegenden Ruhrseite, am Kassenberg, wird der Sandstein und Tonstein seit mehr als 100 Jahren abgebaut. Kleinere Steinbrüche finden sich auch im Bereich der Freilichtbühne, sowie im Forst- und Rumbachtal. Der Ruhrsandstein hat als Baustoff im Stadtgebiet vielfach Verwendung gefunden beispielsweise am Kahlenbergwehr oder am Haus Ruhrnatur auf der Schleuseninsel.

Das Karbon bildet zusammen mit dem Devon (ca. 415-360 Mio. Jahre) ein 8.000 m mächtiges Grundgebirge. In verschiedenen Epochen wurde das Massiv gefaltet und immer wieder abgetragen, bis schließlich lediglich ein Rumpf, das heute Rheinisch-Westfälische Schiefergebirge, übrig blieb.

Die Gesteine aus dem Erdmittelalter

Das alte Grundgebirge wird in den nördlichen Stadteilen von Sedimenten der jüngeren Kreidezeit überdeckt (Kalksteinen und Mergeln), die vor etwa 145 Millionen Jahren bis vor etwa 66 Millionen abgelagert wurden. Diese Gesteinsschichten sind jedoch lediglich an wenigen Stellen des Stadtgebietes, in Teilen von Broich, Speldorf, Styrum und Dümpten, unmittelbar zu sehen. Dort, wo beispielsweise bei Bauarbeiten die Sedimente sichtbar werden treten blau-grünliche Mergel zu Tage.

Strandlagen in Mülheim

Am eindrucksvollsten sind diese kreidezeitlichen Kalk- und Mergelsteine im Steinbruch Rauen am Kassenberg angeschnitten. Dort befinden sich auf dem alten karbonischen Grundgebirges die Sedimente einer kreidezeitlichen Meeresablagerung, an deren Basis Brandungsgerölle aufgeschlossen sind. Die Schichten enthalten eine Vielzahl von marinen Sedimenten und Fossilien (Versteinerungen von Lebewesen). Hieraus konnten Geologen rekonstruieren, dass an dieser Stelle vor etwa 100 Millionen Jahren der südliche Küstenstreifen eines großen Flachmeeres lag, dass ganz Norddeutschland seinerzeit bedeckte und bis ins Ruhrgebiet reichte.

Gesteine der jüngeren Erdgeschichte - Für Geologen sind Millionen von Jahren vergleichbar mit einem Wimpernschlag der Erdgeschichte

Ablagerungen aus dem Tertiär (vor etwa 65-2,6 Mio. Jahren) finden sich im Süden und Südwesten des Mülheimer Stadtgebietes. Auch hierbei handelt es sich um Meeressedimente, die vor etwa 30 Millionen Jahren abgelagert wurden. Mehrfach stieß das Meer aus Nordwesten bis ins heutige Stadtgebiet vor. Reste einer küstennahen Sedimentation sind in Form von Tonablagerungen, an einigen Stellen auch in Form von Sanden in Teilbereichen von Selbeck erhalten. Weiter südlich in Ratingen wurden diese Tone abgebaut und in der Baustoffherstellung verwendet.

Viele dieser Gesteine und Sedimente der vergangenen geologischen Epochen sind im Stadtgebiet bis in die heutige Zeit hinein erhalten geblieben.

Das jüngste Zeitalter der Erdgeschichte

Bodenstation 9, Mülheimer Bodenleben, Erdgeschichte zum Anfassen auf der SchleuseninselDies ist das Quartär, das vor etwa 2,6 Millionen Jahren einsetzte und bis heute andauert. Eiszeiten und Warmzeiten, die mehrfach miteinander wechselten, haben im Quartär die Landschaft geformt und auch die Talbildung an Rhein und Ruhr im Wesentlichen ermöglicht. Gletschervorstöße aus dem Norden reichten während der größten Ausdehnung des Eises nach Süden bis über die Ruhr in Mülheim. Weite Teile Mitteleuropas waren im Dauerfrost erstarrt. Eisige Winde wehten über boden- und vegetationsfreie Flächen. Zeugen aus dieser Vergangenheit finden sich in Form alter Flussschotter in Höhenlagen weit über dem heutigen Talboden der Ruhr. Feinkörnige Partikel, die der Wind ausgeblasen hatte, bedecken als Löss weitflächig die Hoch- und Hanglagen. Lösslehm bedeckt in typisch gelb-brauner Färbung zum Teil großflächig und mächtig die Hänge und Hochflächen östlich der Ruhr in Menden, Holthausen, Fulerum und Ickten.

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Stand: 28.08.2013

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