Mülheimer unterstützen "ruhrbania"

Foto: Walter Schernstein

Volles Haus im Mülheimer Stadtbad. Dort, wo früher die Schwimmer ihre Runden zogen, saßen und standen am Mittwoch Abend rund 160 Mülheimer Bürgerinnen und Bürger. Gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld, Baudezernentin Helga Sander, Jürgen Schnitzmeier von der Mülheim & Business GmbH und Stefan Zowislo von der Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH diskutierten sie während der ersten Stadtkanzlei über das Zukunftsprojekt „ruhrbania“.

Eine Multi-Media-Präsentation stand am Anfang der etwa 2-stündigen Veranstaltung. Dank Fotos und farbiger Skizzen wurde die Vision von „ruhrbania“ im Stadtbad sichtbar. Die Referenten unterstrichen in ihren Beiträgen, wie wichtig die Umsetzung von „ruhrbania“ für die Zukunft der Stadt Mülheim sei. „Wohnen, arbeiten und erleben am Wasser“, dieses Leitmotiv füllten sie in ihren Vorträgen mit Leben.
„Mülheim nahe der Ruhr oder doch bald an der Ruhr?“, mit dieser provokanten Frage eröffnete Moderator Stefan Leiwen das direkte Gespräch zwischen den Bürgerinnen und Bürgern sowie der Stadt.
Leerstehende Geschäfte in der Innenstadt, Verkehrsprobleme, Skepsis über die Notwendigkeit einer Marina und die Bebauung der Ruhrpromenade – die Bürgerinnen und Bürger nahmen in ihren Fragen kein Blatt vor den Mund. Trotz einiger Zweifel an der Umsetzbarkeit des Zukunftsprojekts waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jedoch einig: Mülheim verdient eine Chance. Und die trägt den Namen „ruhrbania“.

(K)eine Frage des Geldes

Oberbürgermeisterin Mühlenfeld entkräftete schon gleich zu Beginn ein wichtiges Gegenargument, das mehrere Bürgerinnen und Bürger in ihren Fragen angesprochen hatten. „Wir können nicht die Sanierung von Schulen gegen die Weiterentwicklung unserer Stadt aufrechnen. Das sind unterschiedliche Geldtöpfe, die wir nicht miteinander vermischen können“, so das Stadtoberhaupt. Außerdem werde die Stadt „ruhrbania“ ja nicht alleine finanzieren. „Wir wollen an das Geld der Investoren“, betonte Mühlenfeld und fügte hinzu, dass sie dafür deutschlandweit Werbung mache.
Auf die Finanzierung von „ruhrbania“ ging auch Helga Sander ein. „Wir stecken derzeit 16 Millionen Euro pro Jahr in die Sanierung von Schulen. Das hat Priorität für uns“, erklärte die Baudezernentin. Diese Ausgaben seien aber keine Konkurrenz zum „ruhrbania“-Projekt. „Wir rechnen hier mit Kosten von 40 Millionen Euro. Einen Teil davon erhalten wir als Fördermittel von Bund und Land“, sagte Sander. Rund 12 Millionen Euro sollen aus dem Verkauf von städtischen Grundstücken und noch einmal 3 Millionen Euro aus den Erschließungsbeiträgen kommen. Damit bleibe für die Stadt nur ein geringer Teil an Eigenleistung.

Kein Stau bei der Verkehrsplanung

Auch die im Vorfeld so hitzig geführte Debatte zum Thema Verkehr griff die Baudezernentin auf. Mit der Veränderung an der Ruhrstraße gehe natürlich ein neues Verkehrskonzept einher, betonte sie. Die Ruhrstraße werde es weiterhin geben, allerdings nur einspurig, um das neue Stadtquartier auch mit dem Auto erreichen zu können. Nur der Durchgangsverkehr solle auf einem Ring rund um die Stadt geführt werden. Verschiedene Kreuzungen und Brückenauffahrten im Stadtgebiet müssten dazu modernisiert und belastbarer für den zusätzlichen Verkehr gemacht werden.
Auch an den Öffentlichen Personennahverkehr hat das Bauamt gedacht: Vor dem Kaufhof soll eine zentrale Haltestelle entstehen.

Wohnen und Arbeiten am Fluss

Entwarnung gab Sander für den Bereich der Ruhrpromenade: „Wir wollen eine breite Promenade. Eine Bebauung unmittelbar am Ufer wird es nicht eben. Auch Hochhäuser sind nicht vorgesehen“, antwortete Sander auf die Frage einer Bürgerin.
Jürgen Schnitzmeier erläuterte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, warum trotz leer stehender Büros und Läden in der Innenstadt neue Standorte erschlossen werden müssen: „Die Investoren wollen nicht irgendwelche, sondern attraktive Flächen. Wenn wir die nicht in Mülheim anbieten können, wandern sie in die Nachbarstädte ab.“ Schnitzmeier betonte, dass sich die Wirtschaftsförderung mit Nachdruck auch für das produzierende Gewerbe und das Handwerk stark mache. Sie gehörten zum Mülheimer Stadtbild. Und das solle so bleiben.
Für das Stadtbad sei eine Lösung greifbar nahe, betonte Schnitzmeier. Es gäbe Gespräche mit möglichen Investoren und die seien kurz vor dem Abschluss.

Investitionen bringen Geld

„Kein Geld in der Stadtkasse ist kein Argument für das Nichtstun“, sagte Stefan Zowislo. Die Stadthalle auf den neuesten Stand zu bringen, koste zwar Geld, zahle sich in der Folgezeit aber aus. Investitionen in ein Kongresszentrum, in den Tourismus und damit auch in eine Marina am Hafen seien Voraussetzungen dafür, dass Mülheim sich gegen die Konkurrenz der anderen Städte durchsetzen könne. Und das auf einem Geschäftsfeld, das in Zukunft große Wachstumschancen habe.
Neben Fragen und Anregungen kam auch Lob aus der Zuhörerschaft. „Es ist gut, dass Sie eine breite Mehrheit für ,ruhrbania‘ finden wollen und die Bürgerinnen und Bürger einbinden“, brachte ein Teilnehmer die Grundstimmung des Publikums auf den Punkt.

Jetzt muss etwas geschehen

Die Mülheimer und Mülheimerinnen seien in den vergangenen Jahren immer wieder enttäuscht worden, weil Projekte zwar angestoßen, aber nicht zu Ende geführt wurden, sagte eine Bürgerin. Aber sie habe die Hoffnung, dass dies nun doch ein Ende haben könne.
Dieses Vertrauen in ihre Arbeit wusste Dagmar Mühlenfeld zum Abschluss der ersten Stadtkanzlei zu würdigen: „Danke, dass Sie sich mit uns auf den Weg zu ,ruhrbania‘ gemacht haben“, sagte sie. Die Oberbürgermeisterin lud die Anwesenden und alle anderen Bürger dazu ein, auch bei den nun regelmäßig geplanten Stadtkanzleien mit ihr und Fachleuten zu diskutieren. „Am 14. Oktober ab 18 Uhr geht es um das Freibad Ruhrstadion“, kündigte das Stadtoberhaupt an.

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Stand: 29.09.2003

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