Museum Alte Post: Ausstellung im Projektraum Treppenhaus - Paul Thuile

Mit dem Südtiroler Künstler Paul Thuile wird der für mehrere Jahre geplante Projektraum Treppenhaus des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr initiiert. Das Treppenhaus des Museums führt von den Ausstellungsräumen des Erdgeschosses in den ersten Stock, wo die hauseigene Sammlung und die Sammlung Ziegler mit Schwerpunkt auf expressionistischer Kunst mit Hauptwerken von August Macke, Franz Marc, Emil Nolde und vielen mehr zu sehen sind, und weiter in den zweiten Stock zu den beiden großen Hallenräumen, die wiederum als Wechselausstellungsräume fungieren. Das Treppenhaus ist schmal und wenig einladend. Manch einer nimmt lieber den Lift, als zu Fuß zu gehen.

Ausstellung im Projektraum Treppenhaus: Paul Thuile, ab 10. Mai 2006. Kunstmuseum Alten Post, Viktoriaplatz 1  Foto: Walter Schernstein

Die Idee für den Projektraum Treppenhaus ist aus der Überlegung entstanden, wie es gelingen kann, den Unort des Treppenhauses, der seiner Funktion gemäß ein Transitraum ist, zu einem Ort zu machen, an dem sich der Besucher gerne aufhält und der neugierig macht, wohin ihn die Reise durchs Museum führt. Es ist geplant, das Treppenhaus und andere virulente, schwierige Schwellensituationen des Museums in jährlich wechselndem Rhythmus von Künstlern bespielen zu lassen. Nach fünf Projekten soll ein zusammenfassender Katalog erscheinen.



Mit Paul Thuile (geb. 1959 in Bozen/Südtirol/Italien, lebt und arbeitet in Gargazon/Südtirol/Italien) wurde ein Künstler eingeladen, der für seine Erinnerungsarbeiten in verlassenen Räumen bekannt ist. Er studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei Oswald Oberhuber und Ernst Caramelle und lehrt heute als freier Dozent an der Freien Universität in Bozen. Seine Wandzeichnungen, die er spontan an Ort und Stelle ausführt, fokussieren stets unscheinbare Details. Für seine Zeichnungen mit einem Minenstift hat sich Thuile eine Methode angeeignet, die ihn ganz dicht vor Wänden stehen lässt, wobei die Zeichnungen nur das wiedergeben, was sich in seinem reduzierten Blickwinkel befindet und die Darstellungen nur so groß sind wie der Radius der zeichnenden Hand. "Ich komme mir vor wie ein Insekt, das aus seinem Sehtrichter die Welt erkundet. Beim Zeichnen verzerrt sich der Blick noch mehr, ich bin ganz eng vor der Wand oder sitze wie eine Grille auf ihr." Aufgrund dieser speziellen Perspektive entstehen Ansichten des Raumes, in dem sich der Betrachter befindet, die wackelig verzerrt und verkürzt sind. Sie sprießen aus den Wänden wie merkwürdige Traumbilder, die die Wirklichkeit verdoppeln. Sie schärfen aber den Blick des Passanten für die Umgebung und die Atmosphäre, in der er sich befindet. Thuiles Arbeiten machen deutlich, dass wir Raumwirklichkeiten immer subjektiv gefärbt und situationsabhängig wahrnehmen. Dieser akribischen und ausschnitthaften Bestandsbeschreibung folgt im zweiten Schritt stets die Fotografie, die im Grunde das Endprodukt der Arbeit darstellt. Der fotografische Bildausschnitt baut eine Spannung auf, zwischen dem, was man im Raum sieht und dem, was die Zeichnung darstellt. Er fokussiert die Momente zwischen An- und Abwesenheit, Sehen und Vorstellen, Zeigen und Verbergen. Erst die Fotografie scheint die Subjektivität der Zeichnungen in ein objektivierendes Verhältnis zur Wirklichkeit zu rücken.



Paul Thuile ist der erste Künstler, der in den Projektraum Treppenhaus eingeladen wurde. Da das Museum vor möglichen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen steht, ist vorgesehen, dass der Künstler diese zunächst mit seinen Zeichnungen und schlussendlich mit seinen Fotofolgen im Sinne der Erinnerungsarbeit längerfristig begleitet.



Parallel zur Präsentation von Paul Thuile im Mülheimer Projektraum Treppenhaus findet in der Galerie Heidi Reckermann, Köln vom 5. Mai bis 15. Juli 2006 die Ausstellung Georges Rousse & Paul Thuile – Zwischen Perspektive und Wahrnehmung statt.

Öffnungszeiten

Di, Mi, Fr 11 – 17 Uhr, Do 11 – 21 Uhr, Sa, So 10 – 17 Uhr, Mo geschlossen

Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnam 10 – 17 Uhr

Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr in der Alten Post

Viktoriaplatz 1, 45468 Mülheim an der Ruhr

Tel: +49 208 455 41 38, Fax: +49 208 455 4134

kunstmuseum@stadt-mh.de, www.kunstmuseum-mh.de

www.kulturbetrieb.de











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Stand: 16.05.2006

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