Museumsleiterin verlässt Mülheim
Rede von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld zur Verabschiedung von Dr. Gabriele Uelsberg am 20. September 2004 im Museums Alte Post ________________________________________
"Liebe Frau Dr. Uelsberg, liebe Gäste
Im Jahr 1994 haben wir unser Kunstmuseum Alte Post eingeweiht. Gleichzeitig konnten wir mit Frau Dr. Uelsberg auch eine neue Leiterin dieses Kleinods hier in Mülheim an der Ruhr begrüßen. Im Nachhinein kann ich sagen: Die Personalverantwortlichen haben ein hervorragendes Gespür bei der Besetzung der Stelle bewiesen."

Mit einem "lachenden und einem weinenden Auge" verabschiedeten sich Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld (rechts), Kulturbetriebsleiterin Cornelia Schwabe (2.v.l.) und Kulturdezernent Hans-Theo Horn von Dr. Gabriele Uelsberg (2.v.r.)
Foto: Walter Schernstein
"Liebe Frau Dr. Uelsberg, Ihre Arbeit hier im Kunstmuseum Alte Post, kann ich nur als Glücksfall für das Museum und unsere Stadt bezeichnen. Sie haben unser Museum im Herzen der Stadt und in diesen schönen Räumlichkeiten entscheidend geprägt. Wenn wir die vergangenen 10 Jahre mit Blick auf die Alte Post Revue passieren lassen, dann haben sie alle viele persönliche Bilder und Ausstellungen im Kopf. Ich möchte nur an einige Highlights im Veranstaltungsprogramm erinnern: an Georg Baselitz, Johannes Gecelli, Klaus Geldmacher, Dorothee Golz, Markus Lüpertz, A.R. Penk, Marc Chagall, Pablo Picasso, Heinrich Zille, Arnulf Rainer und - gestern erst eröffnet: Henri Matisse. Liebe Frau Dr. Uelsberg, Sie und Ihr Team konnten vor wenigen Wochen das 10jährige Jubiläum des Kunstmuseums "Alte Post" feiern. In diesen 10 Jahren haben Sie es geschafft, unser Museum bei den BürgerInnen der Stadt und in der Region bekannt zu machen. Die Besucherzahlen haben sich von anfangs 10.000 auf konstant 20 000 Besucher im Jahr eingependelt. Unser Kunstmuseum Alte Post genießt vor allem mit seiner Sammlung Ziegler auch international einen sehr guten Ruf. Wir sind stolz darauf, dass es uns gelungen ist, eine Stiftung zu gründen. Sie eröffnet uns die so wichtige Zukunftsperspektive für diese wertvolle Sammlung. Um diese Stiftung beneiden uns viele Museen in NRW und in Deutschland. Während Ihrer Amtszeit, liebe Frau Dr. Uelsberg, konnten weitere, kleinere Sammlungen erworben werden. Andere wurden dem Museum von Freunden der Kunst und der Stadt vermacht. Daran lassen sich Vertrauen und die Wertschätzung ablesen, die dem Museum und seiner Leiterin von seinen BesucherInnen entgegengebracht werden. Unter Ihrer Leitung, liebe Frau Dr. Uelsberg, wurde nicht nur der Bestand des Museums erweitert. Sie haben einen weiteren Schwerpunkt Ihrer Arbeit auf Ausstellungen mit zeitgenössischen KünstlerInnen gelegt. 10 bis 12 Ausstellung konnten so pro Jahr gezeigt werden. Das ist ungefähr das Doppelte dessen, was andere Museen leisten. Es ist Ihnen und Ihren MitarbeiterInnen gelungen, über 100 Positionen zeitgenössischer Kunst zu zeigen. Das Publikum hat dieses Angebot gerne angenommen. Schließlich erlaubte es regelmäßig eine neue und unkonventionelle Sicht auf die Kunst. Spannend war es immer. Wer Sie je bei einer Eröffnungsrede während einer Vernissage gehört hat, liebe Frau Dr. Uelsberg, der wird keine dieser Ausstellungen so schnell vergessen. Sie eröffnen den BesucherInnen mit Ihren Ausführungen einen ganz besonderen Zugang zur Kunst. Sie haben die Herzen der Mülheimer bewegt und auch die Mülheimer KünstlerInnen in ganz besonderer Weise an das Museum gebunden. Auch sie nämlich haben hier im Museum Alte Post ihren Platz gefunden. Und die Jahresausstellung der Mülheimer KünstlerInnen im Dezember jeden Jahres ist immer wieder eine viel besuchte Schau. Es waren 10 wunderbare und spannende Jahre für uns in Mülheim. Ich darf sagen, dass das Kunstmuseum heute für viele BürgerInnen zu einer der wichtigsten kulturellen Einrichtungen Mülheims zählt.
Gemeinsam mit den Einrichtungen des Kulturbetriebs haben Sie, liebe Frau Dr. Uelsberg, Herausragendes geleistet. Sie haben die Kultur nahe an die BürgerInnen gebracht. Dafür möchten wir Ihnen herzlich danken! Wir verlieren Sie nur ungern und wünschen Ihnen für Ihre neue Tätigkeit, die Sie am 1.Oktober in Bonn beginnen werden, alles Gute, viel Erfolg und Glückauf."
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Abschiedsrede von Kulturdezernent Hans-Theo Horn
"Abschiedsworte müssen kurz sein wie Liebeserklärungen", sagt Theodor Fontane. Ich werde mich darum bemühen. In seinen "Herzergießungen eines Klosterbruders" stellt der Romantiker Heinrich Wackenroder über die Fähigkeit zum Kunstgenuss fest: "Wessen feinere Nerven einmal beweglich und für den geheimen Reiz, der in der Kunst verborgen liegt, empfänglich ist, dessen Seele wird da, wo ein anderer gleichgültig vorüber geht, innig gerührt; er wird des Glückes teilhaftig, in seinem Leben häufigere Anlässe zu einer heilsamen Bewegung und Aufregung seines Inneren zu finden." In den Jahren der wunderbaren Zusammenarbeit mit Frau Dr. Uelsberg ist es ihr auf einzigartige Weise gelungen, auch mich im Sinne von Wackenroder ein großes Stück weit für die bildende Kunst in unserer Stadt noch empfänglicher zu machen, zu rühren und so des "Glückes teilhaftig" zu werden. Dafür möchte ich ihr von ganzem Herzen danken. Es fehlt an dieser Stelle die Zeit, um aus den zahlreichen von Frau Dr. Uelsberg vortrefflich eingerichteten Ausstellungen besondere Projekte hervorzuheben. Aus jüngster Vergangenheit sind sicherlich die Namen Zille und Chagall zu nennen. Aber ich erinnere mich auch sehr dankbar an unsere gemeinsamen Kunststadtrundfahrten mit dem damals 98 Jahre jungen Heinrich Siepmann, oder mit Frau Beate Lickfeld, der Stifterin unseres Förderpreises und Schwiegertochter des unvergessenen Hermann Lickfeld, auf den Spuren ihrer Werke in unserer Stadt. Immer waren es die kenntnisreichen, klugen, klaren und nachvollziehbaren Erläuterungen von Frau Dr. Uelsberg, die mir neue Welten im Vertrauten eröffneten. Aber auch wenn es darum ging, Zukunftsvisionen zu entwickeln, waren die Kompetenz, die Kreativität und die bewundernswerte charmante und unkomplizierte Art von Frau Dr. Uelsberg, Ideen zielgerichtet zu formulieren überaus hilfreich. Hier sind der Gedankenaustausch über das geplante Stadtgeschichtliche Museum und die gemeinsame Arbeit in der Projektgruppe "Saarner Klostermuseum" beispielhaft zu nennen. Auch hierfür gilt mein Dank. Zum Schluss bleibt mir als selbstbewusster und beharrlicher Mülheimer aus dem Stadtteil Saarn ein Satz mit Friedrich Nietzsche: "Von dem, was du erkennen und messen willst, musst du den Abschied nehmen, wenigstens auf eine Zeit. Erst wenn du die Stadt verlassen hast, siehst du wie hoch sich ihre Türme über die Häuser erheben." In diesem Sinne, nochmals vielen herzlichen Dank für die wunderbare gemeinsame Zeit, viel Glück und Erfolg bei den zukünftigen Aufgaben, liebe Frau Dr. Uelsberg."
Kontakt
Stand: 21.09.2004













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