Neue Ausstellung im Museum Alte Post: JÜRGEN BRODWOLF - Figurenstätte
Der Schweizer Objektkünstler Jürgen Brodwolf (geb. 1932 in Dübendorf, Zürich, lebt und arbeitet in Kandern, Deutschland) entdeckte im Jahr 1959 in ausgedrückten Farbtuben sein späteres künstlerisches Markenzeichen: die Tubenfigur.

Mit dieser torsoartigen Kunstfigur, die er in unzähligen Variationen zunächst in Zeichnungen, später in Plastiken, Objektbildern und Raum füllenden Installationen verarbeitete, wurde er vor allem seit den 1970er-Jahren international bekannt. Sie steht für ihn als Metapher für die menschliche Existenz und versinnbildlicht auf eindringliche Weise Grenzsituationen des Daseins. Mal sind die Figuren in seinen Arbeiten schicksalhaft in mehrfachen Verschlingungen zu eng verknäulten Leibern geformt (Iceland), mal liegen sie vereinzelt und isoliert und thematisieren das Geworfensein des Menschen in seine Existenz, seine Verletzlichkeit und Einsamkeit (Gewölbe) oder sie erinnern als Mumien umwickelt und verschnürt an Begräbnistraditionen vergangener Epochen (Nekropole).
Dabei geht es immer auch um die Sichtbarmachung von Transformationsprozessen, um die Eingebundenheit des Menschen in Raum und Zeit sowie um Motive der Erinnerung und Archivierung. In zwölf Speicherkästen mit 168 Bildtafeln hat der Künstler die Summe an Erfahrung von privater und öffentlicher Geschichte ab seinem Geburtsjahr bis ins Jahr 1999 künstlerisch verarbeitet. Beim Betrachten dieser transparenten, röntgenartigen Schaubilder blickt man quasi durch die Zeitgeschichte zurück und wird mit verschiedenen elementaren Themenbereichen wie Geburt – Liebe – Tod, Krieg, Flucht, Holocaust und anderen mehr konfrontiert. Jürgen Brodwolf hatte Professuren für Zeichnen (Fachhochschule für Gestaltung, Pforz-heim,1976 – 82) und für Bildhauerei (Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart, 1982 – 94), hat mehrere Preise gewonnen sowie an zahlreichen wichtigen Ausstellungen im In- und Ausland (z. B. Documenta 6, 1977, Biennale von Venedig, 1982) teilgenommen. Die Ausstellung im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr in der Alten Post ist die letzte Station einer Ausstellungsreihe, die an vier Orten (Museum für Neue Kunst, Freiburg im Breisgau; Kunsthalle Weimar Harry Graf Kessler; Museum Schloss Moyland, Bedburg-Hau und im Kunstmuseum in Mülheim an der Ruhr in der Alten Post) stattfindet und mit je eigenen Konzepten unterschiedliche Aspekte des künstlerischen Werks beleuchtet. Für Mülheim wählte der Künstler die drei Schlüsselwerke: Nekropole (1978 – 82), Das Gewölbe (1987) und Iceland (1997 – 99) aus, Raum füllende Installationen, die erstmals zusammen in einer Ausstellung zu sehen sind. Aufgrund des großen Publikumsinteresses wurde die Ausstellung im Museum Schloß Moyland mit dem Titel Jürgen Brodwolf – Inwendig voller Figur. Archiv der Zeichnungen, Bodenbücher, Archiv der Objekte bis zum 17. April 2006 verlängert und bietet mit den dort ausgestellten Exponaten eine interessante Ergänzung zu den in Mülheim an der Ruhr gezeigten Arbeiten.
Katalog: Zur Ausstellungsreihe ist ein Katalog erschienen, 107 Farb- und S/W-Abbildungen, 144 Seiten mit Texten von Christiane Grathwohl-Scheffel, Jochen Ludwig, Astrid Guderian-Driesen, Volkhard Knigge, Barbara Strieder, Peter Bürger und Gabriele Uelsberg.
Herausgeber: Museum für Neue Kunst Freiburg.
26,00 EUR.
Begleitprogramm: Am Donnerstag, 16. Februar 2006 findet im Foyer des Kunstmuseums um 19.00 Uhr ein Vortrag von Prof. Dr. med. Dr. phil. Heribert Schulz zum Thema "Jürgen Brodwolf – Figurenpaare. Bindungen und Verbindungen" statt.
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr 11 – 17 Uhr, Do 11 – 21 Uhr, Sa, So 10 – 17 Uhr
Kontakt
Stand: 19.01.2006













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