Neue Kunst im Zimmer der Bürgermeister - Ausstellung Anja K. Bodanowitz

Ausstellung der Künstlerin Anja Karina Bodanowitz im Dienstzimmer der Bürgermeister. Bürgermeisterin Renate aus der Beek (r.) mit der Künstlerin.

Foto: Walter Schernstein

Erläuterungen vom stellvertretenden Museumsleiter Dr. Gerhard Ribbrock zur Eröffnung am 16. März 2006:

"Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Frau Bodanowitz,

es ist mir eine angenehme Aufgabe und das schon seit 1982 als Kunstvermittler für und in diesem Raum der Bürgermeisterin bzw. Bürgermeister, bzw. früher der Ober-B. aufzutreten. Das Hauptaugenmerk der Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber liegt auf dem Aspekt in diesem Raum künstlerische Werke vorzustellen, die es lohnt entdeckt zu werden.

Gerade für diejenigen, die noch nicht zu den etablierten ihrer Zunft gehören, ist das Bekannt werden im Ort wesentlich.

Erstmalig bin ich Frau Bodanowitz anlässlich der Jahresausstellung Mülheimer Künstlerinnen und Künstler begegnet. Es gibt jedes Jahr viele Bewerbungen, um an dieser Ausstellung teilnehmen zu können, manche versuchen es über Jahre vergebens. Die Arbeiten, die Frau Bodanowitz vorstellte, überzeugten die Jury auf Anhieb. Diese dort zu sehenden Werke überraschten mit ihrer Individualität. Auf den ersten Blick altertümlich wirkend, kleine Kästen, die jeweils ein altes Foto enthielten und dann noch eine Häkelbordüre über der Gucköffnung besitzen. Das ganze an einer Lichterkette befestigt, so dass sie direkt illuminiert waren. Sie sehen an dieser ausführlichen Beschreibung, dass diese Objekte Eindruck hinterlassen haben. Aber meine These in all den Jahren, die ich jetzt im Kunstmuseum arbeite ist, dass Werk und ausführender Mensch unlösbar miteinander verknüpft sind. Obwohl ja ganz neu, beeindruckte mich an Frau Bodanowitz, dass sie genau wusste was sie wollte und dies auch klipp und klar uns unterbreitete wie ihre Installation aufzubauen und zu präsentieren sei. Es kam klar zum Ausdruck, dass sie sich ihrer Sache bewusst ist. Genau diese innere Kraft ist eine wichtige Voraussetzung, um sich als Künstlerin zu behaupten. Ich beobachte ja schon seit langem, wie schwierig es ist, sich als Künstler auf dem Markt zu behaupten. Einem Beginner wird nichts geschenkt. Ich habe mich in ihre ausführliche Biographie vertieft, auch weil ich indirekt den Vergleich als Vater gezogen habe, meine Tochter Ann Marie ist 12 Tage älter. Beiden ist gemeinsam, dass sie eine Mülheimer Gesamtschule besucht haben. Und allen Pisauntersuchungen zum Trotz, auch aus Schülerinnen der Gesamtschule kann etwas gutes werden. Beeindruckend in ihrer Biographie ist die Aufgeschlossenheit für neue Dinge und der Besuch verschiedener Länder. Den Eltern erscheint das manchmal nicht gradlinig genug, aber die so gesammelten Erfahrungen sind ein Wert für sich, aus dem man längere Zeit schöpfen kann.

Bevor ich zu den Werken komme, die wir hier vor Augen haben, möchte ich noch ein wenig die Grundlage dieser Werke erläutern. Neben den erreisten Erfahrungen hat Frau Bodanowitz noch ein Studium an der Alanus Hochschule Alfter absolviert und auch diplomiert bestanden. Da ich diese Ausbildungsstätte nicht so gut kenne, habe ich mich via Internet schlau gemacht. Und unter dem Studiengang Malerei steht als erster Satz: "Hand und Auge schulen und mit dem Herzen sehen lernen." Mit den Augen sehen, das ist auch für uns als Betrachter banal, aber mit dem Herzen?! Da kann der Betrachter sich nicht auf seine Konsumentenhaltung zurückziehen sondern ist als ganzer Mensch gefordert.

Und noch etwas hat mir auf der Internetseite gut gefallen, dass nämlich die Studierenden gemeinsame Aktionen durchführen, z. B. rund um den Kemnader See in Bochum Eingriffe in die Landschaft initiieren und installieren. Aus dem Zusammenhang einer Installation sind auch die DIN A 4 großen Werke, die wir in diesem Raum allerdings sehr herkömmlichen vorstellen. Unter dem Titel "Zerstreuung" sind dieses 18 Teile einer 200 Arbeiten umfassenden Rauminstallation, wobei die einzelnen sich an einem Netz befestigt, ganz untraditionell als Grafik/Malerei darstellten. Allen ist gemeinsam, dass es sich um gewachste oder geölte Blätter handelt, die dadurch eine Transparenz entwickeln und den Papiercharakter weitgehend negieren. Besser noch in der Installation muss die Doppelseitigkeit mancher dieser Blätter gewirkt haben. Die Transparenz macht es möglich, auch auf der Rückseite aufgebrachte Malerei bzw. Zeichnung oder Drucke in den gesamten Bildzusammenhang zu integrieren, wobei eine Differenzierung von Schärfe und Verschleierung auftritt. Sind die Expressionisten teilweise in Völkerkundemuseen gegangen, um sich z.B. von Masken afrikanischer Stämme zu ihren Holzschnitten anregen zu lassen. Emil Nolde ist aber auch auf Expedition in die Südsee gereist, so hat Frau Bodanowitz durch und auf ihren Reisen den direkteren Kontakt mit den Menschen fremder Kulturen gesucht und gefunden. Seine unmittelbare Ansprache an den Betrachter finden diese Arbeiten mittels der starken Farbigkeit und des Kontrastes zwischen Farbe und dem schwarzen Holzschnitt.

Die zweite Arbeitsgruppe, von der wir 8 der insgesamt 10 Arbeiten zeigen, heißt "Erwachend".

So schön, muss ich sagen, ist mein morgendliches Aufwachen nicht: Der Wecker schrillt, die Beine aus dem warmen Bett und ab unter die Dusche, damit man erst gar nicht dazu kommt, sich ein solches Erwachen, wie es hier in Variationen dargestellt wird, zu erträumen.

Sehr passend empfinde ich die braune, warme Farbgebung für diesen Vorgang. Für mich ist die Entwicklung auf diesen Gemälden, auch wenn Zeitabläufe in Gemälden ja nur sehr schwer darstellbar sind, mit einer behaglichen Langsamkeit der Entwicklung verbunden. Aus dem zentralen gerundeten Körper schält sich nach und nach etwas Zusätzliches heraus. Der dunkle Bereich durchdringt die Fläche der weißen Farbe und breitet sich mit weiteren Farbnuancen voller Behaglichkeit im Raum aus. Von einer konzentrierten Mitte entwickelt sich Malerei und ich denke, die Formen ergreifen uns so, dass wir sie sogar mit dem Herzen sehen können."

Die Werke sind für die kommenden Wochen zu den Sprechstunden der Bürgermeister zu sehen. Sonderführungen sind nach telefonischer Anmeldung unter der Rufnummer 455 13 02 (Herr von Gehlen) möglich!

Kontakt


Stand: 22.03.2006

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