Neue Schrift "Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft 1987 bis 2001" vorgestellt

Mülheims Kulturdezernent Hans-Theo Horn:

„In wenigen Tagen wird der "Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft" 2002 verliehen werden. Den Hauptpreis erhält Frau Ilse Otten; mit dem Förderpreis werden Peter Eisold und Bruno"s Band ausgezeichnet.

Seit inzwischen mehr als 40 Jahren ist der "Ruhrpreis für Kultur und Wissenschaft" fester Bestandteil der kulturellen Stadtgeschichte.

Mit der Zielsetzung des Ruhrpreises der Stadt Mülheim an der Ruhr, Kunst und Wissenschaft zu fördern, verbindet sich seit seiner Stiftung im Jahre 1962 das Anliegen, die Bedeutung, den Stellenwert von Kunst und Wissenschaft stärker in das kulturelle Bewusstsein der Bürger zu rufen.

Das Jubiläum ist Anlass, einer Tradition zu folgen und in einer Rückschau die Preisträger und Preisträgerinnen der Jahre 1987 bis 2001 in einer Publikation zu würdigen.

Kulturbetriebs-Chefin Cornelia Schwabe und Hans-Theo Horn freuen sich über den dritten Band


Foto: Walter Schernstein


Es ist rückblickend mit Freude festzustellen, dass die Stiftung des Ruhrpreises sinnvoll war und dieser Preis eine positive Rolle im kulturellen Leben nicht nur in unserer Stadt, sondern weit über die Stadtgrenzen hinaus erfüllt, sozusagen als unser "Kulturbotschafter".

Das Ziel des Preises ist, erbrachte Leistungen, im künstlerischen und wissenschaftlichen Bereich zu würdigen, aber auch aufblitzende Talente weiter zu fördern, um sie sozusagen zu Größerem zu ermuntern.

Und sicherlich kann man von Weitsichtigkeit und Treffsicherheit im Urteil der Ruhrpreisjury und des Kulturausschusses sprechen, wenn sich die Förderpreisträger tatsächlich entwickeln.

Als Beispiele mögen dienen etwa der Preisträger des Jahres 1987 Christof Schlingensief mit seiner turbulenten, aber gleichwohl anerkannten Karriere, die ihn zur Zeit den Hügel von Bayreuth erobern lässt, oder Dorothee Golz, die zweifach ausgezeichnet, als Künstlerin auf der Dokumenta inzwischen internationales Ansehen genießt, oder das mehrfach ausgezeichnete Ensemble des Theater an der Ruhr.

Auf dem Gebiet der Wissenschaft waren es immer wieder Köpfe der Max-Planck-Institute, aber auch jüngerer Forschungseinrichtungen, die als auszeichnungswürdig angesehen wurden. Ein Nobelpreis ist bisher noch nicht gefolgt. Aber die meisten der Wissenschaftler haben inzwischen zahllose andere renommierte Auszeichnungen erhalten.

Betrachtet man die veröffentlichten Lebensläufe der Preisträger und Preisträgerinnen, so stelle ich mit einer gewissen Genugtuung fest, dass alle mit Stolz auf die Verleihung des Ruhrpreises der Stadt Mülheim an der Ruhr verweisen, dass der Preis für die ausgezeichneten Personen von nachhaltig großer Bedeutung ist. Ein Zeichen auch dafür, dass der Preis auch außerhalb der Stadt etwas gilt.

Aber die Künstler und Wissenschaftler wollen mit ihrer Arbeit vor allem den Menschen erreichen:

 Ihn verändern, weil sie ihn Wahrnehmung lehren, Selbstwahrnehmungen,
 spielerisches Durchprobieren von Sichtweisen, Emotion mit Verstand verbinden,
 Distanz von der eigenen Geschichte zu gewinnen.

In einem Brief an einen Freund hat der damals junge Ernst Rasche – erster Preisträger 1962 zusammen mit Karl Altena und Heinrich Siepmann – diese Wirkweise und auch das Zusammenspiel von Künstler und Mitmensch so beschrieben:

„ ... aus dem Material mit heftigster Intensität gestaltet, Abgärungen vielfältiger Ideen, durchgestanden mit härtester körperlicher Arbeit – dem Mitmenschen in die Hand gegeben damit sie erfassen – greifen – begreifen...“

Deshalb ist die Begegnung mit den Künsten und der Wissenschaft für den Einzelnen so wichtig.

Und so – und dies kann nicht oft genug gesagt werden - haben vor 40 Jahren die Entscheidungsträger weitsichtig gehandelt, als sie den „Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft“ stifteten und damit für ein Klima in unserer Stadt sorgten, in dem die Wirkungen der Künste und Wissenschaften gedeihen können und wahrgenommen werden.

Weitsichtig gehandelt auch, weil Kunst und Wissenschaft auf dem Weg unserer Gesellschaft zukünftig eine Bedeutung erlangen werden, die weit über ihr herkömmliches Verständnis hinausgehen.

Was und wie wir wissen und lernen, wie wir Sinn und Werte als Basis neu entdecken und weiterentwickeln, all dies sind Fragen, die wir nur über unser kulturelles Denken und Handeln lösen und weiterentwickeln können.

Die Künstler und Wissenschaftler aus Mülheim an der Ruhr sind daher zugleich wesentliches Kreativ- und Innovationspotential für die Entwicklung der Stadt. Wir brauchen sie notwendiger denn je und wir brauchen Preise, die unsere Künstler und Wissenschaftler fördern und deren Leistungen öffentlich anerkennen.

Und zuletzt:

Wir brauchen Partner, die uns auch in finanziell schwieriger Zeit in dieser Idee folgen und der Stadt Mülheim an der Ruhr bei der Auslobung der Preisgelder sozusagen "unter die Arme greifen".

Mit der Sparkasse Mülheim an der Ruhr haben wir seit vielen Jahren einen solchen Partner gefunden, dem ich dafür auch bei dieser Gelegenheit Dank sagen möchte und von dem ich hoffe, dass er der gemeinsamen Sache treu bleibt.“

Kontakt


Stand: 06.10.2003

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