Wir zitieren aus der WAZ: Rubrik Politik, 22.07.2010; Autor: Christoph Meinerz
WAZ Düsseldorf. Mit einer breit angelegten Offensive will der neue NRW-Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) Bildungschancen und berufliche Gleichstellung von Migranten in Nordrhein-Westfalen deutlich verbessern.
Beim Abbau noch immer existierender Vorbehalte gegenüber Menschen mit ausländischen Wurzeln sollen Behörden eine Vorbildfunktion übernehmen. „Wir werden in der öffentlichen Verwaltung das Prinzip der anonymen Bewerbung durchsetzen und gucken, was passiert, wenn ein Migrationshintergrund unkenntlich gemacht wird und allein Bildung und berufliche Erfahrung zählen”, sagte Schneider dieser Zeitung. Er gehe fest davon aus, auf diese Weise die Zahl der Beschäftigten mit Migrationshintergrund im Staatsdienst zu erhöhen. „Auch in der öffentlichen Verwaltung müssen Vorurteile überwunden werden.“ Außerdem werde die Landesregierung so schnell wie möglich ein Integrationsgesetz vorlegen, das Grundlage für neue Eingliederungsmaßnahmen in den Kommunen bilden soll. Schneider: „Vom Sport über die Weiterbildung bis hin zu Ortsteil-Projekten. Überall in Großstädten haben wir inzwischen neue Formen der Gettoisierung. Das muss aufgebrochen werden, damit die Gesellschaft zusammengehalten wird.”
Propaganda gegen Gemeinschaftsschule „höchst verwerflich“
Massive Kritik übt Schneider an den Gegnern der von Rot-Grün geplanten Schulreform. „Die Propaganda gegen die Gemeinschaftsschule ist höchst verwerflich. Da werden Vorurteile gefördert, die das Gegenteil von Integration beinhalten.” Es sei wissenschaftlich nachgewiesen, dass bei längerem gemeinsamen Lernen „die Stärkeren nicht schwächer werden”.
Die Gemeinschaftsschule sei auch wichtig, um Kindern mit Migrationshintergrund gesellschaftlichen Aufstieg durch Bildung zu ermöglichen, so Schneider. „Das ist nicht nur ein Akt der Humanität, sondern auch aus wirtschaftlichem Interesse erforderlich.” Grundvoraussetzung sei dabei, „jedes Kind vor der Einschulung in die Lage zu versetzen, deutsch zu lernen“. Ansonsten, betont Schneider, seien Einwanderer-Kinder nicht schlechter als andere: „Sie haben ja keinen genetischen Defekt.”
Zur Person: Im Praxistest
Ursprünglich wollte Guntram Schneider (59) Gewerkschaftsboss und Berufspolitiker gleichzeitig sein. Deshalb kämpfte der Sozialdemokrat im Herbst in Bielefeld um ein Bundestagsmandat. Doch die CDU-Konkurrentin hatte die Nase vorn. Hätte Schneider den Einzug geschafft, wäre er parallel Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in NRW geblieben. Auch wenn der gelernte Werkzeugmacher diese Funktion nun aufgeben musste, wechselte er gerne als Minister für Arbeit, Integration und Soziales ins Landeskabinett. Nach Jahren der Appelle wolle er jetzt die praktische Umsetzung seiner Forderungen probieren.
Übernahme ins Internet: Klaus Wichmann, Mülheim an der Ruhr, im Juli 2010
(Fotos: nrw.de; www.mags.nrw.de)
Neue „Integrations-Beauftragte“ der Landesregierung NRW:
Zülfiye Kaykin
Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales.
Sie war vor der Ernennung zur Staatssekretärin unter anderem als Geschäftsführerin der DITIB-Begegnungsstätte in Duisburg-Marxloh tätig.
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