OB Mühlenfeld: "Antisemitismus darf nirgendwo auf der Welt eine Chance haben"
Grußwort von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld
während des Empfangs anlässlich „30 Jahre Deutsch-Israelische Gesellschaft“
am Sonntag, 30.11.03, um 11.30
im Theater an der Ruhr

Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld (rechts) im Gespräch mit Eleonore Güllenstern (Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft) und Mordechay Lewy (Gesandter der Israelischen Botschaft)
Foto: Walter Schernstein
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„Meine sehr geehrten Herren und Damen,
sehr geehrte Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft,
liebe Frau Güllenstern,
30 Jahre Deutsch-Israelische Gesellschaft Duisburg, Mülheim, Oberhausen – das ist ein Meilenstein in der Geschichte unserer Städte, der gewürdigt werden muss.
Zur großen Festveranstaltung mit Reden, Musik und Gedenken auf dem Yitzhak-Rabin-Versöhnungsplatz haben wir uns bereits gestern in Duisburg getroffen. Frau Oberbürgermeisterin Bärbel Zieling hatte die Schirmherrschaft für diesen gelungenen Festakt übernommen.
Heute nun habe ich die Ehre und Freude, Sie hier in Mülheim an der Ruhr begrüßen zu dürfen. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft hat mit dem Theater an der Ruhr ein anspruchsvolles Programm vorbereitet. Sowohl Diskussion als auch Theatergenuss haben darin ihren Platz.
Darauf können wir uns freuen. Und dafür möchte ich mich im Namen aller Anwesenden bedanken.
Lassen Sie mich einige Worte zur Deutsch-Israelischen Gesellschaft Duisburg, Mülheim, Oberhausen sagen:
Seit 30 Jahren engagieren sich Bürger und Bürgerinnen in den drei Städten für die Beziehungen zwischen Deutschen und Israelis. Die Gruppe gehört zu den ältesten Arbeitsgemeinschaften der Deutsch-Israelischen Gesellschaft überhaupt und zeichnet sich aus durch ihre kritische, aber unabänderliche Solidarität mit Israel.
Die Liste ihrer Vorsitzenden macht deutlich, wie wichtig uns in den drei Ruhrgebietsstädten diese Solidarität ist.
Prof. Dr. Heinz Kremers, Dr. h.c. Herbert Krämer, Prof. Dr. Adam Weyer, Dr. Klaus Wackernagel, Dr. Iris Magdowski und nun Eleonore Güllenstern, unsere ehemalige Oberbürgermeisterin: Sie alle haben – gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Deutsch-Israelischen Gesellschaft - Außergewöhnliches für die Beziehungen unserer Völker geleistet.
Mit dem Ihnen gebührenden Dank verbinden wir die Hoffnung, dass Sie sich auch in Zukunft zum Wohle beider Nationen einmischen mögen.
Was mich rückblickend an Ihrer Arbeit besonders beeindruckt hat, ist der konsequente Weg, auf dem Sie die Solidarität mit Israel leben und auf dem Sie die Bemühungen um einen dauerhaften Frieden zwischen dem Staat Israel und seinen Nachbarn allen widrigen Umständen zum Trotz unterstützen.
Durch Exkursionen, Gespräche und Vorträge konfrontieren Sie uns immer wieder mit unserer Vergangenheit.
Sie erinnern uns an unsere Beziehung zu den jüdischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen in unseren Städten während der Nazi-Herrschaft. Dieses Erinnern ist richtig und wichtig, damit wir uns immer wieder voll Trauer und Scham unserer Verantwortung stellen können - und es zwingt uns zur Demut.
Mit der Errichtung des jüdischen Gemeindezentrums und der Synagoge am Duisburger Innenhafen wurde ein wichtiges Zeichen gesetzt. Ein Zeichen dafür, dass Menschen jüdischen Glaubens heute ein ganz selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft sind. Hier können sie sich zum Austausch und zum Gebet treffen.
„Zum heutigen Deutschland gehören auch die wieder wachsenden jüdischen Gemeinden. Sie sind ein fester Teil des Lebens in unserem Land“, sagte unser Bundespräsident Johannes Rau in seiner Rede vor der Knesset. Das Gemeindezentrum mit der Synagoge ist ein sichtbares Zeichen dafür.
Ich muss Ihre vielen weiteren Aktivitäten hier nicht aufzählen. Sie sind uns allen bekannt. Zwei Schwerpunkte Ihres Engagements möchte ich jedoch besonders hervorheben:
Zum ersten die Jugendarbeit. Unermüdlich setzen Sie sich dafür ein, dass sich jungen Menschen aus Deutschland, Israel, aber auch aus Palästina kennen lernen. Verständigung durch Begegnung ist eines Ihrer Ziele.
Ein wunderbares, völkerverständigendes Treffen von israelischen und palästinensischen Jugendlichen fand beispielsweise im Sommer 2000 im Haus von Eleonore Güllenstern statt. Es ist unendlich wichtig, dass sich diese jungen Menschen kennen lernen, dass sie sich gemeinsam mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen –
vor allem aber: dass sie gemeinsam Gedanken für eine friedliche Zukunft entwickeln.
Zum anderen möchte ich Ihre Zusammenarbeit mit unserer Mülheimer Partnerstadt Kfar Saba hervorheben. Dass diese Freundschaft nun schon seit 10 Jahren besteht und weiter wächst, ist zu einem nicht unerheblichen Teil Ihrer jetzigen Vorsitzenden, Eleonore Güllenstern, zu verdanken. Sie hat in ihrer Amtszeit als Oberbürgermeisterin von Mülheim an der Ruhr diese Städtepartnerschaft mit ins Leben gerufen. Heute sind wir auf diese Verbindung sehr stolz.
Anrede,
Ariel Scharon, der israelische Ministerpräsident, hat den Europäern vor wenigen Tagen in einem Interview „kollektiven Antisemitismus“ vorgeworfen. Das muss uns auch hier vor Ort betroffen machen. Schließlich ist Mülheim eine offene, liberale und gastfreundliche Stadt. Bei uns haben Menschen ganz unterschiedlicher Religionen und Kulturen ihren Platz. Wir alle leben friedlich miteinander. Damit das so bleibt, müssen wir uns gemeinsam immer wieder neu unserer Verantwortung zur guten Nachbarschaft erinnern.
Ungeachtet der religiösen und kulturellen Unterschiede müssen wir im Alltag das Verbindende, die gemeinsamen Werte der hier lebenden Menschen erkennen und stärken.
Antisemitismus darf nirgendwo auf der Welt eine Chance haben. Auch nicht in Mülheim an der Ruhr. Dafür tragen auch wir die Verantwortung. Dafür müssen wir eintreten.
Sie sind uns mit Ihrem Engagement Vorbild dafür. Herzlichen Dank".
Kontakt
Stand: 11.12.2003













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