Archiv-Beitrag vom 22.12.2011Orden für Gerhard Bennertz

Auf Vorschlag der Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen hat der Bundespräsident Pfarrer i.R. Gerhard Bennertz das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Oberbürgermeisterin Dagmar überreichte Gerhard Bennertz nun den Orden im Rahmen einer Feierstunde im Schloß Broich.


Verleihung, Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Gerhard Bennertz. 22.12.2011 Foto: Walter Schernstein

(Foto: Walter Schernstein)

„Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe und Solidarität sind unbezahlbare Werte. Sie können weder durch Gesetz noch durch Verordnungen erzwungen werden. Sie müssen praktisch gelebt werden. Sie werden von den vielen gelebt, die anderen das Wertvollste schenken, über das sie verfügen: ihre Zeit.“ Mit diesen Worten von Johannes Rau hieß die Oberbürgermeisterin den Ausgezeichneten und seine persönlichen Gäste sowie die offiziellen Vertreter von Fraktionen, Parteien, Vereinen und Verbänden im Rittersaal des Schlosses Broich willkommen.

In ihrer Rede würdigte Dagmar Mühlenfeld Gerhard Bennertz als einen Menschen, der sich durch sein langjähriges Engagement insbesondere für die Aussöhnung mit jüdischen Mitbürgern auszeichnungswürdige Verdienste erworben habe.
"In einzigartiger Weise setzen Sie sich seit Jahrzehnten für das Miteinander von Christen und Juden sowie Israelis, Palästinensern und Deutschen ein... Sie leisten damit einen wertvollen Beitrag zur interkulturellen und interreligiösen Verständigung," so die OB.

Die gesamte Rede können Sie hier noch einmal nachlesen:

 

Rede der Oberbürgermeisterin zur
Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Pfarrer i.R. Gerhard Bennertz
am 22. Dezember 2011 auf Schloß Broich

***


„Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe und Solidarität sind unbezahlbare Werte. Sie können weder durch Gesetz noch durch Verordnungen erzwungen werden. Sie müssen praktisch gelebt werden. Sie werden von den vielen gelebt, die anderen das Wertvollste schenken, über das sie verfügen: ihre Zeit.“

Mit diesen Worten von Johannes Rau heiße ich Sie, sehr geehrter Herr Bennertz, meine sehr geehrten Herren und Damen, sehr herzlich hier im Schloss Broich willkommen!

Ich danke Ihnen, dass Sie der Einladung zur heutigen Feierstunde gefolgt sind!

Auf Vorschlag der Ministerpräsidentin unseres Landes hat der Bundespräsident Ihnen,sehr geehrter Herr Bennertz,das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.
Zu dieser hohen Auszeichnung, die für besondere Verdienste um das Gemeinwohl vergeben wird, beglückwünsche ich Sie – im Namen der Stadt Mülheim an der Ruhr, wie auch persönlich – sehr herzlich!

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft übermittelt Ihnen ebenfalls ihre Glückwünsche.
Und ebenso tun dies... alle hier Anwesenden, die sich – da bin ich ganz sicher – von Herzen mit Ihnen über die Anerkennung Ihres Einsatzes freuen.

Ich begrüße also an dieser Stelle... Ihre persönlichen Gäste und die offiziellen Vertreter von Fraktionen, Parteien, Vereinen und Verbänden sowie die Vertreter der örtlichen Presse.

Der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, hatte den Verdienstorden im Jahr 1951 gestiftet.
Es war sein Anliegen, dem Dank des Gemeinwesens Ausdruck zu verleihen.

Leistungen sollen auf diese Weise öffentlich anerkannt und angemessen gewürdigt werden... Schließlich lebt unsere Gesellschaft durch den ehrenamtlichen Einsatz, mit dem sich engagierte Bürger und Bürgerinnen einbringen.

Bürgerschaftliches Engagement ist – und man kann es nicht oft genug wiederholen - eine unverzichtbare Bedingung für das Funktionieren moderner Gesellschaften... Es sichert den sozialen Zusammenhalt und ist Teil des Fundaments einer lebendigen Demokratie:
Wer sich engagiert, wer Anteil am Schicksal anderer nimmt, wer sich einmischt, übernimmt Verantwortung, gestaltet Entscheidungen mit und stellt das Gemeinwohl in den Vordergrund.

Sie, sehr geehrter Herr Bennertz, haben sich durch Ihr langjähriges Engagement insbesondere für die Aussöhnung mit jüdischen Mitbürgern auszeichnungswürdige Verdienste erworben. In einzigartiger Weise setzen Sie sich seit Jahrzehnten für das Miteinander von Christen und Juden sowie Israelis, Palästinensern und Deutschen ein.

Sie leisten damit einen wertvollen Beitrag zur interkulturellen und interreligiösen Verständigung.Die Aufarbeitung des Schicksals ehemaliger jüdischer Mitbürger und Mitbürgerinnen ist für Sie eine Lebensaufgabe, der Sie sich seit den 1970er Jahren widmen.

Angeregt durch Fragen von Jugendlichen zur NS-Vergangenheit, auf die Sie als Theologe antworten mussten, nahmen Sie Kontakt zu ehemaligen Bürgern jüdischen Glaubens aus Mülheim auf. Hierdurch gewannen Sie viele Erkenntnisse, die Sie mosaiksteinartig zu einem umfassenden Bild der jüdischen Geschichte Mülheims und der Auswirkungen des Holocausts vor Ort zusammenfügten.

Sie stehen mit Ihrem Namen als Synonym für das Expertentum auf diesem Gebiet und haben mit zahlreichen Aufsätzen in der Zeitschrift des Mülheimer Geschichtsvereins die Geschichte der jüdischen Gemeinde in unserer Stadt wie kein Zweiter erforscht, bearbeitet und bekannt gemacht...

Kein Mülheimer Projekt zu diesem Thema ist ohne Ihr Fachwissen und Mitwirken ausgekommen.

Im Laufe der Jahre erstellten Sie ein beachtliches Werk über das Leben der Mülheimer Juden im 20. Jahrhundert, das Sie im Jahr 2007 dem Mülheimer Stadtarchiv übergaben und damit für die Allgemeinheit zugänglich machten.

Damit eröffneten Sie Möglichkeiten für weitergehende Forschungen und schufen die Grundlage für bedeutsame Publikationen zur Aufarbeitung eines wichtigen Teils unserer Stadtgeschichte.
Von großem Wert waren Ihre Kenntnisse auch für den Arbeitskreis „Stolpersteine“ in der „Mülheimer Initiative für Toleranz“ (MIT): Bei der Erstellung der Opfer-Biografien konnte vielfach auf Ihre Erkenntnisse aufgebaut und dadurch die Lebensgeschichte vieler Menschen sehr persönlich beschrieben werden.

Auch mit zahlreichen öffentlichen Vorträgen und Führungen auf dem Jüdischen Friedhof interessieren und sensibilisieren Sie für geschichtliche Hintergründe und menschliche Schicksale. Mehr als 30 Mal reisten Sie nach Israel, um mit emigrierten Mitbürgern aus Mülheim zu sprechen und ihr Schicksal während der „NS-Zeit“ aufzuarbeiten.

Als Zeichen der Versöhnung initiierten Sie 1987 die Pflanzung des „Mülheim-Hains“ in der israelischen Stadt Bareketh.
In vielen verschiedenen Gremien treten Sie seit Jahren für ein Miteinander von Menschen und Religionen ein: So waren Sie in den 1980er Jahren Beauftragter für den Christlich-Jüdischen Dialog,und von 1986 bis 1998 gehörten Sie der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit an. Zudem wirkten Sie mit im Bündnis der Religionen im Mülheimer Agenda-Prozess.

1993 brachten Sie unsere Städtepartnerschaft mit Kfar Saba mit auf den Weg und begleiten seither immer wieder gegenseitige Begegnungen.
Mehr als 100 Projekte gehen auf Ihre Initiative zurück - darunter Schüleraustausche, Schulpartnerschaften, Kunstausstellungen und Kulturprojekte, Wirtschaftskontakte und internationale Jugendbegegnungen.
1995 waren Sie Gründungsmitglied des „Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaften“ und koordinieren bis heute im Vorstand alle Aktivitäten mit unserer israelischen Partnerstadt.

Sie gehören zu den langjährigsten und treuesten Begleitern der Jüdischen Gemeinde Mülheim-Duisburg-Oberhausen und haben sich vielfach als wahrer Freund und Förderer erwiesen.

Seit 1984 sind Sie Mitglied des Evangelischen Arbeitskreises der Mülheimer CDU, der Sie seit 1963 als Mitglied angehören. Seit 2008 haben Sie den Vorsitz dieses Arbeitskreises inne.

Ab Anfang der 1990er Jahre wirkten Sie aktiv mit am seinerzeitigen „Runden Tisch gegen Ausländerfeindlichkeit“, der heutigen „Mülheimer Initiative für Toleranz“ (MIT).

In dankbarer Anerkennung Ihres umfassenden Einsatzes wurden Sie bereits 1988 mit der Ehrenspange der Stadt Mülheim an der Ruhr ausgezeichnet.

2003 konnten Sie den Hoffnungspreis des „Evangelischen Kirchenkreises An der Ruhr" entgegen nehmen. Den Hoffnungspreis 2011 erhielt übrigens die „Initiative „Stolpersteine“ – was sicherlich nicht zuletzt auch auf Ihr Wirken zurückzuführen ist.

Ebenfalls ließ es sich unsere Partnerstadt Kfar Saba nicht nehmen, Ihr Engagement zu würdigen und zeichnete Sie 2009 mit einer Ehrenurkunde aus.

Sehr geehrter Herr Bennertz, Sie dürfen stolz sein auf das, was Sie geleistet haben!

Sie sind im besten Sinne dem eingangs zitierten Gedanken Johannes Raus gerecht geworden.
Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe, soziale Kompetenz – gepaart mit Fachwissen und Forschergeist: Eine Stadt, ein Gemeinwesen kann sich glücklich schätzen, wenn Menschen wie Sie ihr vielfältiges Potenzial einbringen!

Wir schauen heute mit großer Sympathie, großer Hochachtung und großem Respekt auf Ihre Leistungen, auf Ihren Beitrag zur Aussöhnung.

Es bereitet mir daher sehr viel Freude, Ihnen - mit der Überreichung des Verdienstkreuzes am Bande - die öffentliche Anerkennung zuteil werden zu lassen, die Ihnen zusteht!

In die Anerkennung und in den Dank, den ich ausspreche, beziehe ich selbstverständlich Ihre Ehefrau und Ihre Familie mit ein.
Familiärer Rückhalt ist unabdingbare Voraussetzung für einen solch zeitintensiven Einsatz!

Ihnen, verehrte Frau Bennertz, darf ich daher einen Blumenstrauß überreichen und Ihnen, Herr Bennertz, nunmehr die Ordensinsignien aushändigen!

Nochmals herzlichen Glückwunsch!

Kontakt


Stand: 22.12.2011

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