"Podiumsdiskussion zum Thema: Das älteste Gewerbe der Welt - Ein Job wie jeder andere?"

Ein inhaltlicher Höhepunkt der Wanderausstellung "Ohne Glanz und Glamour - Prostitution und Frauenhandel im Zeitalter der Globalisierung" von TERRE DES FEMMES war die Podiumsdiskussion am 22.9.2008 mit sozialpolitischen und rechtlichen Fragestellungen.

Folgende Expertinnen und Experten waren in der Runde vertreten, die als "öffentliche" Veranstaltung konzipiert war:

· Heinz-Hermann Ernst (Sozialdezernent)
· Prof. Dr. Dorothee Frings (Hochschule Niederrhein)
· Christine Noll (Nachtfalter)
· Jae-Soon Joo Schauen (agisra)
· Detlef Büttner (Polizei)
· Sowie Udo Brost Abteilungsleiter Ausländeramt

 

Als Moderatorin der Veranstaltung konnte Frau Sylvia Czapiewski von Radio Essen gewonnen werden.

Nach Ihren kurzen Statements zu den jeweiligen Arbeitsschwerpunkten, haben Frau Noll von "Cafe Nachtfalter e.V." und Frau Joo Schauen von "agisra" die Situation von Zwangsprostitution und Menschenhandel betroffenen Frauen erläutert. Alle Podiumsteilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass Zwangsprostitution als ein schändlicher, krimineller Akt, zu bewerten ist.

"Die Gesellschaft müsse sich verpflichtet fühlen, die Arbeit der Sicherheitsorgane durch aufklärende Maßnahmen zu unterstützen."

Zwangsprostitution bezeichnet die illegale Praxis, Menschen (unter 21 Jahre) zur Arbeit als Prostituierte zu zwingen. Davon betroffen sind überwiegend Frauen und Kinder. Zwangsprostitution ist eine Form des Menschenhandels. Dieser Zwang kann durch physische und psychische Gewalt, Täuschung, Erpressung, Ausnutzung einer Zwangslage oder Ausnutzung der Hilflosigkeit des Opfers ausgeübt werden.

Frau Prof. Dr. Frings verdeutlichte, dass der Begriff der Zwangsprostitution kein rechtlich definierter Begriff ist. Es handelt sich um eine Wortschöpfung, die in der medialen und politischen Debatte benutzt wird. Es ist in der juristischen und soziologischen Fachliteratur umstritten, inwieweit der Begriff vereinfachend wirkt. Es wird diesem Begriff entgegengehalten, dass er strukturelle Probleme vom Migration und Wohlstandsgefällen in Täter-Opfer-Schemata zu pressen versucht.

Im Rahmen der Diskussion wurde deutlich, dass Zwangsprostitution und Menschenhandel in Mülheim im Gegensatz zu den anderen Nachbarstädten weniger ein Thema sind. Herr Büttner und Herr Brost klärten darüber auf, dass Polizei und Ausländerbehörde die Situation im Griff hätten, trotzdem betonten sie, dass Prostitution kein statisches Gebilde ist und gerade die Polizei auf Tipps und Hilfestellungen angewiesen ist, weil die Dunkelziffer der ermittelten Fälle, die tatsächlichen, um das zehnfache übersteigen würden.
Rechtlich, darin waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig, bestünde zur Unterstützung der Frauen in vielerlei Hinsicht Nachholbedarf.

Sozialdezernent Ulrich Ernst verfolgte aufmerksam die Forderungen der Beratungsstellen, die oft über aufsuchende Arbeit in Clubs und Bordellen die Frauen auf sozialarbeiterischem Weg erreichen, weil natürlich nicht jede Frau polizeilich erfasst ist. Das Angebot beinhaltet umfangreiche Aufklärung, Information und Vermittlung an andere Fachstellen.

Es soll Vertrauen aufgebaut werden, so dass die Frauen unabhängig von Razzien jederzeit die Möglichkeit haben, sich vertraulich beraten zu lassen und Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Basierend auf der Erlasslage in NRW werden Opfer/Zeuginnen von Menschenhandel kostenlos, vertraulich und anonym betreut. Psychosoziale Beratung und Begleitung bilden dabei den Kern der Arbeit, wobei natürlich die Stabilisierung, geschützte Unterbringung, Beschaffung von Papieren und Vermittlung in Therapien zur Traumaverarbeitung ein wichtiger Teil davon ist.

Allerdings ist die Einrichtung einer eigenen Beratungsstelle in Mülheim aufgrund der leeren Kassen unrealistisch.

Als erfreuliche Zukunftsperspektive für die Betroffenen konnte aber trotzdem festgehalten werden, dass sich Herr Ernst eine Kooperation mit der Beratungsstelle "Nachtfalter" in Essen vorstellen kann. Er kündigte an, dass er die Möglichkeiten zur Umsetzung hierfür überprüfen werde.

Kontakt


Stand: 09.11.2010

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