Runder Tisch gegen häusliche Gewalt

Logo des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt

Jede vierte der in Deutschland lebenden Frauen, also 25 Prozent, hat bereits Gewalt durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner, also häusliche Gewalt, erlebt (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2004). Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet Gewalt gegen Frauen sogar als eines der größten Gesundheitsrisiken von Frauen weltweit.

Um dagegen etwas zu unternehmen, sind die sogenannten „Runden Tische“, auch Netzwerke, Kooperationen oder Bündnisse genannt, im Kontext des „Gewaltschutzgesetzes“ in vielen Kommunen Nordrhein-Westfalens ins Leben gerufen worden, um dem Gesetz durch Kampagnen, fachspezifische Veranstaltungen, Fortbildungsmaßnahmen oder Infomaterial zum Erfolg zu verhelfen.

Flankiert und unterstützt werden diese Aktivitäten durch entsprechende Fortbildungs- und Förderkampagnen des zuständigen Ministeriums.

Ausschnittfoto: Hilfe! für Frauen nach Gewalterfahrung bietet ein neues handliches Pocketheft.Unter Leitung der Gleichstellungsstelle (GSS) treffen sich Institutionen und Einrichtungen sowie politische Vertreterinnen und Vertreter aus Mülheim an der Ruhr, um gemeinsam gegen häusliche Gewalt anzugehen.

Der aktuelle zehnsprachige Flyer des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt mit wichtigen Mülheimer Kontakten zu Beratungsstellen bei häuslicher Gewalt bietet erste Unterstützung und kann kostenlos bei der Gleichstellungsstelle anfordert werden.

Die Veranstaltung des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt im Jahr 2016 zum internationalen Gedenktag "NEIN zu Gewalt an Frauen" drehte sich um das Thema  "Mülheim sagt NEIN zu weiblicher Genitalbeschneidung". Weitere Informationen finden Sie im Beitrag zum Fachtag.

Zielsetzungen

  • Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Austausch und Vernetzung
  • Entwicklung neuer Handlungsansätze
  • Verbesserung der Lebensqualität Betroffener

Häusliche Gewalt gegen Frauen Das Foto Domestic violence - woman put the palm in front of herself von Slava Rutkovski zeigt eine Frau, die selbstbewusst und abwehrend mit der Hand Stop, bis hierher und nicht weiter! signalisiert. Themen

  • Häusliche Gewalt
  • Sexualisierte Gewalt
  • Situationen der weiblichen Flüchtlinge
  • Weibliche Genitalbeschneidung
  • Zwangsheirat
  • und viele mehr

Teilnehmende

  • Ärztin
  • Amtsgericht Mülheim
  • Arbeitsagentur
  • Frauenhaus (Hilfe für Frauen e. V.)
  • Frauenberatungsstelle (Hilfe für Frauen e. V.)
  • Gesundheitsamt
  • Gleichstellungsstelle / Frauenbüro
  • Hebammen
  • Jugendzentrum Stadtmitte
  • Kinderschutzbund Mülheim an der Ruhr
  • Kommunaler Sozialer Dienst
  • Opferschutz der Polizei Essen / Mülheim an der Ruhr
  • Rechtsanwältin
  • Schwangeren- und Konfliktberatung (AWO, Caritas, Diakonie, donum vitae, Stadt Mülheim an der Ruhr)
  • Vertreterinnen und Vertreter der Politik
  • Weißer Ring e. V.

Wussten Sie schon, dass …

  • 1976 das erste von der Bundesregierung und dem Senat geförderte Frauenhaus in Berlin entstanden ist.
  • erst seit 1997 nach § 177 Strafgesetzbuch (StGB) jede Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung strafbar ist, auch die in der Ehe.
  • 2002 das neue Gewaltschutzgesetz nach mehrjähriger Diskussion in Kraft trat. Das Opfer erhält einen rechtlichen Anspruch auf Überlassung einer gemeinsam genutzten Wohnung; der Täter kann aus der Wohnung verwiesen werden (Wegweisung). Das Gericht kann ihm unter anderem ein Betretungsverbot auferlegen. Eine neue Ermächtigungsgrundlage ermöglicht es der Polizei, in Fällen häuslicher Gewalt neben einer Wohnungsverweisung ein Rückkehrverbot für maximal 20 Tage zu verhängen. So hat die gefährdete Person die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, sich beraten zu lassen und gegebenenfalls weiteren Rechtsschutz nach dem Gewaltschutzgesetz zu erwirken.
  • es 2012 laut einer Studie der Bundesregierung in Deutschland 353 Frauenhäuser und ungefähr 40 Schutz- beziehungsweise Zufluchtswohnungen mit insgesamt über 6.000 Plätzen gab, die jährlich 15.000 bis 17.000 Frauen und ihren Kindern (also insgesamt rund 30.000 bis 34.000 Menschen) Schutz und Beratung boten.
  • sexuelle Übergriffe nur dann als Sexualdelikte strafrechtlich verfolgt werden, wenn sie die nach § 184h Nummer 1 Strafgesetzbuch erforderliche „Erheblichkeit“ aufweisen. Es besteht große Unklarheit im juristischen Diskurs und auch unter Gerichten, was das genau bedeutet. Ein Kussversuch soll normalerweise nicht ausreichen. Allerdings gibt es auch Gerichte, die selbst einen aufgezwungenen Zungenkuss für unerheblich halten. Bei Berührungen von Brust, Gesäß und Genitalbereich scheint es vor allem darauf anzukommen, ob diese oberhalb oder unter der Kleidung erfolgen. Jedes Eindringen in den Körper (umstritten beim Zungenkuss) gilt jedoch als erheblich. Selbst wenn die Erheblichkeitsschwelle überschritten ist, bleibt eine Verurteilung jedoch unwahrscheinlich.

Auftakt der Jahreskampagne gegen häusliche Gewalt Stoppt den Hausfriedensbruch - Postkartenmotiv 2Schutz vor Gewalt

Gewalt gegen Frauen, viel zu lange ein Tabu-Thema, wurde erstmals thematisiert durch die Frauenbewegung Anfang der 70er-Jahre. In der Folge entstanden auf Initiative von Frauen erste Frauenhäuser. Die Behörden reagierten weitgehend mit Unglauben und Abwehr gegenüber dem Thema Gewalt gegen Frauen in der Familie.

Die aktuelle Debatte um die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht, nicht nur in Köln, sondern in vielen deutschen Städten, rückt das Thema Gewalt, häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen in den Fokus. Nach Verschärfung des Sexualstrafrechts gilt seit 2016 nun der Grundsatz "Nein heißt Nein".

Kontakt


Stand: 21.03.2017

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