Schiller lebt! - nach Don Karlos
Der Schüler Robin Kunst hat sich für "kulturflash.de" ein Theaterstück des Literaturkurses 12 der Luisenschule angesehen und schreibt folgendes dazu:
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Schiller lebt!
Viertnominierter für den RWW- Schulkulturpreis glänzt in der grandiosen Theateraufführung "Das Leben ist doch schön"
Im Rahmen des diesjährigen RWW-Schulkulturpreises für die Jahrgangsstufen 10-13 führten die Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses der 12 Klasse der Luisenschule das Theaterstück "Das Leben ist doch schön", ein Schillerprojekt nach Don Carlos, auf.
Die Jungschauspieler hatten sich für den Schulkulturpreis in diesem Jahr qualifiziert. Der Preis wird für herausragende kulturelle Aktivitäten in den Mülheimer Schulen für die Sekundarstufen I und II vergeben. Dazu eingeladen sind natürlich alle allgemein bildenden Schulen Mülheims.
Aus eben diesen vielen verschiedenen Beiträgen wählte dann eine Jury die vier besten Beiträge aus, die sich durch besondere künstlerische Elemente der Bühnenkultur, wie Theater oder Kabarett, Musicals etc, in ästhetischer Form die Wirklichkeit verarbeitend auszeichnen.
Mit Recht hat sich die Amateur-Theatergruppe um Leiterin Esther F. Gehlhoff- Hilgers diese Nominierung verdient gemacht.
Der Literaturkurs der Luisenschule befasste sich mit der Thematik des Schiller Klassikers Don Carlos und schaffte es die Aktualität des Stückes auch heute, rund 200 Jahre später, unter Beweis zustellen. Es wurde eine Brücke geschlagen zwischen dem Schiller von gestern und dem Verständnis dessen von heute.
Zwar wurde am 21. Juni 09 nur die verkürzte Fassung bis zum dritten Akt hin gezeigt, doch versprach dies allein Lust auf mehr und auf die Premiere am 30. Juni 09 im Ringlokschuppen!
Das Stück fand seinen Auftakt in der Einführung des Stückes mit der Hinführung zum Thema des ganzen Stückes; das Licht wurde gedämpft, und nachdem die Nachwuchsschauspieler durch das Publikum auf die Bühne sich begaben ging es auch schon los. Zuerst spielte die erste Szene in einem Klassenraum, in welchem durch einen Sprecher die einzelnen Charakteren vorgestellt wurden, danach wechselte das Geschehen wieder hin zur Handlung des schillerschen Stückes. In einem Fort wurde so durch den ständigen Wechsel der Zusammenhang zwischen dem Gestern und Heute immer deutlicher und brachte dem Zuschauer Schillers Stück ein Stück weit näher.
Für diejenigen, die mit der Handlung des Stückes Don Carlos nicht vertraut sind, lässt sich sagen, dass es sich eigentlich um ein Trauerspiel handelt, in welchem der junge Carlos, Sohn des Königs Philipp von Spanien, sich verzweifelt in seine Ex- Freundin verliebt, die nun die Frau seines Vaters und somit seine Mutter ist. Hier wird schon klar, dass dies einige Problematiken mit sich bringen wird. Doch auch der Vater, groß in der politischen Welt, ist trotz Macht nicht glücklich ohne Freunde und Sicherheit- wiegende Liebe. Auch die Königin Elisabeth ist aufgrund der höfischen Etikette das Zugeständnis der Liebe zu Carlos untersagt. Und um die Verstrickungen noch weiter zu verflechten, verfängt sich die Prinzessin Eboli durch ihre Liebe zu Carlos immer mehr in Intrigen.
Auch spärliche Requisiten sind dem ganzen Stück nicht abträglich, sondern werden durch die stimmgewaltigen Dialoge, die in nichts einer geübten Theatergruppe nachstehen, nur noch hervorgehoben und durch die Phantasie beflügelt erhalten sie sogleich einen ganz anderen Charakter.
Die Texte sind original Schillersche und lassen regelrecht Schiller wiederauferstehen. So lassen sich auch kleinere Textschwächen, bei der Fülle an Text und bei diesem beachtliche- vorgetragenen Tempo zur Unterstützung der Atmosphäre, mit einem verständnisvollen Schmunzeln übersehen.
Die Rolle der Königin ist mit einer solchen emotionalen Präzision gespielt, dass "gespielt" schon eigentlich der falsche Ausdruck ist, um dies zu beschreiben. Auch die Hauptrolle des Carlos ist mit einer überzeugenden Naivität darstellerischer Kunst wiedergegeben, dass es Beifall verdient.
Alles in allem ist die darstellerische Leistung herausragend, was somit zweifelsohne die Nominierung vollkommen rechtfertigt.
Die weitere Aufführung ist jedoch durch einige Abstraktionen geprägt, wie die der Musik, die als Übergangsphase der einzelnen Szenen dient. Eine zuerst unpassend erscheinende Musik, lässt sich bei genauerer Betrachtung doch allzu gut auf die gesehene Szene inhaltlich wie auch stimmungs- bezogen übertragen.
Die Leitung des Kurses kann zu Recht stolz auf ihre Nachwuchstalente sein, die gekonnt die doch eher schwierige Thematik eines Schillers umzusetzen wissen.
So erscheint das Stück mit seinem Vor und Zurück zwischen Heute und Gestern, ohne dabei jedoch den Faden der Geschichte aus den Augen zu verlieren, wie aus dem Leben gegriffen zu sein und steigert somit umso mehr das Sehvergnügen eines jeden Zuschauers.
Von Robin Kunst
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