Migration · Integration · Interkulturelles Leben
Das Gesicht der Migration in Mülheim an der Ruhr zeigen

Migration & Geschichte: Schülerinnen und Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule beschäftigen sich mit ihrer Herkunft
Petra Sachse und Kirsten-Annika Jüdt bei der Vorbereitung des Workshops im Rahmen der Ausstellung

Schülerinnen und Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule beschäftigen sich mit ihrer Herkunft

Donnerstag, 30. April 2009. Hallo, Klaus, hallo, Frau Richter-Lönnecke, super gute Neuigkeiten zum Wochenende! Der Workshop in Styrum im Rahmen unserer Ausstellung „Das Gesicht der Migration in Mülheim an der Ruhr zeigen“ heute am Morgen lief fantastisch, traumhaft, ganz toll!

Kurzinfo: Am Start war die Klasse 8b der Willy-Brandt-Schule in Styrum, Lehrerin ist Frau Fleißner. Zeitspanne: 3 Unterrichtsstunden, sprich von 8.45 – 11.50 Uhr. Klasse aufgeteilt in 6 Gruppen à ca. 5 Leute

1. Unterrichtsstunde: Begrüßung, Vorstellung der Ausstellung „Das Gesicht der Migration in Mülheim an der Ruhr zeigen“, Erklärung des Ablaufs der nächsten Unterrichtsstunden. Die Schüler bekamen den Rest der Stunde Zeit, in Ruhe die Ausstellung anzuschauen. Pause.

2. Unterrichtsstunde, aufgeteilt in 3 Zeiteinheiten à 15 Minuten:

a. Plakat zum Thema eigener Migrationshintergrund. Leitfragen: Hat meine Familie überhaupt einen Migrationshintergrund? Wenn ja: Welches Ursprungsland, wer kam, wann, warum, was ist heute?

b. Plakat. Leitfragen: Haben wir Probleme miteinander? Welche Probleme sind das? Was sind die Ursachen? Wie entstehen Vorurteile im Kopf?

c. Plakat. Leitfragen: Wo wollen wir hin und wie? Was können oder wollen wir ändern? Kleiner Zukunftsausblick, Klassenziel für die nächsten Jahre?

d. Weltkarte. Jeder konnte mit einer Stecknadel das Herkunftsland seiner Familie kennzeichnen.

Migration & Geschichte: Schülerinnen und Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule beschäftigen sich mit ihrer Herkunft
Die Schülerinnen und Schüler der Willy-Brandt-Schule in Styrum kennzeichnen den Herkunftsort ihrer Familie auf einer Weltkarte

3. Unterrichtsstunde, Präsentation der Ergebnisse

Jeweils eine oder zwei „Migrationsgeschichte(n)“ wurden aus jeder Gruppe vorgetragen, und jeweils die Ergebnisse zu Plakaten 2 und 3 gezeigt.

Fazit: Tolle Gruppe, sehr offen, sehr interessiert, eigenständige Gruppendynamik, gute Gespräche, auch während der Arbeitsphase mit der Erstellung der Plakate. Es war toll zu erleben, wie der Input, der von unserer Seite aus gegeben wurde, kreativ umgesetzt wurde und zum Selbstläufer innerhalb der Gruppe wurde.

Die Schüler waren daran interessiert zu hören, wo die Familien der anderen Klassenkameraden so herkommen und was die Zukunftspläne der Einzelnen sind. Vor dem Workshop hatten sie sich noch nicht über dieses Thema unterhalten. Bei der konkreten Beschäftigung mit den „Migrationsgeschichten“ und der Gestaltung des Plakats haben die Schüler sogar zu Hause angerufen, um herauszufinden wie das damals war, als die Familie nach Deutschland kam. Die Plakate mit den „Migrationsgeschichten“ waren so konzipiert, dass jeder Schüler eine Farbe hatte, damit unter den verschieden Leitfragen (s.o.) jeweils eine Geschichte und ein Zusammenhang ersichtlich wurden, ohne Namen zu nennen. Auch das kam gut an.

Etwas kritisch zu betrachten ist die Tatsache, dass die Schüler, die nicht wussten, ob ihre Familie zugewandert ist, sich bei der Erarbeitung von Plakat 1 ein wenig „verloren“ fühlten. Als Input wurde dann aber gegeben, dass sie sich Gedanken darüber machen können, ob sie selbst vielleicht in Zukunft woanders leben wollen und warum. Auch das Ergebnis „kein Migrationshintergrund“ fand Platz in der Besprechung.

In der Abschlussrunde/Reflexion ergab sich, dass die Schüler Spaß an der Sache hatten, dass sie es gut fanden, dass die Plakate schon vorbereitet waren und sie sich um die konkrete Gestaltung keine Gedanken mehr machen mussten, sondern innerhalb der jeweils 15 Minuten nur sammeln mussten und sich überlegen mussten, wer was wie präsentiert.

Einige wollen jetzt auch im Nachhinein bei den Eltern nachfragen, wer, wann, warum und wie nach Deutschland gekommen ist. Auch die Thematik, wie Probleme oder Vorurteile entstehen (Plakat 2) fanden die Schüler interessant, und bei den Klassenzielen, die definiert wurden, kamen zwei Dinge heraus. Erstens: Wir haben oft Vorurteile gegenüber Klassenkameraden. Es gibt durch die Cliquenbildung „Berührungsängste“

Zweitens: Wir als Klasse wollen weiter zusammen wachsen und die Cliquenbildung versuchen etwas „aufzuweichen“, jeder einzelne will versuchen „Vorurteile im Kopf“ zu überdenken. Manche wollen auch nichts ändern und alles so lassen wie es ist.

Migration & Geschichte: Schülerinnen und Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule beschäftigen sich mit ihrer Herkunft
Wo wollen wir hin und wie? Was können oder wollen wir ändern?

Abschluss: Eine sehr engagierte Klasse, es hat riesigen Spaß gemacht, eine direkte Reaktion auf das Vorbereitete zu bekommen, Freiwilliges Soziales Jahr Kultur pur! Der Workshop hat meine Erwartungen übertroffen und ich konnte selbst auch ein Vorurteil über Bord werfen, nämlich dass Jugendliche „keinen Bock“ haben. Die Zusammenarbeit mit Petra Sachse und Petra Dodek in Styrum ist echt klasse, alles rund, da wir vorher genau geklärt hatten, was wir wollen und wie wir es erreichen wollen. Organisation ist alles.

Also, noch mehr Schwärmerei kann ich mir nicht leisten sonst wird es unglaubwürdig; -)

Herzliche Grüße von mir aus der VHS, ich wünsche ein schönes Wochenende

Eure Kirsten-Annika Jüdt

 

Nachtrag: Am 4. Mai 2009 wurde der gleiche Workshop mit einer Klasse der Jahrgangsstufe 9 der Willy-Brandt Gesamtschule in der Stadtteilbibliothek Styrum durchgeführt. Die Ergebnisse ähnelten größtenteils dem vorangegangenen Workshop, auch hier haben sich die Schüler auf die Themen eingelassen und am Ende ihre Ergebnisse präsentiert.

Anders war jedoch, dass für viele das Thema „Migration“ keinen größeren Stellenwert einnahm und sie keine weiteren Nachforschungen im Bezug auf die eigene Familiengeschichte anstellen wollen.

Kirsten-Annika Jüdt hat 2008 und 2009 für 12 Monate ihr Freiwilliges Soziales Jahr Kultur in der Stadtbibliothek und in der Heinrich-Thöne-Volkshochschule in Mülheim an der Ruhr geleistet. Im Rahmen dieser Tätigkeit hat sie selbstständig das Begleitheft zur Ausstellung „Das Gesicht der Migration in Mülheim an der Ruhr zeigen“ entwickelt und die Ausstellung organisatorisch begleitet.


 

Migration & Geschichte: Schülerinnen und Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule beschäftigen sich mit ihrer Herkunft

Weiter Informationen über das Freiwilliges Soziales Jahr Kultur:

fsjkultur-nrw.de
fsjkultur.de

Informationen zur Ausstellung „Das Gesicht der Migration in Mülheim an der Ruhr zeigen“. Angebot zur kostenlosen Ausleihung.

Migration & Geschichte: Schülerinnen und Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule beschäftigen sich mit ihrer Herkunft2008/09 ist im Rahmen einer Projektarbeit an der Heinrich-Thöne-Volkshochschule die Ausstellung „Das Gesicht der Migration in Mülheim an der Ruhr zeigen“ entstanden. Neben den bekannten Aspekten der „Arbeitsmigration“ werden hier erstmals auch die „dunklen“ Seiten der Migration, wie Vertreibung, Flucht, Deportation und Zwangsarbeit gezeigt.

Unter dem Motto „Aus der Vergangenheit lernen, die Zukunft begreifen“ möchten wir mit dieser Ausstellung vertiefende Informationen vermitteln und somit zu einem vorurteilsfreieren Zusammenleben aller Kulturen in unserer Stadt beitragen.

Wir möchten Ihnen das Angebot machen, diese Ausstellung kostenlos für Ihre eigenen Zwecke auszuleihen.

Die Ausstellung besteht aus 12 Einzel-Tafeln, die mit wenigen Handgriffen aufgebaut und variabel gestellt werden können. Den Auf- und Abbau erledigen wir für Sie, ebenso wie den An- und Abtransport. Die Tafeln brauchen einen Platz von ca. 14 laufenden Metern. Zur Ausstellung haben wir ein Begleitheft gedruckt, das wir Ihnen ebenfalls kostenlos zur Verfügung stellen können. Es enthält vor allem Aufgaben zur eigenen, kreativen Auseinandersetzung mit den Themen der Ausstellung. Ideal für Jugendliche ab ca. 14 Jahren.

Kontakt: Klaus Wichmann, kw@wichmann-kommunikation.de


Kontakt: vhs@muelheim-ruhr.de
kw@wichmann-kommunikation.de
http://www.kulturbetrieb.de
http://vhs.muelheim-ruhr.de
Das Projekt Migration & Geschichte
wurde durch die Leonhard-Stinnes-
Stiftung gefördert.

Impressum
Stand: 28.07.2010

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