Schulleitungscoaching durch SeniorExperten

Rede von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld
zur Veranstaltung "Schulleitercoaching durch SeniorExperten"
am Montag, 18.02.08, 15.00 Uhr,
Realschule Stadtmitte

***

Sehr geehrter Herr Berger (Stiftung "Partner für Schule"), 
sehr geehrter Herr Faulstich (Stiftung Mercator),  
sehr geehrte VertreterInnen aus der Schulaufsicht, aus der Wirtschaft, aus den Schulen,
meine sehr geehrten Herren und Damen.

Die heutige Veranstaltung ist der feierliche Auftakt des Projekts "Schulleitungscoaching durch SeniorExperten" in der Stadt Mülheim an der Ruhr. Herzlich willkommen dazu in der Aula der Realschule Stadtmitte.

Wie ich schon bei verschiedenen Anlässen gesagt habe, möchte ich, dass sich die Stadt Mülheim an der Ruhr zu einem herausragenden Bildungsstandort im Ruhrgebiet entwickelt. Denn Bildung ist der einzig erfolgsversprechende Weg in die Zukunft. Diese Bildungsoffensive hat in Mülheim an der Ruhr einen Namen: "Mülheim bildet".

In diesem Rahmen habe ich auch einen neuen Dialog mit den Mülheimer Schulleitungen gestartet. Dies ist der erste Schritt hin zum Aufbau einer kommunalen Bildungslandschaft, die einen ganzheitlichen Bildungsansatz verfolgt.

Das neue Projekt "Schulleitungscoaching durch SeniorExperten" unterstützt mein Anliegen in besonderer Weise. Deshalb freue ich mich, dass ich heute dabei sein kann!

Bereits zum Schuljahresbeginn 2002/03 hat das Land NRW das Schulentwicklungsprojekt "Selbstständige Schule" gestartet. Ziel war es, die Qualität schulischer Arbeit und insbesondere des Unterrichts durch die qualitätsorientierte Selbststeuerung an Schulen und durch die Entwicklung regionaler Bildungslandschaften zu verbessern.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Land und den Kommunen sollte unter dem Leitbild einer staatlich-kommunalen Verantwortungsgemeinschaft völlig neu aufgestellt werden. Leider hat es damals in den Mülheimer Schulen an Mut gefehlt, an diesem Projekt teilzunehmen. Ich weiß aus vielen Gesprächen, dass nicht wenige Schulen das heute bereuen, weil wichtige Zeit verstrichen ist.

Inzwischen sind die Schulen – wie übrigens 2002 angekündigt – per Schulgesetz in die Selbstständigkeit überwiesen worden. Jetzt ist der Handlungsdruck natürlich um ein Vielfaches größer.

Um Schulen "besser" zu machen, muss man ihre Qualität entwickeln: ihre Unterrichts-, Personal- und Organisationsqualität. Eine solche systematische und umfassende Verbesserung der Qualität schulischer Arbeit und insbesondere des Unterrichts setzt einen komplexen innerschulischen Entwicklungsprozess voraus und dann in Gang. Dies gilt es professionell zu managen.

Die Schulleitungen werden deshalb darin unterstützt, ihre Leitungs- und Führungsrolle deutlicher als bisher wahrzunehmen. Sie werden durch staatliche Fortbildungsmaßnahmen begleitet. Die aufeinander bezogenen Qualifizierungs- und Professionalisierungsmaßnahmen werden den LehrerInnen und Schulleitungen dabei helfen, ihre vielfältigen und teilweise neuen Aufgaben kompetent wahrzunehmen.

Es sind die aus dem Projekt "Selbstständige Schule" gewonnenen Erfahrungen, die jetzt sukzessive auf alle Schulen in NRW übertragen werden. Das Ziel wird die "Eigenverantwortliche Schule" sein.

Das Projekt "Schulleitungscoaching durch SeniorExperten" soll dies unterstützen. Die Schulleitungen sollen auf dem Weg hin zur eigenverantwortlichen Schule qualifiziert werden, indem ihnen auch Know-how aus der Wirtschaft bereitgestellt wird. Dies erfolgt durch das Projekt der Stiftung "Partner für Schule NRW", eine Stiftung der Wirtschaft und des Landes NRW, und durch die finanzielle Unterstützung der Stiftung Mercator.

Bei der Umsetzung des Projektes in Mülheim an der Ruhr arbeiten die regionalen Projektpartner - wie die IHK für Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen, die Stadt Mülheim an der Ruhr, das staatliche Schulamt für die Stadt Mülheim an der Ruhr, die UnternehmerverbandsGruppe Ruhr-Niederrhein, die Mülheim&Business GmbH und das Centrum für Bürgerschaftliches Engagement - eng zusammen. Die Schulleitungen werden somit gezielt auf ihre Rolle als künftige Manager/in vorbereitet.

Leitung ist Führung, Management und Steuerung. Deshalb gewinnt jetzt auch in Schulen das, was in der Wirtschaft "Mittleres Management", heißt zunehmend an Bedeutung.

Der Wirtschaft werden mit dem Projekt neue Einblicke in die komplexen Bedürfnisse von Schulen gegeben. Ferner werden die Handlungsspielräume von Schulen erweitert und die Qualität schulischer Arbeit gestärkt.

Eines ist allerdings unverzichtbar, und ich betone dies sehr nachdrücklich: Wenn die Schulen neue Konzepte erproben, und erst recht, wenn sie dafür erweiterte Gestaltungsräume nutzen wollen, müssen sie in die Lage versetzt werden, ihr schulinternes Management zu verbessern. Das erfordert Team-Entwicklung, Personalführung, Budgetplanung, Zeit- und Ressourcenmanagement, Organisation, Logistik- und Qualitätsvorgaben und nicht zuletzt Controlling –

alles Begriffe, die im unternehmerischen Management zuhause sind. Und genau von dort soll die Unterstützung kommen, um die ich Sie sehr bitten möchte.

Ohne gute Schulleitung gibt es keine gute Schule. Gute Schulleitung ist nicht zufälliges Ergebnis, ist auch nicht die natürliche Fortsetzung der Fähigkeit zu gutem Unterricht - nur an der Spitze des Systems. Schulleitungskompetenz ist vielmehr Ausdruck der neuen Leitidee, dass vor Dienstantritt als Schulleitung die Ausbildung für den neuen Beruf stehen muss.

Wenn es um Qualitätsentwicklungsprozesse geht, muss man aber nicht jede schmerzvolle Erfahrung selber machen oder gar abwarten, bis Porzellan zerschlagen wird, sondern kann die Kompetenzen aus der Wirtschaft nutzen. Es geht darum, von Menschen aus der Wirtschaft zu lernen, vor allem von deren Erfahrungen mit klaren Strukturen und deutlichen Hierarchien.

Schulleitungen müssen künftig eine andere Ausbildung erfahren. Dies bedeutet gleichzeitig Weiterbildung für die Schulleitungen im Amt und Qualifizierung für künftige Schulleitungen – und zwar im Bereich der Pädagogischen Führung auch unter kreativ-gestalterischen Aspekten sowie im Bereich des Managements, hier vor allem in planerischer, analytischer und kommunikativer Hinsicht.

Die Schulleitung braucht Vernetzung auf ihrer Ebene, den Austausch mit KollegenInnen, gegenseitiges Coaching. Und zwar, wie im Projekt SeniorExperts, mit dem persönlichen Coach auf Augenhöhe.

Wir brauchen Netzwerke auf regionaler Ebene, Kooperationen mit der VHS oder der Musikschule, mit Kirchen, Trägern der Jugendhilfe, Sportvereinen, Handwerksbetrieben, Unternehmen – wenn man sich öffnet, ist vieles möglich.

Ich möchte die VertreterInnen aus der Wirtschaft bitten, das Projekt der Stiftung "Partner für Schule" zu unterstützen und sowohl aktive als auch ehemalige MitarbeiterInnen ermuntern, ihr ehrenamtliches Wissen und ihre Erfahrungen weiterzugeben.

Ich möchte die VertreterInnen aus der Wirtschaft aber besonders auch um Respekt vor dem komplexen Berufsbild Lehrer bitten. Schule ist ein Mikrokosmos der Gesellschaft, und Lehrer sein hieß und heißt immer ganzheitlich gebraucht, gefordert und in Anspruch genommen zu werden. Dass die Menschen, die Lehrern dabei anvertraut sind, Kinder und Jugendliche sind, macht diesen Beruf nicht so leicht, wie viele oft witzeln möchten. Im Gegenteil. Das ist seine besondere Bürde und Verantwortung.

Ich werbe nachdrücklich für einen Erfahrungs- und Kompetenztransfer zwischen der Wirtschaft und der Schule. Und ich kann Ihnen versichern: Sie gehen nicht unvorbereitet diesen Weg, sondern werden durch die bewährten Bildungspartner der Stiftung für Ihren Einsatz an den Schulen qualifiziert.

Ich danke den VertreterInnen aus den Schulen und aus der Mülheimer Wirtschaft für ihr Kommen. Dem Projekt "SeniorExperten" sage ich gerne meine Unterstützung zu und ich wünsche dem Vorhaben viel Erfolg.

Kontakt


Stand: 21.02.2008

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