Dr. Anke Buschmann, Frühinterventionszentrum, Heidelberg Dr. Ann-Katrin Bockmann, Universität Hildesheim M. Sc. Psych. Ellen Radtke, Universität Hildesheim Dr. Steffi Sachse, Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen, Ulm Dipl.-Päd. Bettina Jooss, Frühinterventionszentrum, Heidelberg Gefördert von der Günter-Reimann-Dubbers-Stiftung

Kinderärztliche Praxis
Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V.

Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin

,,Sprachkompetent von Anfang an" ­ Merkblatt U7a
Tipps zum Umgang mit Mehrsprachigkeit in der Familie
Liebe Eltern,
inzwischen ist Ihr Kind ein ,,Kindergartenkind". Dies stellt Sie als Eltern vor eine neue Herausforderung. Wenn Ihr Kind noch kein Deutsch spricht, machen Sie sich vielleicht Sorgen, ob es mit den anderen Kindern überhaupt zurechtkommt und ob die ErzieherInnen Ihr Kind verstehen. Auch für Ihr Kind ist dies ein großer Schritt, so dass es Ihre besondere Unterstützung braucht. Im Folgenden lesen Sie wichtige Tipps für den Umgang mit verschiedenen Sprachen in Familie und Kindergarten.

Wenn Ihr Kind mit mehreren Sprachen aufgewachsen ist
SeienSienichtbeunruhigt,wennIhr KindmomentanmehrFortschritteim Deutschenmachtundevtl.sogardie deutscheSprachebevorzugt. Kinder suchen sich oft eine Sprache aus, mit der sie zu sprechen beginnen. Die bevorzugte Sprache kann sich im weiteren Verlauf immer wieder ändern. Verlangen Sie in diesen Phasen nicht von Ihrem Kind, in Ihrer Muttersprache zu sprechen. Sprechen Sie insbesondere zu Hause jedoch weiterhin konsequent in Ihrer Muttersprache. Gleichzeitig zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie sich über seine Fortschritte im Deutschen freuen. SeienSienichtbesorgt,wennIhrKind dieSprachenmischt. Das ist ganz normal und kommt häufig vor. Wörter oder grammatikalische Strukturen, die in einer Sprache noch nicht so gut gekonnt werden, werden durch die der anderen Sprache ersetzt. Dies ist kein Grund zur Sorge und

verliert sich, wenn beide Sprachen gut beherrscht werden.

Wenn Sie sich um die Sprachentwicklung Ihres Kindes sorgen:
Besprechen Sie dies mit Ihrem Kinderarzt. Er wird ggf. weitere Untersuchungen veranlassen, um zu entscheiden, ob eine Sprachförderung/-therapie notwendig ist. Entscheidend ist hierfür, wie gut Ihr Kind in seiner Mutterprache spricht. Wenn Ihr Kind ausschließlich im Deutschen Schwierigkeiten zeigt, liegt dies wahrscheinlich daran, dass Ihr Kind noch nicht genügend Kontakt zum Deutschen hatte. Eine gezielte Förderung wird Ihrem Kind helfen, die Rückstände rasch aufzuholen. Zeigt Ihr Kind jedoch auch in der Muttersprache Probleme, könnte eine Sprachentwicklungsstörung vorliegen. Dies tritt bei einsprachig und mehrsprachig aufwachsenden Kindern gleich häufig auf. Mehrsprachigkeit ist nicht die Ursache für Sprachentwicklungsstörungen. In diesem Fall bietet eine Sprachtherapie die bestmögliche Unterstützung.

Wenn Ihr Kind bisher fast ausschließlich mit der Familiensprache aufgewachsen ist
SprechenSiemitdenErzieherInnen IhresKindes. Ihr Kind wird vermutlich wenig Deutsch verstehen und selbst nur einzelne deutsche Wörter sprechen. Besprechen Sie dies mit den ErzieherInnen Ihres Kindes, damit diese Ihr Kind entsprechend unterstützen können. IhrKindsollteregelmäßigindenKindergartengehenundFreundschaften zudeutschsprachigenKindernaufbauen. So erhält Ihr Kind wichtige Gelegenheiten zum Üben der deutschen Sprache. Unterstützen Sie Ihr Kind deshalb auch, wenn es am Nachmittag deutschsprachige Kinder treffen möchte. Diese sind besonders gute Vorbilder zum Erlernen der deutschen Sprache. SprechenSiebeimBringenundAbholenkurzeinigeSätzeaufDeutsch mitderErzieherin. So merkt Ihr Kind, dass Deutsch auch für Sie wichtig ist. Die Wertschätzung beider Sprachen bestimmt entscheidend, wie gut und wie gerne Ihr Kind die einzelnen Sprachen lernen wird. WennSieselbstnurwenigDeutsch sprechen,dannnutzenSiejetztdie Gelegenheit,mitIhremKindgemeinsamDeutschzulernen.

Das kann Ihr Kind schon
Dreijährige Kinder verfügen über einen großen Wortschatz und bilden Sätze aus 4 bis 5 Wörtern, so dass richtige Unterhaltungen möglich sind. Auch in diesem Alter entwickeln sich die Kinder unterschiedlich schnell, und manche sprachliche Entwicklungsschritte dauern bei mehrsprachigen Kindern etwas länger. Kleinere Rückstände sollten jedoch rasch aufgeholt werden.

So können Sie Ihr Kind in der Sprachentwicklung unterstützen
VersuchenSieimmerwiederGelegenheitenzugemeinsamen GesprächenmitIhremKindherzustellen. Sprechen Sie über Bilderbücher und gemeinsame Erlebnisse. Stellen Sie Fragen zu den Dingen, die Ihr Kind erzählt. BenutzenSiejetztlängereundkompliziertereSätze. Erklären Sie Ihrem Kind jedoch unbekannte Wörter. WiederholenSiefehlerhafteÄußerungenIhresKindes nocheinmalrichtigundergänzenSieWörter. Wichtig ist, dass Sie Ihr Kind nicht zum Nachsprechen auffordern oder kritisieren. So wird Ihr Kind das Gespräch gern weiterführen. Kind: ,,Ato hat schnell fahrt." Eltern: ,,Genau, das Auto ist ganz schnell gefahren."