Integration.Interkommunal Kommunen als zukunftsfähige Arbeitgeberinnen

Vielfalt schafft Zukunft
Ein Handlungsbuch.

Heft 1

Einführung und Rahmenbedingungen

Integration.Interkommunal Kommunen als zukunftsfähige Arbeitgeberinnen

Vielfalt schafft Zukunft
Ein Handlungsbuch.

Heft 1

Einführung und Rahmenbedingungen

Vielfalt schafft Zukunft. ein handlungsbuch
Heft 1 Heft 2 Heft 3 Heft 4 Heft 5 Einführung und Rahmenbedingungen Qualitätsmerkmal ,,Interkulturelle Kompetenz" Gewinnung junger Talente mit Zuwanderungsgeschichte Interkommunale Zusammenarbeit auf dem Ausbildungs- und Fachkräftemarkt Erfolgsfaktoren interkommunaler Zusammenarbeit

Impressum
Herausgeber Mitwirkung Die Städte Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen (Kontaktadressen finden Sie auf Seite 26f). Iris Kaplan-Meys (RAA/Büro für interkulturelle Arbeit, Essen), Andreas Pamp (Strategische Organisations- und Personalentwicklung, Bochum), Olaf Poch (strategisches Personalmanagement, Essen), Nicole Preuß (Projektstudentin, Essen), Ulrich Schmitz (Integrationsbüro/ RAA, Bochum), Dr. Helmuth Schweitzer (RAA/Büro für interkulturelle Arbeit, Essen), Prof. Klaus Wermker (ehemals Büro Stadtentwicklung, Essen) Iris Kaplan-Meys (Stadt Essen) & Axel Jürgens (Peters & Helbig GmbH) Druckhaus Duisburg OMD GmbH Mai, 2010

Redaktion & Gestaltung Druck

Diese Dokumentation und die anderen Hefte des Handlungsbuches finden Sie auch als PDF-Dokumente auf: www.integration-interkommunal.net Diese Dokumentation wurde mit Mitteln des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des KOMM-IN-Programms gefördert. 2

inhaltsVerZeichnis
1 2 3 3.1 3.2 3.3 4 4.1 4.2 5 Einleitung....................................................................................4 Zur Arbeit mit dem Praxishandbuch..................................................7 Rahmenbedingungen ....................................................................8 Der Raum Metropole Ruhr ...............................................................9 Entwicklung in Zahlen ...................................................................10 Zwischenfazit ...............................................................................18 Rolle der Kommunen .....................................................................19 Kommunale Selbstverwaltung .........................................................20 Anforderungen .............................................................................22 Strategische Ziele .........................................................................24 Kontakte .....................................................................................26

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1 einleitung

Wandel ist die maßgebliche Bezeichnung, mit der laufende und anstehende Veränderungsprozesse in der Metropole Ruhr beschrieben werden.
Die Suche nach einer neuen Zukunft ist stark geprägt durch den noch andauernden Strukturwandel nach Bergbau- und Stahlkrise hin zu einer Dienstleistungs- und Wissenschaftsregion und durch den Wandel zur Entwicklung kultureller Identität und Anerkennung der Einwanderungsgesellschaft mit langer Zuwanderungsgeschichte. So kennzeichnet die Region im Jahr der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 Entwicklungen mit ,,Wandel durch Kultur ­ Kultur durch Wandel" und versteht Kultur dabei als Motor der Stadt- und Metropolenentwicklung. Kulturelle Vielfalt ist ein Markenzeichen der Region. Sie spiegelt sich nicht nur in Kunst und Architektur wieder, sondern auch als Ausdruck vielfältiger Lebensweisen und Milieus in der Bevölkerung. Das Recht des Einzelnen auf Teilhabe an der eigenen Kultur wird in der Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen und staatsrechtlich in der UNESCO Konvention zum Erhalt der Vielfalt der Kulturen (2005) bekräftigt. Von der Bevölkerung in NRW mit insgesamt 17 845 000 Personen haben annährend ein Viertel der Einwohnerinnen und Einwohner eine Zuwanderungsgeschichte (23,3 % in 2008)1. In der dicht besiedelten Metropole Ruhr mit den kreisfreien Städten Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen sowie den Kreisen Ennepe-Ruhr, Recklinghausen, Wesel und Unna leben rund ein Drittel der Landesbevölkerung. Wie im gesamten Land Nordrhein-Westfalen wird die Bevölkerung in den folgenden Jahren und Jahrzehnten mit regionalen Abweichungen zurückgehen und das Durchschnittsalter steigen2. Gesellschaftliche und kulturelle Vielfalt gehören zum Lebensalltag und erfordern unter demografischen, wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Aspekten nachhaltige und ganzheitliche Integrationsprozesse. Alle Kommunen und insbesondere die großen Kommunen im Regionalverband Ruhr (RVR) stehen vor vergleichbaren Herausforderungen. Im Wettbewerb um die besten Köpfe und den Anschluss sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen ist das Thema Integration in den Mittelpunkt kommunalen Handelns gerückt.

1 Vgl. hierzu: ,,Information und Technik NRW", Mikrozensus

2 Vgl. Ergebnisse der Bevölkerungsvorausberechnung 2008 bis 2030/2050, Statistische Analysen und Studien, Band 60 IT NRW

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Die Städte Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen haben sich im Jahr 2008 auf den Weg gemacht, als Städtekooperation ,,Integration.Interkommunal" gemeinsame Ideen und Lösungsansätze für die anstehenden Fragen zu entwickeln. Eine wesentliche Herausforderung zur Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft und des demografischen Wandels unter sozialpolitischen und wirtschaftlichen Aspekten stellt die interkulturelle Öffnung und Vielfalt (Diversity) des Personals der Kommunalverwaltungen dar. Hier zeichnen sich ähnliche Entwicklungen ab: · die Kommunen müssen sich mit ihrem Dienstleistungsangebot und ihren Einrichtungen auf die veränderte Bevölkerungszusammensetzung unter den Aspekten von Kundenorientierung und Daseinsvorsorge einstellen, · viele Erwerbstätige in den Stadtverwaltungen werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, · der Bedarf an qualifizierten Menschen wächst, · die Potenziale der nachwachsenden Generation werden nicht in dem erforderlichen Maß gefördert. Entsprechend diesen Entwicklungen lag das Augenmerk des interkommunalen Diskurses in 2009 auf dem Austausch und der Entwicklung von Strategien für eine veränderte Organisationskultur in den Kommunalverwaltungen.

Unter dem Arbeitstitel ,,Kommunen als zukunftsfähige Arbeitgeber" wurde ein Gemeinschaftsprojekt mit finanzieller Unterstützung aus dem Landesprogramm KOMM IN im Juni 2009 aufgenommen. Im Unterschied zu anderen Integrationsprojekten mit einer Fokussierung auf die Behebung individueller Integrationsdefizite, ging es in diesem Städteprojekt um die Verortung interkultureller Kompetenz und um die Öffnung von Beschäftigungsstrukturen in den Verwaltungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Zuwanderungsgeschichte. Im Vordergrund standen der Austausch und die Entwicklung praxisorientierter Handlungsansätze in Bezug auf · StandardisierungdesQualitätsmerkmals,,Interkultureller Kompetenz" · Strategien zur Steigerung der Bewerberzahlen und Einstellungszahlen von Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte · Ansätze der interkommunalen Zusammenarbeit auf dem Ausbildungs- und Fachkräftemarkt Jeweils zwei Projektstädte übernahmen in der Umsetzung gemeinsam federführend ein Thema und kooperierten intensiv miteinander, um die Erkenntnisse anschließend in einem breiteren Diskurs allen zugänglich zu machen.

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Beteiligt an dem interkommunalen, interdisziplinären und interkulturellen Diskurs in Form von Workshops, Arbeitssitzungen und Umfragen waren Fachleute aus Personalämtern und Integrationsbüros, Auszubildende, Migrantenvertretungen, Personalvertretungen, städtischen Beteiligungsgesellschaften und Wirtschaftsunternehmen.

Mit den Ergebnissen in Form dieses Handlungsbuches wollen wir - die Städtekooperation Integration.Interkommunal - informieren, anregen und einen Beitrag zum gemeinsamen Handeln in der Metropole Ruhr leisten.

Für die Projektstädte

Ulrich Ernst Stadt Mülheim an der Ruhr

Nurhan Dogruer-Rütten Stadt Bochum

Wilhelm Steitz Stadt Dortmund

Leyla Özmal Stadt Duisburg

Andreas Bomheuer Stadt Essen

Reinhard Frind Stadt Oberhausen

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2 Zur arbeit mit dem Praxishandbuch
Die Praxis der interkommunalen Zusammenarbeit ist im Wesentlichen eine Begegnung von Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen, die zusammen kommen und gemeinsam über Zukunftslösungen nachdenken und daran arbeiten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stimmen ihre unterschiedlichen Bilder ab, gleichen Meinungen an, lernen voneinander und bringen gemeinsam neue Initiativen und Projekte auf den Weg. Obwohl dieses Zusammenwirken mit am wichtigsten ist, lässt es sich am wenigsten im Rahmen einer Dokumentation darstellen. Das entstandene ,,Beziehungskapital" ist nämlich unsichtbar und kaum messbar. Nicht von ungefähr wurde daher als Ziel unserer Städtekooperation 2009/2010 angesehen, den gemeinsamen Diskurs durch die Erarbeitung gemeinsamer Grundlagen ergebnisorientiert anzulegen und mit greifbaren ,,Produkten" auch für andere nutzbar zu machen. Diese Ergebnisse liegen nun mit unserem Handlungsbuch vor. Entstanden ist ein Handlungsbuch mit fünf unterschiedlichen Heften, das in seiner Gesamtheit die Vielfalt der Beteiligten, vielmehr aber auch die Komplexität der Aufgabenstellung und Herausforderungen für Kommunen als zukunftsorientierte Arbeitgeberinnen wiedergibt. Die einzelnen Hefte sind in sich eigenständig, gegenseitige Bezüge lassen sich dennoch herauslesen. Während ,,Heft 1" eine Einleitung zur Städtekooperation, zum Hauptthema und den Rahmen für den gesellschaftlichen Kontext liefert, beschreibt ,,Heft 2" die erarbeitete Definition für das Qualitätsmerkmal ,,Interkulturelle Kompetenz". In ,,Heft 3" widmen wir uns der Zielgruppe der jungen Talente mit Zuwanderungsgeschichte und beschreiben Möglichkeiten, diese Gruppe gezielter anzusprechen. Mit ,,Heft 4" setzten wir Impulse für eine verstärkte interkommunale Zusammenarbeit auf dem Ausbildungs- und Fachkräftemarkt. Und im zunächst abschließenden ,,Heft 5" beschreiben wir noch einmal die Erfolgsfaktoren für eine Interkommunale Zusammenarbeit aus unserem Städteprojekt 2008/2009. Damit die Ergebnisse leicht verfügbar sind, haben wir die Hefte auf der Internet-Seite www.integration-interkommunal.net zum Download bereitgestellt. Dort finden Sie auch aktuelle Informationen zu unserer Städtekooperation.

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3 rahmenbedingungen
,,In den Städten des Ruhrgebiets findet sich eine ansehnliche Ansammlung von Potenzialen und auch Problemen", mit dieser knappen Aussage umfasste Hans-Ludwig Brauser auf der Essener Konferenz ,,Kontinuität und Wandel ­ auf dem Weg zur Metropole Ruhr" im November 2009 die Situation in der Region. Wie überall steht die Kommunalpolitik vor der wachsenden Aufgabe der Integration der Stadtgesellschaft. Die Integration von Zugewanderten zählt ebenso dazu wie das Ausschöpfen und der Verbleib vorhandener Integrationspotenziale. Zurzeit leben in dieser Region 5,25 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner aus knapp 200 Nationen.1 Durch den Strukturwandel hat sich die Beschäftigtenstruktur in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. 1970 waren noch 58,4 Prozent der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe und 40 Prozent im Dienstleistungsbereich tätig. Heute arbeiten 28 Prozent aller Erwerbstätigen in der Metropole Ruhr im produzierenden Sektor, 71% Prozent sind im Dienstleistungsbereich tätig. Rund 15 % der Beschäftigten weisen einen Fachhochschulabschluss bzw. Universitätsabschluss aus, jeder fünfte Erwerbstätige hat keinen beruflichen Abschluss. Dem viel zitierten (Fach)Arbeitermangel und der Bildungsbenachteiligung entgegenzuwirken, ist für die Region eine existenzielle Aufgabenstellung. Im Spannungsfeld - zwischen einer zunehmend internationalisierten, alternden und schrumpfenden Bevölkerung, - zwischen Leuchtturmprojekten und dem regionalen Publikum, - zwischen vielfältigen Lebensweisen und Nachbarschaften, - zwischen urbaner Lebensqualität und benachteiligten Stadtteilen, - zwischen ausgeprägter Bildungslandschaft und bildungsbenachteiligten Bevölkerungsgruppen, - zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Fachkräftemangel wird die Integrationsaufgabe zu einer Aufgabe mit ökonomischer Dimension. ,,Das Wissen darüber ist vorhanden ­ wir müssen handeln!" ­ das ist eine Aussage, die von Akteuren und Akteurinnen, die sich mit diesen Herausforderungen befassen, immer wieder zu hören ist. Aus der internationalen Forschung wissen wir, dass Städte und Regionen, die mit der Verschiedenartigkeit der dort lebenden Menschen positiv umgehen und diese Vielfalt-Potenziale aktiv nutzen, auf Dauer (wirtschaftlich) erfolgreicher sind. Gerade in der Metropole Ruhr sind die finanziellen Handlungsspielräume der von Haushaltssicherungszwängen betroffenen Kommunen nicht groß und abhängig von überregionalen, nationalen und globalen Entwicklungen. Umso bedeutender ist es, sich den Anforderungen gemeinsam zu stellen und durch die Zusammenarbeit Synergieeffekte zu erreichen.
1 Vgl. RVR Statistik online für 2008

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3.1 der raum metroPole ruhr

Die ,,Metropole Ruhr" hat inzwischen die Bezeichnung Ruhrgebiet in vielen Zusammenhängen abgelöst, dennoch finden wir nach wie vor beide Bezeichnungen für die gleiche Region, die geografisch mitten im Herzen von Europa liegt. Sie ist weder eine landschaftliche noch eine historisch-politische Einheit, sondern eher ein wirtschaftsgeographischer Raum1, dessen Name von dem Fluss Ruhr abgeleitet wurde.

Der Regionalverband Ruhr (RVR) mit seinem Sitz in Essen ist mit seiner Verbandsversammlung die einzige demokratisch legitimierte, regionale Klammer der Metropole Ruhr. Hier vertreten Repräsentanten und Repräsentantinnen der elf kreisfreien Städte und der vier Kreise die Interessen des Ruhrgebietes. Sie werden von den jeweiligen Räten bzw. Kreistagen der Mitgliedskörperschaften gewählt. Darüber hinaus sind die 15 Oberbürgermeister und Landräte durch ihr Amt stimmberechtigte Mitglieder der Verbandsversammlung.

1 Vgl. rvr-online unter www.metropoleruhr.de/regionalverband-ruhr.html

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3.2 entwicklung in Zahlen
Der demografische Wandel und der soziale Wandel wirken sich spürbar aus.

Die Metropole Ruhr verliert an Bevölkerung. Der Anteil der Menschen über 65 Jahre nimmt weiter zu.
Bevölkerungsentwicklung im Ruhrgebiet 2008 - 2030
500000 450000 400000 350000 300000 250000 200000 150000 100000 50000 0

Türkis untermalte Kurve: Bevölkerungsaufbau 2008 Rot eingezeichnete Kurve: Bevölkerungsaufbau 2030

Die Bevölkerungsvorausrechnung für das Jahr 20301 zeigt einen starken Bevölkerungsrückgang in den Jahrgängen bis ca. 60 Jahre und einen Anstieg des Anteils der Bevölkerung über 65 Jahren. Diese Entwicklung wird nicht durch Zuwanderungen ausgeglichen werden, so dass die Metropole Ruhr an Bevölkerung verliert und vermehrt ältere Mitmenschen aufweisen wird.

1 Quelle: RVR ­ Datenbank; Archiv 2008/Prognose, Volker Kersting, Stadt Mülheim an der Ruhr, eigene Berechnungen

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Das Potenzial an Erwerbspersonen (16-65 Jahre) nimmt ab.
Bevölkerungsentwicklung im Ruhrgebiet 2008 - 2030
Das Potenzial an Erwerbspersonen (16-65 Jahre) nimmt ab.

500.000 450.000 400.000 350.000 300.000 250.000 200.000 150.000 100.000 50.000 0
500.000 450.000 400.000 350.000 300.000 250.000 200.000 150.000 100.000 50.000 0

Bevölkerungsentwicklung im Ruhrgebiet 2008 - 2030

Aufgrund der sinkenden Bevölkerungszahlen wird auch das Erwerbspersonenpotenzial stark abnehmen1 . Aufgrund der sinkenden Bevölkerungszahlen wird auch das Erwerbspersonenpotenzial stark abnehmen6 Daraus resultiert eine geringere Zahl Daraus resultiert eine geringere Zahl derer, die potenziell für die. Kommunen und Wirtschaftsunternehmen derer, die potenziell für die Kommunen arbeiten können. Die Konkurrenz um Fachkräfte wird größer. und Wirtschaftsunternehmen arbeiten Betrachtet man die Bevölkerungsentwickkönnen. Die Konkurrenz um Fachkräfte wird größer. Betrachtet man die lung der Kinder und Jugendlichen bis 16 Jahre, so wird auchJugendlichender16 Jahre, so wird auch die die Zahl bis potenziellen Auszubildenden in Bevölkerungsentwicklung der Kinder und Zahl der potenziellen Auszubildenden in Zukunft sinken. Zukunft sinken.

1 Quelle: RVR - Datenbank; Archiv 2008/Prognose, Volker Kersting, Stadt Mülheim an der Ruhr, eigene Berechnungen
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un ter 5 un Ja 10 te hr r1 e bis 0 un Ja 15 hr te r1 e bis 5 un Ja 20 te hr r2 e bis 0 un Ja 25 hr te e bis 5 ru2t5 n u bis er 5 J J 30 10nteun te aahrr h r e bis bis r 301 0 e J u n u nter Jaah re 15 bts 35 15 hr ie bis 20 urnt35 Ja h e u b er 2 J re J 40 2 ntiseu nt 0 aahr er bis 5 bis r 4025 hree Ja uu 30n nte Ja hr 45 he bt e r bis 3 is urn4530 Ja re 5 u nis ter 35 a hre J b 50 tu Jh bis 40 b ernt5r a hrree e u nis u n 040 aa JJ 55 45 te ter hrre h bis bis ur 5545 J e 50 u n nter Jaa hre bts 50 h 60 ie bis 55 urnt60 Ja hrre e b u nis u r 55 a e J 65 60 te nte Jahrr h r bis bis r 6560 ee un Ja u 65n te Ja hr 70 bt e r 6 h e i bis 7 s urnt70 5 Ja h re 0 b u nis er 70 a re J 75 7 teu nt Jahr er bis 5 bis r 7575 hree J uu h 80 80nte nter 8 Jaahrre b bis is urn8 0 Ja e 85 te0 u ni r 8 Ja hre bs 85 teu 5 J h bis 9 rnt85 a hrree er u n0 Jah 90 aa J h te re u J hrree r 9 nd 90 0 me Ja Ja hr hr hr e e un d m eh r 5 bis
2008 2030 erwerbsfähige Altersgruppen rentenfähige Altersgruppen
Quelle: RVR - Datenbank; Archiv 2008/Prognose, Volker Kersting, Stadt Mülheim an der Ruhr, eigene Berechnungen

11

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Die Qualität der Beschäftigten in der Metropole Ruhr ist gemessen am Bildungsabschluss niedriger als im übrigen NRW Abgänger ohne Schulabschluss Die Kommunen in der Metropole Ruhr sind nicht nur von sinkenden Zahlen der potenziellen Auszubildenden und Fachkräfte betroffen. Die Qualität der Bildungsabschlüsse hier gemessen an der Zahl der Abgänger ohne Schulabschluss ist in der Metropole Ruhr schlechter als der Landesdurchschnitt.

Die Qualität der Beschäftigten in der Metropole Ruhr ist gemessen am Bildungsabschluss niedriger als im übrigen NRW Abgänger ohne Schulabschluss
Die Kommunen in der Metropole Ruhr sind nicht nur von sinkenden Zahlen der potenziellen Auszubildenden und Fachkräfte betroffen. Die Qualität der Bildungsabschlüsse ­ hier gemessen an der Zahl der Abgänger ohne Schulabschluss ­ ist in der Metropole Ruhr schlechter als der Landesdurchschnitt1.

Linien Bildung: Schulabgänger/innen ohne Schulabschluss7

Linien Bildung: Schulabgänger/innen ohne Schulabschluss
alle Schulabgänger/innen ohne Schulabschluss im Städtevergleich deutsche Schulabgänger/innen ohne Abschluss im Städtevergleich ausländische Schulabgänger/innen (nur ausländische Staatsangehörigkeit) ohne Abschluss im Städtevergleich

Im Entlassjahr 2007 lag der Landesdurchschnitt der Schüler/innen ohne Abschluss bei 6,5%.2 Die Städte Im Entlassjahr 2007 lag der Landesdurchschnitt der Schüler/innen ohne Zahl der ausländer Metropole Ruhr lagen hier alle über dem Durchschnitt. Besonders signifikant ist die Abschluss bei 6,5%.8 Schulabschluss im Städtevergleich: hier liegen die Vergleichszahlen dischen Schüler/innen ohne Die Städte der Metropole Ruhr lagen hier alle über dem Durchschnitt. der beBesonders signifikant ist die Zahl der ausländischen Schüler ohne Schulabschluss im teiligten Städte des Verbundes ,,Integration.Interkommunal" zwischen 12% und 18% eines Jahrganges.
1 Bochumer Integrationsmonitoring; http://www.statistikinformationssystem.de/bimo/ Abfrage vom 30.04. 2010: Datenquelle: : Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW / Bochumer Integrationsmonitoring (BIMO)
Bochumer Integrationsmonitoring; Kleine Anfrage 3153 vom 4. März 2009 der Abgeordneten Renate Hendricks SPD Drucksache 2 Landtag NRW: Antwort der Landesregierung auf die http://www.statistikinformationssystem.de/bimo/ Abfrage vom 30.04. 2010: Datenquelle: : Landesamt für Datenverarbeitung Schulen ohne Schulabschluss? 14/8686: Wie viele Jugendliche verlassen in NRW die und Statistik NRW / Bochumer Integrationsmonitoring (BIMO)
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Städtevergleich: hier liegen die Vergleichszahlen der beteiligten Städte des Verbundes Integration.Interkommunal zwischen 12% und 18% eines Jahrganges.

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Landtag NRW: Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage 3153 vom 4. März 2009 der Abgeordneten Renate Hendricks SPD Drucksache 14/8686: Wie viele Jugendliche verlassen in NRW die Schulen ohne Schulabschluss?

Die landesweite Untersuchung auf Sprachkompetenz9 (Diagnostik / Screening) in den vorschulischen Einrichtungen Delfin 4 unterstreicht einen unterschiedlichen Die Kommunen in der Metropole Ruhr sind nicht nur von sinkenden Zahlen der potenziellen AuszubildenFörderbedarf in den Städten und Gemeinden. den und der Fachkräfte betroffen. Die landesweite Untersuchung auf Sprachkompetenz1 (Diagnostik /

Bildungsförderung niedriger als im übrigen NRW bleiben Förderbedarf Die Qualität derder Einschulung Beschäftigten in der Metropole Ruhr wird ohne vor Bildungsförderung niedriger als im übrigen NRW bleiben Die Kommunen in der Metropole Ruhr sind nicht nur von sinkenden Zahlen der ­ Förderbedarf vor der Einschulung potenziellen Auszubildenden und der Fachkräfte betroffen.

Die Qualität der Beschäftigten in der Metropole Ruhr wird ohne

Screening) in den vorschulischen Einrichtungen ­ Delfin 4 ­ unterstreicht einen unterschiedlichen FörAm Beispiel der Städtekooperation Integration.Interkommunal lassen sich diese derbedarf in den Städten und Gemeinden.
unterschiedlichen Förderbedarfe exemplarisch aufzeigen.

Am Beispiel der Städtekooperation ,,Integration.Interkommunal" lassen sich diese unterschiedlichen Förderbedarfe exemplarisch aufzeigen.
Vergleich NRW und Städtekooperation: Förderbedarf zur Einschulung in 2011 in %
45 40 35 30 25 20 15 10 5 0

38,1 33,6 28,9 29,3 21,5

37,2

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Mülheim / Ruhr

Angaben in %: Anteil der 4jährigen Kinder mit erheblichem Förderbedarf an der Anzahl der Kinder, die zum 01.08.2011 schulpflichtig werden. Angaben in %: Anteil der 4jährigen Kinder mit erheblichem Förderbedarf an der Anzahl der Kinder, die zum 01.08.2011 schulpflichtig werden.

Die einzelnen Städte der StädtekooperationStädtekooperation lagen bis auf Mülheim an der Ruhr dem LanDie einzelnen Städte der lagen bis auf Mülheim an der Ruhr erheblich über desdurchschnitt. erheblich über dem Landesdurchschnitt.
1 Presseinformation des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW, 16.11.2009; http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Presse/Meldungen/PM_2009/pm_16_11_2009_pdf.pdf

NRWDurchschnitt

Bochum

Dortmund

Duisburg

Oberhausen

Essen

9

13
Presseinformation des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW, 16.11.2009; http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Presse/Meldungen/PM_2009/pm_16_11_2009_pdf.pdf

Die Heterogenität der Bevölkerung (hier der Anteil der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte) nimmt zu, selbst wenn keine Zuwanderung mehr stattfinden sollte
Die statistische Aufbereitung von Daten, die Aufschluss über die Anzahl der Personen mit Zuwanderungsgeschichte geben, ist schwierig. Seit der Verabschiedung des Staatsangehörigkeitsgesetzes (StAG) vom 1. Januar 2000 erhalten alle in Deutschland geborenen Kinder mit zumindest einem deutschen Elternteil oder einem Elternteil, das seit acht Jahren rechtmäßig seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat, automatisch einen deutschen Pass. Hinzu kommen eingebürgerte Erwachsene und erwachsene mit doppelter Staatsbürgerschaft. Deshalb ist der Anteil der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte wesentlich höher als der Anteil der Menschen ohne deutschen Pass (nur ausländische Staatsangehörigkeit). Definition Migrationshintergrund: Zu den Menschen mit Migrationshintergrund zählen ,,alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil". 1 2008 verzeichnet die Metropole Ruhr 5.215.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Nahezu ein Viertel (23,2%) hatten eine Zuwanderungsgeschichte.2 Bedenkt man, dass diese sehr junge Personengruppe erst zukünftig Familien gründen wird, ist deutlich, dass die Zahl der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte auch in Zukunft steigt. Auch unabhängig davon wird die Bevölkerung mit ihren unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus immer heterogener.3

1 Statistisches Bundesamt (2010): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Bevölkerung mit Migrationshintergrund ­ Ergebnisse des Mikrozensus 2008- Wiesbaden

2 Grundlage Daten von Information und Technik Nordrhein-Westfalen, Bevölkerung NRW nach Migrationsstatus 2008 3 Vgl. Sinus-Studie 2009 unter http://www.sociovision.de/

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Der Anteil jüngerer Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ist höher als der Anteil ohne Zuwanderungsgeschichte
Der Anteil jüngerer Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ist höher als der Anteil ohne Zuwanderungsgeschichte

eine und 60,66% keine Zuwanderungsgeschichte. Der Anteil jüngerer Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ist höher als der Anteil ohne Zuwanderungsgeschichte
Anteile der Bevölkerung unter 18 Jahren gemessen an deran der Gesamtzahl18jährigen in 18jährigen in der Anteile der Bevölkerung unter 18 Jahren gemessen Gesamtzahl der unter der unter der Metropole -2008 Metropole Ruhr Ruhr -2008

Die Personengruppe der unter 18jährigen in der Metropole Ruhr beträgt 16,34% der Die Personengruppe der unter 18jährigen in der Metropole unter 18jährigen der Gesamtbevölkerung der Metropole Ruhr. Von diesen Ruhr beträgt 16,34% haben 39,34% Gesamtbevölkerung der Metropole Ruhr. Von diesen unter eine und 60,66% keine Zuwanderungsgeschichte.13 18jährigen haben 39,34% 13

Die Personengruppe der unter 18jährigen in der Metropole Ruhr beträgt 16,34% der Gesamtbevölkerung der Metropole Ruhr. Von diesen unter 18jährigen haben 39,34% eine und 60,66% keine Zuwanderungsgeschichte.1
39,34%

39,34%
ohne Zuwanderungsgeschichte mit Zuwanderungsgeschichte

60,66%

ohne Zuwanderungsgeschichte mit Zuwanderungsgeschichte

60,66%

Vergleicht man die Gruppe der Personen mit Zuwanderungsgeschichte mitdie Gruppe ohne Zuwandeder Bevölkerung mit Gruppe ohne Zuwanderungsgeschichte, so ist rungsgeschichte, Zuwanderungsgeschichte Zuwanderungsgeschichte insgesamt jünger. Annähernd ein so ist die Bevölkerung mit insgesamt jünger. Annähernd ein Drittel dieser Drittel dieser Personengruppe in der Metropole RuhrRuhr ist unter 18 Jahren. Im Vergleich sind nur 12,9% Personengruppe in Gruppe der ist unter 18 Jahren. Im Vergleich dazu dazu sind Vergleicht man die der Metropole Personen mit Zuwanderungsgeschichte mit der der Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte unter 18 Jahren. nur 12,9% der Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte unter 18 Jahren.13

Vergleicht man die Gruppe der Personen mit Zuwanderungsgeschichte mit der

Gruppe ohne Zuwanderungsgeschichte, so ist die Bevölkerung mit Zuwanderungsgeschichte Bevölkerung mit und ohne Zuwanderungsgeschichte in insgesamt jünger. Annähernd ein Drittel dieser Alterstruktur der der Metropole Personengruppe in der Metropole Ruhr im Vergleichunter 18 Jahren. Im Vergleich dazu sind Ruhr ist - 2008 nur 12,9% der Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte unter 18 Jahren.13
100,00%

80,00%

Alterstruktur der Bevölkerung mit und ohne Zuwanderungsgeschichte in der Metropole Ruhr im Vergleich - 2008
72,28% 87,10% über 18 Ja hre n unte r 18 Jahren

60,00%

40,00% 100,00%

20,00%

80,00%
0,00%

27,72% 12,90% m it Zuwa nde rungsge schichte 72,28% ohne Zuwanderungsgeschichte

60,00%

über 18 Ja hre n unte r 18 Jahren

87,10%

1 Grundlage Daten von Information und Technik Nordrhein-Westfalen, Bevölkerung NRW nach Migrationsstatus 2008
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Grundlage Daten von Information und Technik Nordrhein-Westfalen, Bevölkerung NRW nach Migrationsstatus 2008

40,00%

15
20,00%

Soziale Lagen überschreiten Stadtgrenzen

Problemlagen der Bevölkerung in unseren Städten machen vor Stadtgrenzen nicht Halt. Die A40 als eine Art ,,Sozialäquator des Ruhrgebiets"1 teilt die Region in zwei Hälften mit fließenden Übergängen zwischen Städten und Stadtteilen. Die Grafik verdeutlicht die ungleichmäßige Verteilung von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen sozialen Lagen zwischen Stadtteilen.

1 Kersting, Volker; Meyer, Christian; Strohmeier, Peter; Terpoorten,Tobias (2009): Die A 40 - der Sozialäquator des Ruhrgebiets. In: Atlas der Metropole Ruhr (Hg.): Vielfalt und Wandel des Ruhrgebiets

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Der demografische Wandel hat die Stadtverwaltungen erreicht

und Essen Der demografische Wandel hat die Stadtverwaltungen erreicht

Grafik:

Vergleich der Alterskohorten in den Kommunen von Bochum

Grafik: Vergleich der Alterskohorten in den Kommunen von Bochum und Essen
Altersgruppen kommunaler Beschäftigter
Bochum
25
19,33 19,51 17,82 19,33
Anteil in %

Essen

20

15

17,12 11,96

17,50 12,90

10
6,63 4,30 6,07 3,91

11,65 7,05 10,69 4,38 6,53 2,46 0,03

5

0 unter 25 26-30 31-35 36-40 41-45 46-50 51-55 56-60 61-65

über 65

Der Vergleich der Alterskohorten zeigt bei beiden Kommunen ein fast identisches Bild: Die Hauptanteile liegen zusammengefasst in den Altersgruppen von 36 bis 60 Jahren. Der Anteil der Abgänge durch Pensionierung / Verrentung in den Altersgruppen von 56 bis 65 Jahren wird alleine aus den nachrückenden Jahrgängen nicht ersetzt werden können. 1
Der Vergleich der Alterskohorten zeigt bei beiden Kommunen ein fast identisches Bild: Die Hauptanteile liegen zusammengefasst in den Altersgruppen von 36 bis 60 Jahren. Der Anteil der Abgänge durch Pensionierung / Verrentung in den Altersgruppen von 56 bis 65 Jahren wird alleine aus den nachrückenden Jahrgängen nicht ersetzt werden können.17

1 Vergleich der Alterskohorten: eigene Berechnungen auf der Basis der von den Personalämtern der Städte Bochum und Essen gelieferten Daten, April 2010

17

3.3 ZwischenfaZit
Die Rahmenbedingungen der demografischen, sozialen und kulturelle Entwicklung und die Perspektiven des pensions/verrentungsbedingten ,,natürlichen" Rückgangs der kommunalen Beschäftigten zeigen: · Die Kommunen können die grundsätzlich garantierte öffentliche Daseinsvorsorge vor Ort nur gewährleisten, wenn sie zukünftig neues qualifiziertes Personal einstellen. · Dazu sind die Kommunen zunehmend darauf angewiesen, die Anwerbung, Ausbildung und Einstellung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu fördern.

18

4

rolle der kommunen
Dabei sind insbesondere für Zugewanderte aus zentralistisch regierten Herkunftsstaaten die föderalen Strukturen in der Bundesrepublik und die damit verbundene Teilung von Aufgaben und Zuständigkeiten nicht verständlich. Um die Bedeutung der Kommune als Gewährleisterin der öffentlichen Daseinsvorsorge für den Erhalt von Lebensqualität zu illustrieren, wird im folgenden kurz die Rolle der kommunalen Selbstverwaltung bei der Erbringung von Leistungen für alle Einwohnerinnen und Einwohner erläutert.

In einer Zeit, in der sich die Einwohnerschaft durch Zuwanderung und demografische Entwicklung grundlegend verändert hat, wird die Qualität des Zusammenlebens zu einem zentralen Einflussfaktor für die Attraktivität einer Stadt1. Unabhängig von Zuständigkeiten und Einflussfaktoren übergeordneter Ebenen wird die lokal greifbare staatliche Instanz von den Bürgerinnen und Bürgern meist dafür verantwortlich gemacht, wenn Dinge in der Stadt nicht funktionieren. Die Akteure vor Ort sind in der Regel die erste Anlaufstelle und Empfänger für Bürgerinteressen und Interessenkonflikte. Die Kommunen wirken hier als Seismograph für Verständigungsprobleme, die auch andere Instanzen zu verantworten haben. Dadurch sind die Kommunen mit einer doppelten Vermittlerrolle konfrontiert: Sie müssen einerseits ihre originären Zuständigkeiten umsetzen und gleichzeitig zwischen Bevölkerungsgruppen auf der Beziehungsebene vermitteln2.

1 Vgl. KGST online, Themenfach Zuwanderung und Integration. 2 Vgl. Gesemann,F./Roth,R (Hg) Lokale Integrationspolitik in der Reinmwanderungsgesellschaft, Wiesbaden 2009

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4.1 kommunale selbstVerwaltung
Die Kommunale Selbstverwaltung hat im politischen System der Bundesrepublik Deutschland eine formal starke Position. Im Grundgesetz Art. 28, Abs. 2 heißt es: ,,Den Gemeinden muss das Recht gewährleistet sein, alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln." Die ,,örtliche Gemeinschaft" umfasst die gesamte Einwohnerschaft, unabhängig von Herkunft und Staatsbürgerschaft. Die Gemeinden sind Teile der jeweiligen Bundesländer, so dass ebenso viele Gemeindeordnungen wie Bundesländer existieren. Im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge erfüllen sie a) Aufgaben des Bundes und der Länder als untere Verwaltungsinstanz (Auftragsangelegenheiten). Dabei handelt es sich um die Umsetzung z.B. des Melderechts, des Bauaufsichtsrechts, der Ausländerangelegenheiten und seit 2005 der Integration von Zuwanderern, des Zivilschutzes, des Ordnungsrechts (KFZ, Passwesen, Gewerberecht) etc. und b) Aufgaben in eigener Verantwortung. Diese so genannten Selbstverwaltungsangelegenheiten sind unterteilt in - Pflichtaufgaben, z.B. Unterhaltung der Gemeindestrassen. Schaffung von Kindertagesplätzen, Schulentwicklungsplanung, Betrieb von Schulen, Abfallbeseitigung, Energieversorgung etc. sowie
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- freiwillige Aufgaben, z.B. Art und Umfang der Einrichtung und des Unterhalts von Grünanlagen, Museen, Schwimmbädern, Büchereien, Theater, Jugendeinrichtungen etc. Der Staat ­ hier in Form der Kommune ­ erbringt eine Fülle von Leistungen, die den Einwohnerinnen und Einwohnern praktisch schon mit dem Wachwerden begegnen: Wenn ich den Morgenkaffee mit Wasser aus der Leitung mache, wenn ich das Kind auf dem Weg zur Arbeit über Gemeindestrassen in die Kita oder in die Schule bringe, dabei vielleicht den öffentlichen Nahverkehr nutze, um dann in einem Gewerbegebiet, das die Gemeinde erschlossen hat, meiner Arbeit nachzugehen, dann habe ich bereits eine Fülle von Leistungen genutzt, die Gemeinden erbringen. Etwas poetisch formulierte der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hermann Schmitt- Vockenhausen einmal zu diesem Thema: ,,Die Gemeinden sind der Ort der Wahrheit, weil sie der Ort aller Wirklichkeit sind." Die Lebensqualität in der Stadt ist somit unmittelbar mit den Leistungen der Kommunen verbunden. Die Präambel zum ,,Leitbild der Stadt der Zukunft" des Deutschen Städtetages1 beschreibt die Rolle der Kommunen als maßgeblich für das Funktionieren von Staat und Gesellschaft: ,,Die Städte in Deutschland sind besondere Orte. Sie sind die Kristallisationspunkte unseres kulturellen Lebens, die Städte sind die Knotenpunkte des Handels, der Dienstleistungen und die Standorte der
1 Vgl. ,,Leitbild der Stadt der Zukunft", Deutscher Städtetag, Köln und Berlin 2003

Wirtschaft. Die Städte sind die Orte der Kommunikation und der Integration, Städte stiften Identität. Städte sind die wichtigsten Träger öffentlicher Dienstleistungen und Infrastrukturen. Ohne die Städte sind Staat und Gesellschaft nicht funktionsfähig". Städte und Gemeinden organisieren also, das wird hier deutlich, die Basis für das Funktionieren von gesamtstaatlicher Demokratie, weil sie nahe an den Einwohnerinnen und Einwohnern sind oder zumindest sein können. Trotz dieses hohen Stellenwertes der kommunalen Selbstverwaltung sehen sich die Städte zunehmend dem Verlust ihrer Handlungs- und Entscheidungsspielräume ausgesetzt. Entwicklungen auf Bundes-, Landes- und der Europäischen Ebene drohen das Wesen der kommunalen Selbstverwaltung auszuhöhlen. Die Wiederherstellung und Bewahrung der Gestaltungsmöglichkeiten ist deshalb eine notwendige Anforderung, gleichbedeutend mit der Aufgabe, die Bedeutung kommunalen Selbstverwaltung durch zukunftorientiertes Handeln immer wieder herauszustellen.

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4.2 anforderungen
Die Kommunen in Deutschland stehen mitten in der Bewältigung riesiger Aufgaben, wie es sie seit Jahrzehnten nicht gegeben hat: · Demografischer Wandel in seinen Dimensionen Schrumpfung, Vereinzelung (kleinere Haushalte), Alterung, Heterogenisierung Daraus entstehen komplexe und umfangreiche Aufgabenstellungen für die Städte und Gemeinden als Wirtschafts- und Lebensorte, als politische und als gebaute/ physische Einheiten, aber auch für den Stadtumbau, den Infrastrukturrück- und neubau (beides auch als Reaktion auf den Klimawandel) als Anpassung an sich stark verändernde Bevölkerungsstrukturen. Die Folge der Heterogenisierung der Bevölkerung (ethnisch, sozial/ milieuspezifisch) ist ebenfalls eine Herausforderung, die nur auf Gemeindeebene sinnvoll bearbeitet werden kann - im Rahmen gegebenenfalls von Gesetzen anderer politischer Ebenen. · Integration als dauerhafte Aufgabe Die Entscheidungen, ob Integration gelingt oder misslingt, fallen vor Ort. In dem Maße, wie der Arbeitsplatz als funktionierendes Integrationsfeld ausfällt, sind Wohnumgebung/ Nachbarschaft und deren Infrastrukturen die funktionierenden Medien für Integration - oder auch nicht. Vieles hängt von den Mitteln ab, die den Kommunen zur Verfügung stehen. Integrationsarbeit kann seit dem Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes und zahlreicher Richtli22

nien der Europäischen Union nicht mehr als eine freiwillige Aufgabe gewertet werden, die dann bei Finanzschwächen häufig nicht geleistet werden darf - selbst wenn sie bereits mittelfristig billiger ist als die Kosten misslingender Integration. Freiwillig ist ­ zumal in Zukunft ­ allenfalls Art und Umfang von Leistungen der Kommunen zur Integration der Stadtgesellschaft. Die Chancen der Vielfalt nutzen zu wollen ist eine Frage des politischen Willens, der vielfach und vielstimmig erklärt ist, aber auch eine Frage der finanziellen Mittel. · Gestalten bei eingeengten finanzwirtschaftlichen Spielräumen Die Finanzausstattung der Kommunen in der Metropole Ruhr ist strukturell unzulänglich.1 Ihre wichtigste Einnahmequelle, die Gewerbesteuer, unterliegt heftigen Schwankungen. Als Folge der weltweiten Finanzkrise verzeichnen die Städte Einnahmeverluste im zweistelligen Prozentbereich. Eine strukturell nachhaltige Kompensation des Bundes und der Länder für Einnahmeausfälle ist nicht erkennbar. Höhere politische Ebenen von der EU bis zu den Bundesländern verlangen den Kommunen per Gesetz oft ungefragt große finanzielle Leistungen ab. So sind die Städte heute weniger Subjekte staatlicher Politik, sie sind inzwischen in wachsendem Maße deren Objekte. Gleichwohl gilt es für die Kommunen, trotz der
1 Vgl. Memorandum zur Gemeindefinanzpolitik ,,Wege aus der Schuldenfalle", Dezember 2008, Stadt Mülheim an der Ruhr.

Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Aufgabenstellung und ihren (Finanz-) mitteln, diese gesellschaftlichen Aufgabenstellungen zu bewältigen und nicht in Resignation zu verfallen. Sie müssen - zeitgleich zum politischen Einsatz um eine angemessene Finanzausstattung - ihre internen und externen Rationalisierungsressourcen aktivieren. Intern geht es um integriertes, ressortübergreifendes und Mittel bündelndes Arbeiten. Extern geht es darum, interkommunal zu kooperieren. · Interkommunale Kooperation Das Städteprojekt ist ein Beispiel für eine zukunftswirkende Kooperation zwischen den beteiligten Kommunen, um dem absehbaren Mangel an qualifizierten Fachkräften für die Erbringung notwendiger Dienstleistungen zu begegnen. Dazu werden Beschäftigte benötigt, die ihre fachlichen, methodischen und sozialen Potenziale so weiterentwickeln, dass sie allen Einwohnerinnen und Einwohnern mit einem Selbstverständnis begegnen, das neben einem konsequenten Dienstleistungsverhalten auch dem demokratischen Partizipationsbedürfnis der Bewohnerschaft entspricht.1

1 Vgl. KGST online, Personalmanagement

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strategische Ziele
ZIEL 2 Der Anteil der Beschäftigten mit Zuwanderungsgeschichte entspricht langfristig ihrem Anteil an der Stadtbevölkerung. Die Kommunalverwaltung als vor Ort greifbarer Bestandteil des gesamten öffentlichen Dienstes repräsentiert aus Sicht aller Einwohnerinnen und Einwohner in besonderer Weise den demokratischen Staat und die sie tragende Stadtgesellschaft. Je mehr sich die verschiedenen sozialen und kulturellen Milieus in der Kommune mit den Dienstleistungen ,,ihrer" Stadtverwaltung identifizieren, desto eher gelingt es diese Vielfalt für ein friedliches Zusammenleben in einer gemeinsamen Zukunft zu nutzen. Zugewanderte ­ vor allem diejenigen ohne deutsche Sprachkenntnisse und ohne kommunales Wahlrecht ­ haben häufig größere Schwierigkeiten, sich mit ihren Anliegen in der Verwaltung Gehör zu verschaffen. Die verstärkte Einstellung von interkulturell kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Zuwanderungsgeschichte in allen Fachbereichen auf allen Hierarchieebenen ist deshalb ein für die gesamte Stadtgesellschaft sicht- und hörbares Zeichnen der interkulturellen Öffnung des öffentlichen Dienstes vor Ort. Dadurch wird das Zugehörigkeitsgefühl der Einwohnerinnen und Einwohner mit Zuwanderungsgeschichte als zentrale Grundlage der Integration der Stadtgesellschaft erheblich erleichtert.

Unter den gegenwärtigen demografischen, ökonomischen, sozialen und finanziellen Rahmenbedingungen für die Zukunftssicherung der Kommunen in der Metropolregion Ruhr sind drei strategische Ziele vorrangig zu verfolgen. ZIEL 1 Interkulturelle Kompetenz ist als Qualitätsmerkmal für kundenorientierte Dienstleistungen in der Verwaltung - insbesondere im Personalmanagement - zu verankern und wird als bedeutsames Kriterium für die Personalauswahl und die Personalentwicklung verwendet. Diese in Heft 2 näher definierte interkulturelle Kompetenz gehört - wie etwa der dienstliche Umgang mit dem PC - zu den Kernanforderungen an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur fachgerechten Erbringung von Dienstleistungen im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge. Sie betrifft also nicht nur den Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsdienst, sondern ist in der Leistungs- und Ordnungsverwaltung gleichermaßen erforderlich und lässt sich nicht auf publikumsintensive Tätigkeiten oder gar auf sogenannte ,,Integrationsbeauftragte" einzelner Fachbereiche beschränken. Interkulturelle Kompetenz gilt in der gesamten Stadtverwaltung bzw. im gesamten Konzern als wichtiges Auswahlkriterium sowohl für Neueinstellungen von Auszubildenden und Stellenbesetzungen als auch beim Personalmanagement der vorhandenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Beurteilung von deren Eignung, Befähigung und Leistung für eine kundenorientierte Aufgabenerfüllung auf allen Hierarchieebenen.

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ZIEL 3 Die beiden vorgenannten Ziele sind durch eine nachhaltige Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Kommunen zu erreichen. Die Herausforderung des demografischen Wandels in der Metropolregion Ruhr ist nur durch eine verstärkte systematische Zusammenarbeit der Kommunen zu meistern. Dies bezieht sich insbesondere auf den bereits heute weitgehend regional organisierten Ausbildungsund Fachkräftemarkt. Um zwischen den Kommunen entsprechende Synergieeffekte und damit mittelund langfristig echte Einsparpotentiale (im ursprünglichen Sinne der gemeinsamen Daseinsvorsorge) zu erschließen, ist die Zusammenarbeit der Städte in der Region institutionell nachhaltig abzusichern und in gemeinsamen Projekten umzusetzen (z.B. durch Entwicklung gemeinsamer Maßnahmen wie Internet-Plattform für Bewerbungen, Auswahlverfahren, arbeitsteilige Erarbeitung gemeinsamer Aus- und Fortbildungsinhalte für Ausbilderinnen und Ausbilder durch entsprechende Abstimmung zwischen den Studieninstituten etc).

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kontakte
Stadt Bochum Herr Ulrich Schmitz Integrationsbüro/RAA Junggesellenstraße 8 44777 Bochum Tel. 0234 / 910-1859 oder -1727 ulrichschmitz@bochum.de Stadt Duisburg Frau Jutta Wagner Dezernat des Oberbürgermeisters Referat für Integration Gutenbergstraße 24 47051 Duisburg Tel. 0203 / 2 83 - 69 20 j.wagner@stadt-duisburg.de Stadt Dortmund Frau Reyhan Güntürk Dezernat 3 Integrationsbüro Südwall 2-4 44122 Dortmund Tel. 0231 / 50 - 27247 rguentuerk@stadtdo.de Stadt Essen Frau Iris Kaplan-Meys RAA / Büro für interkulturelle Arbeit Tiegelstr. 27 45141 Essen Tel. 0201 / 8328-406 iris.kaplanmeys@raa-interkulturellesbuero.essen. de Stadt Mülheim an der Ruhr Frau Iris Hofmann Koordinierungsstelle Integration Ruhrstraße 1 45468 Mülheim an der Ruhr Tel. 0208 / 455 15 31 iris.hofmann@stadt-mh.de Stadt Oberhausen Herr Jeldrik Stein Koordinierungsstelle Integration Concordiastr. 30 46042 Oberhausen Tel. 0208 / 825-9042 jeldrik.stein@oberhausen.de Stadt Bochum Herr Andreas Pamp Organisations- und Personalamt Strategische Organisations- und Personalentwicklung 44777 Bochum Tel. 0234 / 910-1425 apamp@bochum.de Stadt Dortmund Herr Armin Feld Ausbildungsbeauftragter Markt 10 44122 Dortmund Tel. 0231 / 50-2 27 72 afeld@stadtdo.de

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Stadt Essen Herr Olaf Poch Organisation und Personalwirtschaft Rathaus, Porscheplatz 45121 Essen Tel. 0201/ 88 10 420 olaf.poch@essen.de Stadt Mülheim an der Ruhr Frau Judith Kellerhoff Personal- und Organisationsamt Bahnstr. 25 45468 Mülheim an der Ruhr Tel. 0208 / 455 1140 judith.kellerhoff@stadt-mh.de Stadt Oberhausen Herr Wilhelm Weibels Fachbereich 4-1-40 Aus- und Fortbildung, Personalentwicklung Essener Str. 5 46047 Oberhausen Tel. 0208 / 825-3750 wilhelm.weibels@oberhausen.de

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