Archiv-Beitrag vom 14.07.2008Stadtdirektor Steinfort widerspricht NRZ-Berichterstattung "Ebenmaß ist nicht Mittelmaß"

In der NRZ  vom Samstag (12.7.) wurde von der Diskussion einiger städtischer Vertreter mit dem NRW-Ministerpräsidenten über das Ruhrpromenadenprojekt berichtet. Dieser Berichterstattung und dem Kommentar von Herrrn Schönen widerspricht Stadtdirektor Dr. Frank Steinfort in einem Brief an die Redaktion vehement.

Dr. Frank Steinfort, Foto: Walter Schernstein

Sehr geehrte Frau Siepmann,
sehr geehrter Herr Schönen,

Ihre Berichterstattung zum Besuch des Ministerpräsidenten veranlasst mich, zu zwei Punkten Stellung zu nehmen.

Zum einen geht es um die in Ihrem Bericht dargestellte Diskussion zur Gestaltungssatzung. In einer solchen kann dezidiert geregelt werden, wie  Gebäude äußerlich gestaltet sein müssen. Solche Satzungen finden zumeist bei Stadtkernen mit viel historischer Bausubstanz Anwendung, wo der äußere, oft mittelalterliche Gesamtcharakter von Innenstädten möglichst unverändert erhalten bleiben soll. Die berühmten Düsseldorfer Gehry-Bauten sind nicht unter der Geltung einer solchen Satzung entstanden. Ihre Darstellung erweckt aber den Eindruck, als wenn man nur eine Gestaltungssatzung zu formulieren bräuchte und schon könnte man erreichen, dass solche außergewöhnlichen Bauten in Mülheim errichtet werden. Dieser Eindruck ist falsch.

Die Aufstellung einer solchen Satzung für den Bereich der Ruhrpromenade hätte zur Folge gehabt, dass man sich im Rat zunächst auf eine solche hätte verständigen müssen (an welchem Vorbild?) und dass die Anbieter sich im anschließenden Vergabeverfahren sehr genau daran hätten halten müssen. Stattdessen haben sich Rat und Verwaltung für das Vergabeverfahren mehr Flexibilität bewahrt, indem im Bebauungsplan und im Ausschreibungstext nicht zu detaillierte gestalterische Vorgaben gemacht wurden, die zum (Mindest-)Ziel haben, dass sich die neuen Gebäude harmonisch in die Flusslandschaft einfügen sollen.

Die Entscheidung gegen eine Gestaltungssatzung hatte zur Folge, dass wir beim Ruhrpromenadenprojekt im Laufe des Vergabeverfahrens und der Verhandlungen mit den Bietern zwischen verschiedenen Alternativen wählen konnten, was bei einer in der Regel sehr detaillierten Gestaltungssatzung nicht möglich gewesen wäre. Diese Möglichkeit der Wahl zwischen verschiedenen Alternativen ist nicht negativ zu bewerten und war auch ausdrücklicher Wunsch der Ratsmehrheit.

Der Kommentar von Ihnen, Herr Schönen, erweckt den Eindruck, dass Mittelmaß regiere, wenn man auf spektakuläre und nicht in den städtebaulichen Zusammenhang passende Gebäude verzichtet. Wer schon mal Städte mit harmonischem Erscheinungsbild gesehen hat, kann Ihre Kritik nicht nachvollziehen. Der Rat der Stadt und mit ihm die Verwaltungsspitze wollen der Stadt ein harmonisches Bild geben. Was ist schlecht daran? Das richtige Maß und damit auch Ebenmaß zu finden ist oft genug eine Kunst und kein Mittelmaß. Im übrigen sollten Sie nach meiner Meinung nur solche Diskussionen kommentieren, die Sie selbst mitgehört haben. Leider haben Sie aber an dem Besuch gar nicht teilgenommen.


Mit freundlichen Grüßen
Frank Steinfort

 

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Stand: 14.07.2008

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