Stadtkanzlei-Veranstaltung in Styrum

Naturbad, neues konventionelles Bad oder das alte einfach reparieren? Diese Frage stand im Mittelpunkt der zweiten Stadtkanzlei-Veranstaltung in Styrum. Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld hatte die Bürger und Bürgerinnen dazu ins Aquatorium der RWW eingeladen. Gemeinsam mit Fachleuten aus der Mülheimer Stadtverwaltung und dem Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR) stellte die Oberbürgermeisterin die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vor und ließ anschließend die Styrumer zu Wort kommen.

Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld und Sportdezernent Wilfried Cleven moderierten die Veranstaltung

Foto: Walter Schernstein

Eines stand von Anfang an fest: In Styrum wird es auch in Zukunft ein Freibad geben. Und zwar mit Sprungturm und Rutsche. Doch wie dieses Bad ansonsten aussehen soll, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Martin Wirtz vom KVR wollte die Zuhörer und Zuhörerinnen durch seine mit vielen Bildern und Grafiken unterlegte Präsentation für eine Variante eines Naturbades gewinnen. Doch bereits die erste, mit viel Beifall bedachte Frage aus dem Publikum machte deutlich, dass die vom Rat der Stadt im Februar beschlossene Umgestaltung des Schwimmbades in ein Naturbad nicht unbedingt auf Gegenliebe der Styrumer stößt.

Die Gegner

„Ist es denn wirklich ausgeschlossen, dass das Bad in seiner jetzigen Form erhalten bleiben könnte?“, fragte ein Teilnehmer der Stadtkanzlei-Veranstaltung. Ähnlich auch die Forderungen seiner Nachredner und –rednerinnen: Das Freibad Ruhrstadion solle kein Wellness-Bad werden, die Eintrittspreise müssten auch für Familien mit Kindern bezahlbar bleiben. Bitte kein Prestige-Objekt, sondern ein Bad fürs Volk. Warum so viel Geld investieren in Zeiten leerer Kassen? So lässt sich der Tenor der Naturbad-Gegner zusammenfassen. Ein Vater betonte, er sei nicht bereit, mit seinen Kindern wieder nach Hause zu gehen, wenn das Naturschwimmbad wegen Überfüllung an sonnigen Tagen geschlossen werden müsse. Und schließlich kam aus dem Publikum die Frage, ob und wie denn der Ratsbeschluss gekippt werden könnte.

Die Befürworter

Auch die Befürworter eines Naturbades meldeten sich zu Wort. Sie betonten, dass die Kosten für den Bau eines Naturbades niedriger seien als für den Bau eines neuen konventionellen Bades. Nur mit einem Naturbad könne die Wasserfläche erweitert werden, ohne dass die Kosten in astronomische Höhen steigen würden. Die Nähe zur Natur, die gerade für Jugendliche und junge Familien von Interesse sei, war ein weiteres Argument der Naturbad-Freunde.

Der Rat entscheidet

Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld war erfreut über die Reaktion aus dem Publikum. Sie machte keinen Hehl aus ihrer persönlichen Meinung, dass sie die Lösung eines Naturbades ablehnt. Stattdessen sollte die Technik repariert und das Bad in seiner jetzigen Form weitergeführt werden. „Ich bin aber an die Beschlüsse des Rates gebunden“, betonte die Oberbürgermeisterin. 27 Stimmen in diesem Gremium reichten aber aus, den Beschluss vom Februar rückgängig zu machen. Sie ermunterte die Bürger und Bürgerinnen, darüber mit ihren politischen Vertretern und Vertreterinnen zu sprechen.

Sportdezernent Wilfried Cleven und Werkleiter Heinz Moseler vom Mülheimer Sportservice wiesen ebenso wie die Oberbürgermeisterin darauf hin, dass sie bei ihrer weiteren Planung die Beschlüsse des Rates umsetzen müssten. Deshalb könnten sie keine persönlichen Empfehlungen für die eine oder andere Variante abgeben. KVR-Experte Wirtz regte an, auch über eine Kombination aus Natur- und konventionellem Bad nachzudenken.

Keime und Algen

Dr. Dieter Weber vom Gesundheitsamt machte deutlich, dass mit steigender Wassertemperatur und bei großem Andrang im Wasser des nicht gechlorten Naturbads die Keimbelastung und damit das Gesundheitsrisiko für die Badegäste ansteige. Auch die Sichttiefe im Wasser könne bei langanhaltendem Sonnenwetter durch das Algenwachstum vermindert werden. Heinz Moseler betonte, die Stadt werde ihre Verantwortung ernst nehmen und im Falle zu geringer Sichttiefen oder zu starker Keimbelastungen das Becken sperren müssen.

Keine Bedenken hatte Dr. Weber gegen den Einsatz von Holz bei der Gestaltung des Naturbades. „Die Sonne desinfiziert das Holz“, betonte er. Der Nachfrage, ob denn das Schwimmen in der Ruhr in absehbarer Zeit wieder möglich sei, musste der Fachmann allerdings eine Absage erteilten. Die Keimbelastung im Fluss sei einfach zu hoch.

So geht es weiter

Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld versprach, die Ergebnisse der Stadtkanzlei-Veranstaltung an die zuständigen Stellen in Politik und Verwaltung weiterzuleiten. Die Meinung der Bürger und Bürgerinnen solle dann erneut in den Entscheidungsprozess der Politiker und Politikerinnen einfließen. Außerdem nahm die Oberbürgermeisterin gerne das Angebot eines Styrumer Jugendzentrums an, die Jugendlichen an der Gestaltung des neuen Bades zu beteiligen. Vorschläge sollen bereits in den kommenden Wochen vorliegen.

 

 

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Stand: 03.11.2003

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