ln seinen einfachen,, Fliesen Bildern" peilte Helmut Koch zu Beginn der neunziger Jahre eine Dimension an, indem er durch die an sich,, unendliche Reihung" auf ein außerhalb des Bildes liegendes System verwies. War in diesen großen Rasterbildern sein gestalterisches Interesse am Raum bloß angedeutet, so ist Helmut Koch in den letzten Jahren dazu übergegangen, direkt im Raum zu arbeiten. Dabei bleibt jedoch seine enge Beziehung zur Malerei auch weiterhin bestehen - es ist die Bildfläche, die sichtbar den Ausgangspunkt der räumlichen Arbeit bildet.
Seine Objekte werden vom Betrachter vorerst als räumlich geordnete Malerei wahrgenommen, in der die malerisch gestaltete Oberfläche eindeutig dominiert: So sollen die Stehpulte, Sekretäre, Notenständer, Urnen oder Bahren an flüchtige Möbelzitate erinnern, wenn er aus gefundenen Verpackungskartons,, Vollplastiken" baut, deren Oberfläche mit der gleichen Intensität und gleicher,, malerischer" Zielsetzung bearbeitet ist wie die in seinen Wandbildern. Auch hier trägt Helmut Koch mehrere Farbschichten auf, schleift sie ab, reibt das derart gewonnene Farbpulver wieder hinein, bemalt sie erneut, kritzelt in die Farbschicht Kreise, Vierecke, Diagonalen und Achsen, um schließlich eine vielschichtige und dennoch einheitliche Bild-Oberfläche zu erhalten.
Diese Kombination aus Malerei, Zeichnung, Relief und Skulptur ergibt einen komplexen gestalterischen Ausdruck. Mit seinen bemalten,, Objekten" bietet Helmut Koch ein kompliziertes, aus expressiv-abstrakten Farbspuren und vorgefundenen Zeichenbildern gestricktes Assoziationsnetz an.
Einen weiteren Schritt in den skulpturalen Raum macht Helmut Koch mit seinen neuesten Arbeiten. Entsprech- end der Intention der Gruppe AnDer, Kunst an ungewohnlichen Orten zu zeigen, thematisiert Koch in der Ausstellung,, AnDer Metrie" die spezifische Raum- und Ausstellungssituation des Hochschlosses Broich. Seine Boden-, Wand- und Raumobjekte gehen auf die vorgefundenen Besonderheiten des historischen Ortes ein und versuchen, dessen formale und atmosphärische Möglichkeiten auszuloten und erfahrbar zu machen. Bei der Realisierung des Projektes spielt die Verwendung vorgefundener geometrischer Formen eine bedeutende Rolle. Koch zitiert, variiert, kombiniert und verfremdet bekannte Raster, Ornamente,,, Metrien" und lasst sie so als integrierende Elemente in seinen Installationen wirksam werden.
Die in der Gruppenausstellung,, AnDer Burg" gezeigte Arbeit,, Modell I", in der Koch die Mauerreste eines Gebäudegrundrisses ummantelt, gewinnt aus der Verbindung von architektonischen und skulpturalen Elementen eine spezifische Form des,, Modells", die sich als Endstufe eines autonomen, abgeschlossenen und nicht zweckgebundenen Werkes begreift.
Dr. Pavel Liska
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