Die Stolpersteine in der Löhstraße

Stolpersteine für das Ehepaar Jonas in der Löhstraße 53Familie Jonas (Löhstraße 53)

Karl Jonas wurde am 23. Mai 1870 im niederrheinischen Schermbeck, Kreis Rees, geboren. Im Alter von 30 Jahren heiratete er die aus Mülheim stammende sechs Jahre jüngere Martha Cahn, Tochter des zum Zeitpunkt der Hochzeit bereits verstorbenen Metzgers Isaak Cahn und seiner ebenfalls verstorbenen Frau Rosa geborene Meier.

Aus der Ehe von Karl und Martha Jonas ging eine Tochter hervor, Trude, geboren am 3. Juli 1901 in Mülheim an der Ruhr, wo die Eltern seit der Heirat wohnten. Trude Jonas wuchs in der Bachstraße 8-10 auf, besucht die Volksschule und anschließend das Städtische Lyzeum (Mädchenoberschule), wo sie Ostern 1918 ihr Abitur ablegte. Im Juni 1920 meldete sich nach Berlin ab, vermutlich um dort eine Beamtenausbildung zur Archivarin zu machen. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.

Die Eltern von Trude Jonas blieben noch bis 1933 in der Bachstraße wohnen und zogen dann im September 1933 in die Löhstraße 53. Bei diesem Gebäude handelte es sich um das Gemeindehaus der Mülheimer Synagogengemeinde, in dem Mitglieder der Jüdischen Gemeinde sich trafen und miteinander feierten. Gegen Ende der 1930er Jahre sollte dieses Haus zu einem sogenannten "Judenhaus" umfunktioniert werden, in das etliche der noch in Mülheim verbliebenen Juden zwangseingewiesen wurden.

Im Januar 1939 flohen Karl und Martha Jonas vor den Repressalien des NS-Regimes in die Niederlande nach Den Haag, wo sich ihre Spur dann verliert. Eine Deportation von dort in eines der deutschen oder polnischen Vernichtungslager ist jedoch sehr wahrscheinlich. Nach dem Krieg wurden sie 1945 für tot erklärt.

 

Familie Plachschinski (Löhstraße 53)

Stolpersteine für das Ehepaar Plachschinski in der Löhstraße 53Gutmann Plachschinski, geboren am 24. Mai 1873 in Sgersen bei Lodz, kam im Juli 1892 mit seiner Frau Agnes, geb. Dahlheim, geboren am 10. April 1875, über Köln am Rhein nach Mülheim an der Ruhr. Hier trat er die Stelle als Kantor (Vorbeter im Gottesdienst) der Jüdischen Gemeinde an.

Da gottesdienstliche Texte in der Gemeinde überwiegend hebräisch gelesen und deklamiert wurden, muss Plachschinski über gute Hebräischkenntnisse verfügt haben. Vermutlich wegen wurden ihm wegen dieser Sprachkenntnisse zudem die Aufgaben eines Religionslehrers für die Kinder jüdischen Glaubens zumindest in den ersten Schuljahren übertragen. Die Berufsbezeichnung in den amtlichen Unterlagen lautete "Kantor und Lehrer" und in der Grundsteinlegungsurkunde von 1904 für die neu zu bauende Mülheimer Synagoge am Viktoriaplatz hat er den hebräischen Text sowohl mit seinem Namen (auf hebräisch) als auch der Angabe "Schliach-Zibur" (hebräisch für Kantor) unterschrieben.

Die drei Kinder des Ehepaars Plachschinski kamen allesamt in Mülheim zur Welt: Alfred (1903), Liselotte (1906) sowie Hans (1909). Die Familie wohnte lange Jahre in der Leibnizstraße 6, zog dann aber im April 1933 in das jüdische Gemeindehaus in der Löhstraße 53. Dort fanden nach dem Verkauf und der Zerstörung der Synagoge im November 1938 zuletzt auch die Gottesdienste der Synagogengemeinde statt.

Am 21. Juli 1942 wurden Gutmann Plachschinski und seine Frau aus Mülheim nach Theresienstadt deportiert und am 8. Mai 1945 vom Mülheimer Amtsgericht für tot erklärt. Die drei Kinder Alfred, Liselotte und Hans konnten ihr Leben durch die rechtzeitige Auswanderung nach Mexiko retten.

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Stand: 01.02.2012

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