Tafel erinnert an Mülheims Bergbautradition

Rede von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld
anlässlich der Enthüllung der ersten Informationstafel
zum Bergbau in Mülheim "Zeche Humboldt"
am 17. Januar 2004 um 10.30 Uhr am Ost-Ausgang RRZ

Foto: Walter Schernstein


"Meine sehr verehrten Herren und Damen,
liebe Freunde, liebe Freundinnen der Bergbautradition,
vielen Dank dem Herner Bergmannorchester für die musikalische Einstimmung auf das heutige Ereignis.
Ich begrüße Sie alle sehr herzlich.
Ich freue mich, dass Sie meiner Einladung gefolgt sind, um dabei zu sein, wenn wir heute unsere Bergbautradition wieder ein Stück weit im Mülheimer Stadtgebiet sichtbar werden lassen.
Denn obwohl der Bergbau in Mülheim diese Stadt geprägt hat und man ihm heute meist unbewusst an vielen Stellen begegnet, so ist er aus dem Stadtbild fast verschwunden.
Mit dem Verschwinden der Mülheimer Bergbauhistorie aus dem Stadtbild geht ein Verblassen dieses wichtigen Teils der Mülheimer Geschichte einher.
Doch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind untrennbar miteinander verbunden. Daher muss dieser Teil der Mülheimer Geschichte in der Öffentlichkeit wieder sichtbar werden!
Viele von Ihnen haben persönliche Erinnerungen, einige durch eigene Arbeit im Bergbau, so manch einer durch die Eltern oder Großeltern, die unter Tage ihr Geld verdient haben. Unsere Kinder und Enkel sollen das nicht vergessen.
Die Idee, an historischen Stellen an diesen Teil der Mülheimer Geschichte und damit an die Orte und die Menschen zu erinnern, die eng mit dieser Geschichte verknüpft sind, ist langsam gewachsen...
... und hat in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. dann konkrete Formen angenommen.
Denkmalpflege bedeutet die Pflege der Wurzeln. Und Wurzeln müssen gepflegt werden, damit etwas Neues wachsen kann...
Heute werden wir hierfür einen ersten Schritt tun, durch die Enthüllung der ersten von bislang vorgesehenen fünf Bergbauinformationstafeln.
Die anderen Chroniken werden an anderen bergbaugeschichtlich markanten Orten aufgestellt.
Die Aufstellung erfolgt bewusst an Plätzen wie diesem, die von vielen Menschen frequentiert werden.
Bisher gibt es in unserem Stadtbild nur wenige Erinnerungen an das "schwarze Gold". Im Foyer des Rathauses steht ein Förderwagen vom Dorstener Bergwerk Fürst Leopold, und am Kreisverkehr "Am Förderturm" erinnert eine Seilscheibe aus Alstaden an die Zeche Rosenblumendelle.
Denkmalgeschützt ist heute die Mausegattsiedlung, die als Bergmannsiedlung "Colonie Wiesche" für die Arbeiter der Zeche Wiesche gebaut worden ist.
Erst kürzlich hat der Film "Das Wunder von Lengede" den Bergbau wieder lebendig werden lassen. Die Ereignisse liegen nun gut 40 Jahre zurück.
Der Film erinnert uns daran, dass auch und vor allem unsere Region dem Bergbau viel zu verdanken hat - insbesondere den Menschen, die ihre Arbeit, ihre Gesundheit und manchmal auch ihr Leben dem Bergbau geopfert haben.
Der Bergbau war seit dem 16. Jahrhundert bis über Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus für unsere Stadt prägend und ist bis heute ein Teil unserer mölmschen Identität.
In den besten Zeiten sicherte der Bergbau 3.000 Bergleuten und ihren Familien die Existenz.
In unserer Stadt war der Bergbau immer eng mit der Ruhr verknüpft. Die Ruhrschifffahrt hat kausalen Ursprung in der Kohleförderung. Im 18. und 19. Jhd. war die Ruhr der verkehrsreichste Fluss Europas.
Damals wie heute war also unsere Ruhr Garant der Gegenwart und Hoffungsträger für die Zukunft.
Das Ende des Bergbaus wurde bereits mit der Weltwirtschaftskrise zwischen den Weltkriegen eingeleitet.
Nachdem der letzte Hochofen bereits 1964 still gelegt wurde folgte 1966 mit dem Bergwerk Rosenblumendelle/Wiesche das letzte Bergwerk, welches den Förderbetrieb einstellte.
Mülheim an der Ruhr war damit die erste bergbaufreie Stadt im Ruhrgebiet und nutzte ihre Chancen zur Einleitung eines grundlegenden Strukturwandels, der hier am RRZ besonders gut sichtbar wird.
Im Eingangsbereich des CinemaxX hat sich der Standort des Schachtes der Zeche Humboldt befunden - mit ihren Silos, die im Volksmund die "12 Apostel" hießen.
Hier am Rhein-Ruhr-Zentrum wird diese Tafel an die einstige Zeche Humboldt erinnern, zu der uns gleich Herr Auberg noch einiges Interessantes vermitteln wird.
Das Rhein-Ruhr-Zentrum - unser "Zett" - entstand als Zeichen des Strukturwandels bereits wenige Jahre nach der Schließung der letzten Zeche.
Es war 1973 das größte überdachte Einkaufszentrum in der Bundesrepublik und hat sich seine Attraktivität bis heute durch eine perfekte Mischung aus Tradition und Innovation bewahrt.
Der Ort, wo einst in den Schacht Humboldt eingefahren wurde, bietet heute Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten für tausende von Besuchern und sichert gleichzeitig ein großes Potenzial an Arbeitsplätzen.
Die in der Vergangenheit genutzten Chancen des Wandels haben mit dem RRZ positive Gestalt angenommen.
Heute bieten sich durch den evidenten Wandel unserer Gesellschaft neue Chancen für unser Gemeinwesen, die wir ergreifen müssen, um unsere Stadt, um unsere Gemeinschaft zu stärken.
Die Vision unserer Zeit heißt "Ruhrbania", die ebenfalls auf Bewährtem, auf unseren Wurzeln aufbaut, um der Stadt und
ihren Menschen Möglichkeiten zu bieten, selbstbewusst eine adäquate Rolle in unserer Region wahrzunehmen und auf diese Weise unsere Lebensqualität zu sichern.
Wurzeln müssen gepflegt werden, damit etwas Neues wachsen kann... Denkmalpflege ist zur Pflege der Bergbautradition das geeignete Instrument.
Sie bewahrt Geschichte und zeigt sie als Prozess, in welchem Ereignisse ineinander greifen.
Unsere Gegenwart ist immer auch das Resultat unserer Geschichte... und das Resultat von Entscheidungen und Engagement.
Ein Hinweis an dieser Stelle ist mir persönlich daher ganz wichtig:
Die Tatsache, dass diese nachdrückliche Erinnerung an unsere Stadtgeschichte nur möglich war, durch die Übernahme von Verantwortung aus der Bürgerschaft heraus.
Der Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. und hier der Arbeitskreis Mülheim an der Ruhr, hat das geschichtliche und fachliche Wissen zum Thema "Bergbau" beigesteuert.
Praktische Unterstützung in hohem Maße ist durch die Firma Rauen und auch durch die Firma Kleinholz und die Friedrich-Wilhelms-Hütte erfolgt.
So ist der Stein, auf dem die Platte befestigt ist, aus dem Steinbruch Rauen.
Die Firma Kleinholz hat den Stein hier an diese Stelle transportiert.
In der Lehrwerkstatt der traditionsreichen Friedrich-Wilhelms-Hütte ist die - wie Sie gleich sehen werden - gelungene und wirklich schöne Tafel entwickelt und gegossen worden.
Das Rhein-Ruhr-Zentrum hat mit der bekannten Energie und Verbundenheit zu Mülheim die Planungen tatkräftig und auch finanziell unterstützt.
Ihnen - all´ diesen Akteuren - danke ich sehr herzlich.
Zeigt dieses Projekt doch, dass in Mülheim eine große Verbundenheit von Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen zu ihrer Stadt besteht und auch eine große Bereitschaft sich ehrenamtlich für unsere Stadt zu engagieren.
Ich bin zuversichtlich, dass gemeinsam noch Einiges bewegt werden kann.
Um die Bergbautradition in Mülheim aktiv zu pflegen und für die nachfolgenden Generationen lebendig zu halten wird heute mit Ihrer Hilfe ein notwendiger Schritt getan und eine sichtbare Marke im Stadtbild gesetzt.
Wenn zum Beispiel unsere Schülerinnen und Schüler einmal anhand dieser Tafeln auf den Spuren des Bergbaus wandeln, so haben Sie alle daran einen Anteil, dass diese praktische Heimatkunde realisiert werden konnte.
Damit dies bald möglich wird, möchte ich nun im Sinne der Pflege und Förderung des Andenkens an den Bergbau in unserer Stadt der Bürgerschaft die erste Tafel übergeben...
und mich bei Ihnen allen für Ihre Unterstützung des Projektes bedanken... .Glückauf!"

Kontakt


Stand: 19.01.2004

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