Archiv-Beitrag vom 27.01.2009"Theaterdrang" - Theater ist Bildung

Schulen und Theater vereinbaren enge Kooperation


Das Projekt "Theaterdrang" - eine Initiative der Stadt Mülheim an der Ruhr, Mülheimer Schulen und des Theater an der Ruhr - soll die Zusammenarbeit von Schule und Theater im Sinne eines gemeinsam verstandenen Auftrags zur kulturellen Bildung vertiefen. Zur Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarungen trafen sich jetzt die SchulleiterInnen der Karl-Ziegler-Schule, der Gustav-Heinemann-Gesamtschule, der Luisenschule und der Realschule Broich gemeinsam mit der Geschäftsleitung des Theater an der Ruhr und dem Kulturdezernenten der Stadt Mülheim, Peter Vermeulen, im Büro der Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld.


Gründung des Theaterpädagogischen Projektes Theaterdrang. Kooperation von Schule und Theater. 26.01.2009 Foto: Walter Schernstein

(Foto: Walter Schernstein)


Schülerkulturtage, Theaterbesuche von Schulen und eigene Proben in den Schulen gibt es in Mülheim an der Ruhr im Rahmen von Zusammenarbeit zwischen den Schulen und dem Theater an der Ruhr schon lange. Doch Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld hat sich durch das Osnabrücker Vorbild "Theaterzwang" ermuntern und vom Geschäftsführer des Theater an der Ruhr, Sven Schlötcke, überzeugen lassen, das Projekt "Theaterdrang", auch in Mülheim an der Ruhr fest zu verankern. Ihre Vision: Allen Mülheimer Schülerinnen und Schülern den Zugang zum Theater zu ermöglichen.

Zunächst wird das Theaterpädagogische Projekt "Theaterdrang" mit vier weiterführenden Mülheimer Schulen durchgeführt: Gustav-Heinemann-Gesamtschule, Karl-Ziegler-Schule, Luisenschule und Realschule Broich. Mühlenfeld: "Ich finde es besonders schön, dass die SchulleiterInnen sich für die Unterzeichnung der Projektvereinbarungen zur Verfügung gestellt haben"

Ziel der Vereinbarung zum Projekt "Theaterdrang" ist es, den Schülerinnen und Schülern den Zugang zum Theater zu erleichtern, sowie Blicke hinter die Kulissen zu gewähren. Das Theater an der Ruhr entwickelt Angebote, die die altersspezifische Entwicklung der Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 12 berücksichtigen und im Sinne der Wahrnehmung an Stoffe und Ästhetiken des Theaters heranführen. Auf diese Weise sollen Sprach-, Wahrnehmungs- und Kommunikationskompetenzen gefördert werden. Jeder Schüler sollte wenigstens einmal im Jahr das Theater besuchen. So wird ein tieferes Verständnis für Theater und Gesellschaft entwickelt und ein Beitrag zur kulturellen Bildung geleistet. Teilnehmen können alle Schülerinnen und Schüler sowie die betreuenden Lehrerinnen und Lehrer der Klassen 5 bis 12.

Der Schlussbericht der Enquetekommission des Deutschen Bundestages "Kultur in Deutschland" vom Dezember 2007 empfiehlt, so Sven Schlötcke, das "Theaterspiel muss als selbstverständlicher Bestandteil der kulturellen Kinder- und Jugendbildung in Deutschland allen Heranwachsenden offen stehen und wohnortnahe zugänglich sein."

Das Theater an der Ruhr baut ab September 2008 daher einen spezifischen Spielplan für ein junges Publikum auf. Die Inszenierungen orientieren sich an der Lebenssituation der Schülerinnen und Schüler, greifen Stoffe auf, die Gegenstand schulischer Inhalte sind oder thematisieren wesentliche Fragen des Verhältnisses Individuum/Gesellschaft.

Die Inszenierung "Chatroom" von Enda Walsh bildete den Auftakt zu der Reihe von Inszenierungen für Jugendliche. Weitere Inszenierungen: "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" nach dem Roman von Robert Musil oder "TE fällt auf die welt" - eine Kunstaktion in der die vielfach prämierte Schauspielerin Anne Tismer gemeinsam mit Mülheimer Schülerinnen die Grenzbereiche des Theaters auslotet. Im Kollektiv entwickelten sie Text und die Ausstattung und standen gemeinsam auf der Bühne.

Durch die Inszenierung "Dantons Tod" wurde beispielsweise in zahlreichen Spielwerkstätten bereits einer Vielzahl von Schülerinnen und Schülern der Hintergrund dieser komplexen Inszenierung vermittelt. Eine gute Vorbereitung auf das Zentralabitur.
Theaterpädagoge Bernhard Deutsch kommt gerne in die Klassen, um die Vor- und Nachbereitung im Unterricht gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern durchzuführen. "Einige der Schülerinnen und Schüler sagten beispielsweise nach der Aufführung "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß", da muss morgen erstmal der Theaterpädagoge kommen", so Wolfgang Dahmen, Schulleiter der Realschule Broich.

Dass die Verbindung zwischen Theater und Gustav-Heinemann-Schule schon seit 1988 besteht, daran erinnerte Schulleiterin Christa van Berend. Der erste Kooperationsvertrag wurde 2004 unterschrieben. Von der Erweiterung erhofft sie sich, "dass alle unsere Schülerinnen und Schüler ins Theater gehen können und dass wir jetzt die Möglichkeit haben, Themen besser abzusprechen." Die Gustav-Heinemann-Schule hat bereits fest im Lehrplan das Fach "Darstellen und Gestalten" verankert. Die Schülerinnen und Schüler zum Theater zu drängen, sie heranzuführen und nicht zu zwingen sei für sie vorrangigstes Ziel. Das unterscheide das Projekt vom Osnabrücker Vorbild.

Und für Werner Andorfer, Leiter des Karl-Ziegler-Gymnasiums steht fest: "Wenn nicht die Schülerinnen und Schüler schon früh durch die Schule an das Theater herangeführt werden, dann gehen sie auch später nicht mehr hin."

Wie man Theaterarbeit in den Schulen besser verankern kann, darüber hat sich ebenfalls Kulturdezernent Peter Vermeulen Gedanken gemacht. "Wir brauchen feste Vereinbarungen zwischen Theater und Schulen, damit sich das Projekt entwickeln kann." Mülheim sei ein Bildungsstandort und Einrichtungen wie das Theater an der Ruhr zu fördern sei als Bestandteil kultureller Bildung ein großes Anliegen der Stadt Mülheim an der Ruhr.

Und für Helmut Schäfer vom Theater an der Ruhr war das jetzige Treffen zwischen Theater und Schule nicht selbstverständlich. Dass die Verbindung zwischen beiden Bereichen sich selbst organisiert habe, sei von hohem Wert "in Zeiten immer brüchiger werdender Kommunikation." Das Interesse der Schülerinnen und Schüler an Theater sei durchaus da und substantiell. Lernen in der Auseinandersetzung mit dem "Spielen" und "Schauen", wie zum Beispiel in den Workshops mit den Theaterpädagogen des Theater an der Ruhr.


Um die Zusammenarbeit bereits im Vorfeld zu vertiefen wird künftig zwischen dem Theater an der Ruhr und den Schulen ein Dialog über Themen und Inhalte zwischen Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern und Theater ermöglicht, der Impulse für Projekte geben kann. Das Theater an der Ruhr wird darüber hinaus im Rahmen seiner Möglichkeiten die aktive Theaterarbeit an den kooperierenden Schulen unterstützen.

 

Organisatorisches:

Aufgrund der zur Verfügung stehenden Kapazitäten des Theater an der Ruhr wird nur eine begrenzte Anzahl von Schulen teilnehmen können. Die Theaterleitung geht derzeit von maximal 8 Schulen aus, die in der Reihenfolge der Anmeldungen für dieses Projekt aufgenommen werden.

Kontakt:

Theater an der Ruhr
Akazienallee 61
45478 Mülheim an der Ruhr
Telefon: 02 08 / 5 99 01 88
www.theater-an-der-ruhr.de 

Kontakt


Stand: 27.01.2009

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