Archiv-Beitrag vom 08.06.2009U-25 Konferenz in der Stadthalle

Kommunale Steuerung im Übergang Schule-Beruf


30 Teilnehmer aus den Bereichen Politik, Stadtverwaltung, Wirtschaft und Bildung folgten dieser Tage der Einladung von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld in den Festsaal der Stadthalle zur dritten U25-Konferenz.

In ihren einleitenden Worten lobte die Oberbürgermeisterin die positive Arbeit im Netzwerk, das aus Schulen, Akteuren des Übergangssystems und Arbeitgebervertretern besteht. Positiv zu werten sei insbesondere die gestiegene Quote der in Ausbildung vermittelten Hauptschulabgänger von 15% auf 30%. „Dank der guten Arbeit der Kompetenzagentur an den Hauptschulen konnte die Vermittlungsquote von Hauptschülern und -schülerinnen in Ausbildung im Vergleich zum letzten Schulabgang des Vorjahres verdoppelt werden!“, so Dagmar Mühlenfeld. Ein Erfolg der Kompetenzagentur Mülheim und der Kommunalen Steuerung im Übergang Schule-Beruf.

Neben der Etablierung der Steuerungsgruppe mit je einem Vertreter der wichtigsten Mülheimer Akteure im Bereich des Übergangs Schule-Beruf und des kommunalen Beirats Schule-Beruf, zu dem alle interessierten Akteure eingeladen sind, wurde als erster wichtiger Bestandteil 2007 die Kompetenzagentur an den Hauptschulen ins Leben gerufen. Seitdem werden die Schüler im Abgangsjahr intensiv und ganz individuell beraten, unterstützt und auf den Weg in eine Berufsausbildung begleitet.
Das gleiche Prinzip verfolgten an den Gesamtschulen im Schuljahr 2007/2008 auch die Mitarbeiter des Projektes „EinTopf“, das im Schuljahr 2009/2010 durch „Xenos“ fortgeführt wird.
Seit Januar erfahren zudem Schüler der Berufskollegs die Unterstützung der Kompetenzagentur.

Neben verschiedenen Projekten, die durch die Schulen direkt beantragt wurden (wie z.B. die sog. „Berufsorientierungsbüros“) sind seit Februar 2009 die „Berufseinstiegsbegleiter“ der Agentur für Arbeit an zwei Mülheimer Hauptschulen aktiv.

Neu hinzu gekommen ist im März 2009 das Projekt „Jobstarter“, welches zum Ziel hat, neue Ausbildungsplätze für Mülheimer Jugendliche zu akquirieren.
Seit November 2008 wird das Netzwerk durch das Projekt „Perspektive Berufsabschluss“ verstärkt, das vorrangig die Vernetzung und Datenerhebung im Übergang Schule-Beruf voranbringen soll.

Weitere Projekte zur Förderung von Schülern und Schulabgängern sind in Planung. Die Planungskoordination zur Kommunalen Steuerung im Übergang Schule-Beruf in Mülheim liegt beim U 25-Team um Brita Russack (Sozialamt) und Oliver Decka (Schulamt). Das Team arbeitet bereits gemeinsam mit den Akteuren an offenen Themen wie „Perspektiven für Förderschüler“, „Schulverweigerer“ oder „Migranten“, die im September 2009 das Projekt „Xenos“ in den Blick nimmt – an einem Strang für die Zukunft der Mülheimer Schülerinnen und Schüler!

 


 


Stimmen einzelner Akteure aus dem Übergang Schule-Beruf auf der U-25 Konferenz:

Hans Michaelsen, IHK, begrüßte die von Erfolg gekrönte Netzwerkarbeit. Die Quote von 30% der in Ausbildung vermittelten Hauptschulabgänger sei nicht selbstverständlich und deutlich besser als in Essen, Oberhausen und vielen anderen Städten. „Diesen Erfolg verdankt man maßgeblich drei Personen: Brita Russack und Oliver Decka als Koordinatoren der kommunalen Steuerung sowie der Oberbürgermeisterin, die die Netzwerkarbeit glaubwürdig leisten bzw. die als politische Spitze die entscheidende Unterstützung bietet.“, so Michaelsen. Er warb daher für eine innerstädtische Vermarktung der erfolgreichen Umsetzung ebenso wie für eine Vermarktung auf Landesebene.

Heinrich Lehnert, Leiter der Agentur für Arbeit Oberhausen, betonte die gute Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern im Team U25 und der Berufsberatung ausdrücklich. Das Merkmal, an dem man die Erfolge messen kann sei vor allem der trotz Wirtschaftskrise gesunkene Teil der unversorgten Bewerber: von den 944 Bewerbern in Mülheim sind aktuell noch 403 ohne Ausbildungsplatz. Das sind 118 weniger als im Mai 2008.

Uwe Metscher, Leiter des Berufskollegs Lehnerstraße, begrüßte die Arbeit der Kompetenzagentur allgemein und an seinem Berufskolleg insbesondere. Von den 550 Berufsfachschülern, die keiner Berufsausbildung nachgehen, werden etwa 300 jetzt einen allgemein bildenden Abschluss erwerben. 70 der verbleibenden 250 zum Teil unentschlossenen jungen Menschen, werden seit Januar durch die beiden Mitarbeiter  der Kompetenzagentur betreut. „Die Kompetenzagentur ist somit einerseits der Königsweg in der Unterstützung unentschlossener Jugendlicher, andererseits stellt sie einen Befreiungsschlag für die Lehrerinnen und Lehrer dar, die diese Form der Begleitung nicht gewährleisten können, wohl aber den Bedarf unmittelbar vor Augen haben.“, so Metscher.

Als vierte Rednerin an diesem Nachmittag äußerte sich Cornelia Bethmann-Birg, Berufswahlkoordinatorin an der Willy-Brandt-Gesamtschule, ebenfalls positiv zum Konzept der Kompetenzagentur. Die Arbeit lasse sich sehr gut in das Berufswahlorientierungskonzept der Schule integrieren und sei auch nur dann effektiv. „Zudem werden die Eltern in die Berufswahlangebote der Schule und somit in die Arbeit der Kompetenzagentur eingebunden. Dadurch öffnen sich die Strukturen der Berufswahlvorbereitung auch den oftmals wichtigsten Ansprechpartnern für Jugendliche.“, so die Berufswahlkoordinatorin in ihrer Rede weiter.

Elisabeth Schulte, Geschäftsführerin bei der UnternehmervergandsGruppe e.V., ergänzte in der anschließenden offenen Diskussion die positiven Rückmeldung der Akteure. Sie verwies auf die seit 1999 bestehende Tradition der sehr guten Zusammenarbeit zwischen der UnternehmerverbandsGruppe und der Stadt Mülheim an der Ruhr. Sie bestätigte auch noch einmal die tatkräftige Arbeit im Netzwerk: „Es wird nicht nur geredet, es wird auch gehandelt!“

Die Problematik bezüglich der Vermittlung von Förderschulen in Ausbildung war ein weiteres Thema, das in der Diskussion angesprochen wurde. Hans Michaelsen machte darauf aufmerksam, dass es unter denjenigen Förderschülern mit einer Lernbehinderung viele gibt, die gut in eine Ausbildung gehen könnten. Viele Betriebe hätten nur Angst vor den Schwierigkeiten, die mit solchen Schulabgängern einhergehen können. „Denkbar wäre es, spezielle Ansprechpartner einzusetzen, die die Jugendlichen in der Ausbildung begleiten und an die sich die Ausbilder jederzeit wenden können. So würden sich die Betriebe sicherer im Umgang mit diesem Klientel fühlen.“, so Michaelsen.

Die Frage nach der speziellen Unterstützung für Jugendliche mit Migrationshintergrund wurde dahingehend beantwortet, dass niemand „gesondert“ behandelt wird. Jeder Jugendliche werde nach seinem individuellen Bedarf gefördert – dies schließe die Berücksichtigung eines besonderen kulturellen Hintergrundes mit ein. Durch „Xenos“ wird ab September 2009 noch einmal ein Projekt etabliert, welches auch besonders die Migranten in den Blick nimmt.

 

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Stand: 08.06.2009

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