Über 200 Interessierte diskutierten mit OB Dagmar Mühlenfeld über Siegermodell

"Wenn ich an der Ruhr stehe, möchte ich in der Stadt sein," fasste Landschaftsarchitekt Markus Gnüchtel die Aufgabe des städtebaulichen Wettbewerbs in Mülheim zusammen. Mit seinem Partner Matthias Pfeifer vom Düsseldorfer Architektenbüro Rhode Kellermann Wawrowsky (RKW) stellte er den Siegerentwurf der Öffentlichkeit vor.

Über 200 Bürger und Bürgerinnen nutzen anschließend im Stadtbad die Gelegenheit zur Diskussion mit den Gewinnern, Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld und Baudezernentin Helga Sander. "Es ist normal und sogar wünschenswert, wenn solch große Veränderungen, wie sie Ruhrbania für unsere Stadt bringen wird, Bedenken und Widerspruch in der Bevölkerung hervorrufen", ermunterte Oberbürgermeisterin Mühlenfeld die Gäste im Stadtbad, ihre Meinungen kund zu tun. Das Stadtoberhaupt erinnerte an die Zeit, als die Planungen der MüGa heftige Proteste der Mülheimer und Mülheimerinnen hervor riefen. "Heute sind die Skeptiker und Gegner von damals voll des Lobes für dieses Projekt", sagte die Oberbürgermeisterin.

Fotos: Walter Schernstein

Wenn Mülheim seine unlängst von der "Wirtschaftswoche" prämierte Stelle als Stadt mit der höchsten Lebensqualität im Ruhrgebiet behalten wolle, müsse man sich anstrengen. "Stillstand ist Rückschritt", griff Mühlenfeld das Stichwort von Moderator Stefan Leiwen auf. Mit Bildern der Ruhrstraße aus den 40er und 50er Jahren stimmten die Organisatoren die Besucher und Besucherinnen auf die Diskussion über das geplante neue Stadtquartier entlang der Ruhr ein. "Wir wollen die bereits vorhandenen Elemente am Ruhrufer und der Ruhrstraße neu und zukunftsfähig interpretieren", so OB Mühlenfeld. Das garantiere der Siegerentwurf. Dieser bringe die Stadt ans Wasser, nicht das Wasser in die Stadt, machte Baudezernentin Helga Sander deutlich. Und genau das sei Aufgabe des Wettbewerbs gewesen. Sander erläuterte noch einmal, warum die Stadt sich im Juli 2003 zur Ausschreibung eines städtebaulichen Wettbewerbs entschieden habe. "Es ist der beste Weg zu baukultureller Qualität." Die Baudezernentin betonte, dass mit dem neuen Quartier am Fluss keine Schwächung des Einzelhandels in der Innenstadt einhergehe. Im Gegenteil: "Wir wollen Frequenz, nicht Konkurrenz für unsere Innenstadt schaffen." Auch auf den Verkehr ging Helga Sander in groben Zügen ein. Sie wies darauf hin, dass die Friedrich-Ebert-Straße zukünftig in beide Richtungen befahrbar sei und das neue Quartier durch Stichstraßen erreichbar sein werde. Vor dem Kaufhof wird eine zentrale Haltestelle für den ÖPNV entstehen. Parkplatzprobleme werde es nicht geben, so Sander. Die neu zu errichtenden Häuser verfügten über Tiefgaragen, auf den Straßen würden Kurzzeit-Parkplätze eingerichtet. Architekt Matthias Pfeifer und Landschaftsarchitekt Markus Gnüchtel stellten anschließend im Stadtbad ihr Siegermodell vor. Sie machten deutlich, dass die in ihren Plänen eingezeichneten "Gebäude" nur Platzhalter für die noch zu entwickelnde Architektur seien. Die Marina soll nach ihren Vorstellungen zudem kein Hafen für die Segelboote der Elite, sondern ein Treffpunkt für Familien werden. Die Architekten betonten, mit ihrem prämierten Entwurf nur das Grundkonzept für die Neugestaltung der Ruhrpromenade und des angrenzenden Stadtquartiers geschaffen zu haben. Nun müsse es an die Verfeinerung ihres Konzeptes gehen. Trotz aller Freiräume bei der zukünftigen Gestaltung sei eines aber wichtig: "Stadträume brauchen Dichte", so Pfeifer. Die Sorge der Bürger und Bürgerinnen, dass die Gebäude zu nahe am Fluss angesiedelt werden und dadurch die Grünanlage verdrängt werde, wollten sie deshalb nicht gelten lassen. Immerhin werde die Promenade 20 bis 25 Meter breit sein. Das MüGa-Gelände auf der anderen Flussseite trage dazu bei, dass es im innerstädtischen Bereich genügend Grün gebe. Die alten, strukturgebenden Bäume an der Ruhr sollen nach ihren Vorstellungen übrigens nicht abgeholzt, sondern in die Neugestaltung einbezogen werden. Nach den Experten hatten die Mülheimer und Mülheimerinnen das Wort. Sie gaben den Planern viele gute Ideen mit auf den Weg. So sollen die Radfahrer und Skater bei der Gestaltung nicht vergessen werden. Die Verkehrs- und Parksituation im neuen Quartier soll intensiv geprüft und optimal gestaltet, die Bebauung mit massiven Häuserblocks und einförmigen Fassaden vermieden werden. Einen Durchgang im Bereich des Kaufhofs befürworteten die Gäste ebenso wie den Erhalt von möglichst viel Grün. Ob riesiger Springbrunnen oder kleines Hafenbecken – eines wurde deutlich: Die Mülheimer und Mülheimerinnen wollen mehr Wasser in ihrer Stadt. Am 8. Juli soll das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs vom Rat der Stadt Mülheim als planerische Grundlage für die Entwicklung des neuen Stadtquartiers beschlossen werden. Im Vorfeld wird der Architektenentwurf unter anderem in fünf Workshops, in denen Politiker, Investoren und Fachleute mitarbeiten, diskutiert. Die Bürger und Bürgerinnen können ihre Vorschläge und Anregungen in der Bürgeragentur in der Schloßstraße abgeben. Dort wird eine "Mitmach-Box" aufgestellt. Alle Ideen werden in die Expertengespräche eingebracht und beraten.

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Stand: 22.04.2004

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