Archiv-Beitrag vom 25.06.2009Verkehrsunternehmen im Ruhrgebiet rücken zusammen

Die Stadträte von Mülheim an der Ruhr, Duisburg und Essen haben die städteübergreifende Nahverkehrskooperation mit Ratsbeschlüssen besiegelt. Unter dem Arbeitstitel rhein ruhr partner-Verkehr wird ein neues Verkehrsdienstleistungsunternehmen mit ca. 3.400 MitarbeiterInnen entstehen, in dem das operative Nahverkehrsgeschäft der drei Unternehmen DVG, EVAG und MVG für ca. 1,25 Millionen Einwohner gebündelt wird und täglich rund 583.000 Fahrgäste befördert werden. Die neue gemeinsame, als GmbH geführte Tochtergesellschaft mit Betriebsstätten in Duisburg und Mülheim an der Ruhr, wird ihren Sitz in Essen haben und Mitte nächsten Jahres das operative Geschäft aufnehmen.

Die Verkehrsbetriebe von Essen, Mülheim und Duisburg (EVAG, MVG und DVG) gründen eine gemeinsame Verkehrsgesellschaft in die sie ab Mitte 2010 ihr operatives Geschäft und das Personal dort einbringen. Stadthalle. 25.06.2009Foto: Walter Schernstein

Freuen sich über die Zusammenarbeit: Verwaltungsspitzen, Aufsichträte und Geschäftsführer aus dem drei Städten 

Fotos: Walter Schernstein 

Die Ziele der Zusammenführung lauten: Die vorhandene Qualität des ÖPNV-Angebotes für die Kunden zu erhalten und im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten zu verbessern. Dabei sollen die Wirtschaftlichkeit für jede der drei Städte weiter optimiert und die Beschäftigungsverhältnisse in den Verkehrsunternehmen nachhaltig gesichert werden. Als Grundlage für die weitere Verbesserung der Wirtschaftlichkeit dienen die bereits begonnenen Restrukturierungsprogramme von DVG, EVAG und MVG. Zusammen streben die drei Unternehmen eine nachhaltige strukturelle Ergebnisverbesserung von ca. 28,0 Millionen Euro pro Jahr an. Die bereits umgesetzten Maßnahmen waren erfolgreich, wie die Ergebnisentwicklung der drei Gesellschaften im Geschäftsjahr 2008 unterstreicht. Mit rrp-Verkehr sollen längerfristig weitere rund 10 Millionen Euro Einsparpotenzial verwirklicht werden. Zu den wirtschaftlichen Effekten von rrp-Verkehr nahm Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland Stellung: "Sehr wahrscheinlich werden die zur Verfügung stehenden öffentlichen Finanzmittel für den ÖPNV langfristig erkennbar zurückgehen und es ist weiterhin mit strengen Ergebnisvorgaben in allen drei Kommunen zu rechnen. Im Rahmen der Daseinsvorsorge ist es Aufgabe von Essen, Duisburg und Mülheim an der Ruhr, die Mobilität ihrer Bürger durch ein quantitativ und qualitativ attraktives Nahverkehrsangebot zu gewährleisten. 

Die Gründung der gemeinsamen Gesellschaft ist richtig, denn alle bei rrp-Verkehr erzielten Effekte entlasten die kommunalen Haushalte der drei Städte und schaffen finanzielle Spielräume für den Nahverkehr."

Konkrete wirtschaftliche Effekte erläuterte Friedhelm Krause, Aufsichtsratsvorsitzender der EVAG: "Das neue gemeinsame Unternehmen wird allein durch seine Größe eine deutlich gestärkte Rolle im Beschaffungsmarkt einnehmen, denn die Bündelung von Investitionsvorhaben und Auftragsvergaben führt zu größeren Bestelleinheiten. Die Standardisierung von technischen Produkten und Prozessen in allen Bereichen sowie die Möglichkeit Werkstätten, Lager- und Instandhaltung zu vereinheitlichen, führt zu nachhaltiger Kostensenkung."

Simone Raskob, Umwelt- und Baudezernentin der Stadt Essen betonte die qualitative Perspektive von rrp-Verkehr: "Der öffentliche Nahverkehr ist ein entscheidender Standortfaktor für unseren Wirtschaftsraum und prägt die großstädtische Wohn- und Lebensqualität. Deshalb müssen die Nahverkehrsangebote aufeinander abgestimmt werden. Nahverkehrsplanung kann nicht an den Stadtgrenzen aufhören, sondern es müssen die wachsenden Mobilitätsbedürfnisse der Bürger dieser Region zu Grunde gelegt werden. Kundenzufriedenheit, Sicherheit und Zuverlässigkeit sind Maßstäbe, an denen die Qualität des Nahverkehrs gemessen wird. rrp-Verkehr öffnet Spielräume für eine Qualitätsverbesserung."

Rolf Mühlenfeld, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der MVG, benannte konkrete Maßnahmen in punkto Nahverkehrsqualität: "Gemeinsam werden zum Beispiel die Beschleunigungsmaßnahmen einzelner Linien, die Modernisierung von
Haltestellen (‑Standards), die Vereinheitlichung von Fahrgastinformationen und der Ausbau der Verkehrs-, Service- und Sicherheitsleistungen im Bedienungsgebiet effektiver durchgeführt. rrp-Verkehr steht für eine Standardisierung technischer Systeme. Das erhöht den Nutzen für die Fahrgäste, reduziert die Kosten und baut Zugangshemmnisse und Eintrittsbarrieren ab."

Die Verkehrsbetriebe von Essen, Mülheim und Duisburg (EVAG, MVG und DVG) gründen eine gemeinsame Verkehrsgesellschaft in die sie ab Mitte 2010 ihr operatives Geschäft und das Personal dort einbringen. Stadthalle. 25.06.2009Foto: Walter Schernstein-

 

Mit der rhein ruhr partner-Verkehr wird konsequent der kommunale Weg beschritten und interkommunales Handeln gelebt und gestärkt. Dagmar Mühlenfeld, Oberbürgermeisterin von Mülheim an der Ruhr (Bildmitte) betonte: "Mit rrp-Verkehr stellen wir dauerhaft den unmittelbaren Einfluss der Städte auf ihren ÖPNV sicher. Ziel ist es, den gestalterischen Zugriff der Lokalpolitik und der Stadtverwaltungen auf die Unternehmensgeschicke zu gewähren, um sicher zustellen, dass Stadtent-wicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung als Handlungsfelder der politischen Willensbildung gewährleistet bleiben. Ich bin der Überzeugung, dass ein guter leistungsfähiger Nahverkehr am besten von den Kommunen sichergestellt werden kann."

Volker Mosblech, Aufsichtsratsvorsitzender der DVG hob die Vorbildfunktion von rrp-Verkehr für die Branche hervor: "Bereits in der Vergangenheit sind kommunale Grenzen überwunden worden, um größere, effektivere und produktivere Einheiten zu bilden. Beispiel dafür sind die IHK zu Mülheim, Essen und Oberhausen oder die Zusammenlegung der Polizei von Essen und Mülheim an der Ruhr oder die Universitäten Essen und Duisburg. Für den Nahverkehr ist die interkommunale Zusammenarbeit mit drei Unternehmen in einer gemeinsamen Regionalgesellschaft ein Quantensprung und zeigt die Reformfähigkeit von Kommunalgesellschaften aus eigener Kraft."

Alle drei Aufsichtsräte betonten unisono die Bedeutung der Ratsbeschlüsse für die 3.400 MitarbeiterInnen der drei Unternehmen und sprachen ihnen zudem ein großes Lob aus. Die Gewissheit, einen sicheren Arbeitsplatz bei einer der größten Verkehrsgesellschaften im Ruhrgebiet zu haben, unterstützt hoffentlich die weitere Umsetzung. Die MitarbeiterInnen seien aufgerufen, den Prozess weiter so konstruktiv zu begleiten und offen zu sein für die Veränderungen in einem neuen Unternehmen, mit neuen Organisationsstrukturen und teilweise neuen beruflichen Aufgaben.

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Stand: 01.07.2009

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