Archiv-Beitrag vom 01.12.2008Neue "Stolpersteine" erinnern an Opfer des NS-Regimes

Eine Aktion der MIT - Mülheimer Initiative für Toleranz

 

Gunther Demnig bei der Verlegung der ersten Mülheimer Stolpersteine am 18. Dezember 2004

Nachdem  die  Realschule  Stadtmitte im Jahre 2004 begonnen hatte, in der Erinnerung an ehemalige Schülerinnen und Schüler dieser Schule gemeinsam mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig die von ihm entwickelten "Stolpersteine" zu verlegen, hat es die MITMülheimer Initiative für Toleranz übernommen, diese wichtige Aufgabe zur Aufbereitung eines wesentlichen Teiles unserer Stadtgeschichte fortzuführen.

Jetzt wurden von Gunter Demnig weitere 16 dieser "Stolpersteine" an 7 Orten in unserer Stadt verlegt.

 


 

Auch Angehörige aus Jerusalem nahmen an der Verlegung teil


 

Mit diesen Steinen soll an Opfer des NS-Regimes erinnert werden. Sie werden nach Möglichkeit an einem Ort verlegt, zu dem die Opfer in einer persönlichen Beziehung standen. So zum Beispiel in der Bürgerstraße. Dort wohnten Emanuel und Betty Brender, ein jüdisches Ehepaar.

Emanuel Brender war Kaufmann. Seine Kinder besuchten das Staatliche Gymnasium und waren in Sportvereinen aktiv. Doch dann kam das Jahr 1933: Die Nazis übernahmen die Macht. Der jüngste Sohn der Brenders, Karl, durfte wegen seiner jüdischen Herkunft nicht mehr das Gymnasium besuchen. Er zog rechtzeitig die Konsequenz und emigrierte 1934 nach Palästina. Seine älteren Geschwister Siegfried und Margarete folgten ihm zwei Jahre später. Doch die Eltern zögerten. Als sie zur Auswanderung bereit waren, war es zu spät: Am 27. Oktober 1941 wurde das Ehepaar nach Litzmannstadt deportiert. Emanuel erlitt einen Herzinfarkt, seine Frau wurde nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Zur Velegung der "Brender-Stolpersteine" ist extra Adi Halfan aus Israel mit ihrer Tochter angereist. Emmanuel und Betty Brender haben insgesamt sieben Enkel, 18 Urenkel und vier Ururenkel. „Und es kommen hoffentlich noch einige dazu. Die ganze Familie dankt für diese Geste”, erklärt Yael Halfan. „Das ist ein gutes Zeichen: die Zukunft ist offen”, hob der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Jacques Marx, hervor.

 


 

Mülheimer Familien können sich beteiligen

 


 

Bürgermeisterin Renate aus der Beek war ebenfalls bei der jetzigen Verlegung mit dabei. Sie begleitet die "Aktion Stolpersteine" seit der Verlegung des ersten Stolpersteines am 18. Dezember 2004 und ist seither bewegt von den Geschichten "hinter den Steinen". "Der Arbeitskreis hat sich Gedanken gemacht, wie diejenige oder derjenige gelebt hat", so aus der Beek. So sind beispielsweise Verwaltungsangestellte, Polizisten, Behinderte oder Offiziere unter den - nicht nur jüdischen - Opfern. Der Arbeitskreis hat die gesamte Bandbreite beleuchtet und gedenkt im Besonderen den Menschen, die zur "falschen Zeit am falschen Ort" waren.

Sie dankte insbesondere dem "Motor" der Aktion, Friedrich-Wilhelm von Gehlen, Geschäftsführer der MIT und Jens Roepstorff, der im Stadtarchiv die "Stolpersteine" begleitet und Recherchen durchführt, ganz herzlich. Sie hätten durch ihre Aktion den "Opfern ein Gesicht gegeben".

Gerne können sich weitere Mülheimer Familien bei der "Aktion Stolpersteine" melden. Es besteht die Möglichkeit eigenen Familienmitgliedern, Nachbarn und/oder Freunden ein Denkmal zu setzen. Ein Stein kostet 95,- Euro und behinhaltet nicht nur die Arbeit des Künstlers sondern auch die Verlegung an Ort und Stelle.

In den Mülheimer Schulen ist es - dank der von der Sparkasse Mülheim an der Ruhr gestifteten Dokumentationen - mittlerweile Projekthema. "Da in der Regel der Nationalsozialismus nur Deutschland- und nicht Mülheimbezogen im Unterricht behandelt wird, werden durch die "Stolperstein-Dokumentenmappen" verstärkt Projekte und Recherchen zu ehemaligen Mülheimer Schülerinnen und Schülern durchgeführt-",so Jens Roepstorff. Die Luisenschule und die Otto-Pankok-Schule haben sich beispielsweise bereits auf Opfersuche begeben und Stolpersteine in Auftrag gegeben.

Darüber hinaus hat der Jugendstadtrat einen Stein für ein 15-jähriges Mädchen gestiftet, der ebenfalls jetzt im Rahmen der Aktion verlegt wurde.

 


 

Paten für die "Stolpersteine" gesucht

 


 

Gesucht werden ferner Paten für die "Stolpersteine", die sich um die Pflege kümmern. Vorreiter ist hier die Realschule Mellinghofer Straße, die mit ihren Schülerinnen und Schülern bereits Pflegepatenschaften übernommen hat. Dafür gebührt ihnen im Rahmen einer gesonderten Aktion der Dank der Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld.

 

Weitere Informationen zu den "Stolpersteinen" und der Verlegeaktion!

 Mülheimer Stolpersteine – Stadtgeschichte zur Zeit des Nationalsozialismus

Folgende "Stolpersteine" wurden jetzt verlegt

 

Am Rosenkamp (Familie Rosenbaum)

Falkstraße 17 (Eleonore Kaiser)

Bürgerstraße 3 (Eheleute Brender)

Friedrichstraße 9 (Familie Brav und Hermann Meynen)

Bülowstraße 198 (Wilhelm Bross)

Duisburger Straße 87 (Familie Saß, 3 Steine)

Wedauer Straße 30 (Otto Gaudig).

 

Am 2. April 2009 ist eine weitere Verlegung durch Gunter Demnig in Mülheim an der Ruhr geplant.

 

 

Kontakt


Stand: 08.12.2008

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