Verleihung des Ruhrpreises 2009

Rede von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld

zur Verleihung des Ruhrpreises 2009

am Sonntag, 22. August 10, 11 Uhr,

Sparkasse, Kundenhalle

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 Sehr geehrte Herren und Damen,

herzlich willkommen zur Verleihung des Ruhrpreises 2009 hier in der Kundenhalle unserer Sparkasse. Ich freue mich sehr, Sie alle trotz der Sommerferien zu diesem für die Stadt Mülheim an der Ruhr, für die Kultur und Wissenschaft so wichtigen Anlass begrüßen zu dürfen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt heute natürlich unserem Ehrengast, also Ihnen, sehr geehrter Herr Professor Schmitz. Mit Ihnen würdigen wir heute eine Person, die unter anderem unsere Stadt mit einem ganz eigenen Blick betrachtet, einen Bürger, der ihr mit seinem Engagement einen persönlichen Stempel aufdrückt. Ich habe die Ehre und Freude, Ihnen auch im Namen des Rates und der Verwaltung der Stadt Mülheim an der Ruhr sehr herzlich zur Auszeichnung mit dem Ruhrpreis 2009 zu gratulieren.

Mit der Vergabe des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft an Professor Heiner Schmitz gilt es, ein Werk auszuzeichnen, das über einen Zeitraum von fast 40 Jahren gewachsen ist und in besonderer Weise die Bereiche der Auftragsfotografie mit den Bereichen freier fotografischer Kunst verknüpft hat.

Das sehr differenzierte Bild des künstlerischen Schaffens von Prof. Heiner Schmitz ist geprägt von seinem aus der Tätigkeit in der Werbung übernommen konzeptionellen Ansatz, sich den unterschiedlichsten Themen inhaltlich zu nähern. Die Charakteristika von Heiner Schmitz‘ Fotografien sind deshalb auch keine rein formalen und ästhetischen Gestaltungsmerkmale.

Bei ihm erfordert jede künstlerische Aussage eine eigene gestalterische und mediale Umsetzung. Diese ist verbunden mit der kreativen Herausforderung an Auge und Kamera, Sehgewohnheiten durch neue Lösungen in ein künstlerisches Licht zu setzen.

Heiner Schmitz will mit seinen Fotografien Angst vor dem Fremden nehmen, für ein Miteinander sensibilisieren, Vorurteile abbauen, Potenziale aufzeigen, Aufbruchstimmung stärken. Ein solch künstlerischer Weg kann auch für uns in der Stadt Vorbild sein.

In seinen fotografischen Serien nehmen Menschen und Orte einen besonderen Stellenwert ein. Das können Flüchtlinge sein, die der Künstler in einem weißen Lichtzelt fotografiert hat oder das kunst- und kulturhistorisch bedeutende Solbad Raffelberg.

In diesem von ihm herausgegebenen Fotobuch zum Solbad legt er - wie auch in seinen anderen Werken - besonderes Gewicht auf Bild/Text-Kombinationen. Entstanden ist so eine eindrucksvolle Erinnerung an eine für viele BürgerInnen liebgewonnene, aber inzwischen verschwundene Erholungseinrichtung in unserer Stadt. An dieser Stelle sage ich nochmals herzlichen Dank dafür, dass uns Prof. Schmitz zahlreiche Exemplare seines „Solbad“-Fotobuches zur Verfügung gestellt hat. Wir haben sie an Menschen weitergegeben, die die schönen Seiten unserer Stadt bereits aus eigener Erfahrung und Ansicht zu schätzen wissen - und an solche, die Mülheim noch entdecken wollen.

Prof. Schmitz versteht sich nicht als ein auf Objektivität gerichteter Dokumentarfotograf. Er versteht sich als Kunstschaffender, der in seinen Werken auch eine politische Aussage zu transportieren sucht.

Er hatte viele Jahre eine Professur an der Fachhochschule Dortmund inne und nahm wiederholt Gastprofessuren, u. a. in China, wahr. Besonders zeichnete ihn dabei aus, dass ihm über die eigentliche Lehrtätigkeit hinaus auch die ideelle Förderung seiner Studierenden und HochschulabsolventInnen ein hohes Anliegen war.

Bis heute bereichert er das künstlerisch-kulturelle Leben in Mülheim an der Ruhr als Gründungsmitglied der Künstlergruppe AnDer und als Vorstandsmitglied des Mülheimer Kunstvereins. Auch hier setzt er sich besonders für Projekte mit jungen Menschen ein.

Prof. Schmitz ist ein überaus engagierter, sich für die Belange der Kunst ebenso wie für die Belange unserer Stadt einsetzender Künstler. Er wirft einen kreativen fotografischen Blick von außen auf die Stadt Mülheim an der Ruhr, bezieht eine künstlerische Position zu ihr, setzt ihre vielfältigen Facetten ins rechte Bild.

Heiner Schmitz ist aber auch immer engagierter Bürger. Er kümmert sich, mischt sich ein, spricht an, ist nicht nur künstlerisch und kulturell engagiert. Er ist der „Citoyen“, der Bürger, der in der Tradition und im Geist der Aufklärung aktiv und eigenverantwortlich am Gemeinwesen teilnimmt und dieses mit gestaltet.

Sehr geehrte Gäste,

bürgerschaftliches Engagement – auch in der Kultur - prägt entscheidend das Leben in unserer Stadt. Es ist unverzichtbar für die Pflege der Kultur, für Erhalt und Fortentwicklung kultureller Werte, gesellschaftliche Integration und zivilgesellschaftliche Demokratisierung.

Das Bild der reichen Kulturlandschaft in Mülheim an der Ruhr mit seinem engen Netz von Kultureinrichtungen wäre undenkbar ohne das bürgerschaftliche Engagement vieler Menschen. Deren Aktivitäten erweitern das Leistungsspektrum kultureller Einrichtungen nachhaltig.

Ihr Engagement trägt dazu bei, dass Angebote bürgernah organisiert sind, dass sich die Identifikation der BürgerInnen mit den Kultureinrichtungen in ihrer Stadt und den Angeboten in ihrem Lebensumfeld erhöht und viele Menschen die Möglichkeit haben, sich am kulturellen Leben aktiv zu beteiligen.

Für die Zukunftsfähigkeit unserer Stadtgesellschaft wird es deshalb von großer Bedeutung sein, dass es trotz des gesellschaftlichen Struktur- und Wertewandels, trotz Entsolidarisierungs- und Individualisierungstendenzen und der mit der Krise des Wohlfahrtsstaates verbundenen weitreichenden gesellschaftlichen Veränderungen und materiellen Probleme gelingt, solches bürgerschaftliche Engagement zu sichern.

Engagement der BürgerInnen für die Kultur wird in der Zukunft noch stärker an Bedeutung gewinnen. Nicht allein aus dem Grund heraus, dass die öffentliche Hand kulturelle Leistungen nicht mehr im gewohnten Umfang vorhalten kann, sondern auch, weil in einer zukunftsfähigen Bürgergesellschaft die BürgerInnen selbst Verantwortung für das kulturelle Leben vor Ort übernehmen wollen. Die diesjährigen öffentlichen Haushaltsforen und das dort gezeigte große Engagement unserer BürgerInnen gerade für kulturelle Einrichtungen haben dies eindrucksvoll gezeigt.

Viele MülheimerInnen wollen sich für Kunst und Kultur engagieren, selber kreativ tätig sein, sich als KünstlerInnen und für KünstlerInnen einsetzen, Spaß haben und etwas in der Stadt oder Gemeinde verwirklichen, in der ihr Lebensmittelpunkt liegt. Gemeinsinn und Eigeninteressen werden verbunden, indem sie etwas für sich und für die Gemeinschaft tun. So entsteht eine neue Qualität des Zusammenlebens.

Die Unterstützung dieses bürgerschaftlichen Engagements von Seiten der Politik und der Verwaltung ist unverzichtbar. Dabei darf es nicht darum gehen, ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement nur zu unterstützen, weil Angebote dann billiger zu erhalten sind, Personalstellen wegrationalisiert und Ressourcen eingespart werden können. Das wäre der verkehrte Ansatz von Kulturpolitik. Bürgerschaftlich Engagierte sind keine Alternative für unzureichende  Finanzmittelausstattung.

Sehr geehrte Herren und Damen,

die KünstlerInnen in Mülheim an der Ruhr sind ein wesentliches Kreativ- und Innovationspotenzial für die Entwicklung unserer Stadt. Sie sind auch, wie wir an Prof. Heiner Schmitz sehen, Motoren bürgerschaftlichen Engagements. Wir brauchen sie notwendiger denn je - und wir brauchen Würdigungen, die unsere Künstler und Wissenschaftler fördern und deren Leistungen öffentlich anerkennen.

Dafür brauchen wir Partner, die uns auch in finanziell schwieriger Zeit in dieser Idee folgen und der Stadt Mülheim an der Ruhr bei der Auslobung der Preisgelder „unter die Arme greifen“. Mit der Sparkasse Mülheim an der Ruhr haben wir seit vielen Jahren einen solchen, dem Gemeinwohl verpflichteten Partner gefunden, dem ich dafür auch bei dieser Gelegenheit Dank sagen möchte und von dem ich hoffe, dass er der gemeinsamen Sache treu bleibt. Ich danke der Sparkasse auch für die Ausrichtung dieser Veranstaltung: Uns allen wünsche ich noch eine würdige Preisverleihung und gute Gespräche im Anschluss.

 

Kontakt


Stand: 19.12.2011

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