Verleihung des Ruhrpreises 2011

Rede von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld

zur Verleihung des 50. Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft

am Sonntag, 11.12.11

Sparkasse

 

***

Meine sehr geehrten Herren und Damen,

ich begrüße Sie herzlich zur Verleihung des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft, dem traditionsreichsten und renommiertesten Preis der Stadt Mülheim an der Ruhr.

Mein ganz besonderer Gruß und Dank geht an die Sparkasse, die uns auch in diesem Jahr in ihrer Kundenhalle diesen festlichen Rahmen ermöglicht und – wie es schon seit vielen Jahren Tradition ist - das Preisgeld gestiftet hat. Und das in diesem Jahr sogar schon zum zweiten Mal!

Ja, wir vergeben den Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft in diesem Jahr tatsächlich zweimal! Am 28. März 2011 haben wir den Bildenden Künstler Klaus Geldmacher und den Naturwissenschaftler Prof. Dr. Ferdi Schüth mit dem Ruhrpreis ausgezeichnet – allerdings für das zurückliegende Jahr 2010, so wie es in den vergangenen Jahren üblich war.

Mit der heutigen Feierstunde und der Übergabe des Ruhrpreises für das Jahr 2011 soll sich das ändern. Künftig soll der Preis immer in dem Jahr übergeben werden, für das er verliehen wird. Das ist uns bisher nur ein einziges Mal gelungen, im Stiftungsjahr 1962.

Voraussetzung für diese Veränderung war, dass das Preisgeld in einem Jahr ein zweites Mal bereit gestellt wird. Dafür, lieber Herr Weck, herzlichen Dank!

Herzlich willkommen heiße ich außerdem:

- die Mülheimer Abgeordneten des Deutschen Bundestages und
  des Landtages NRW
- die Mitglieder des Rates der Stadt und der Bezirksvertretungen
- die Mitglieder des Kulturausschusses und
  des Gremiums zur Vorbereitung der Vergabe des Ruhrpreises
- die Gäste aus Industrie und Handel, aus Forschung, Gewerkschaften, Behörden,
  Wohlfahrtsverbänden und Religionsgemeinschaften
- die VertreterInnen der Presse
- sowie die anwesenden Ruhrpreisträger mit Familien und Freunden
  und alle anderen Gäste.

Der Maler Eugène Delacroix hat das Lob zu Recht mit dem Wind verglichen, der die Segel der Künstler schwellen lässt und sie vorwärts treibt.

Dieses Lob und unsere Anerkennung wollen wir heute mit der Verleihung des 50. Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft gerne an unsere Preisträger weitergeben. Und wir hoffen, dass dies den Künstlern Ansporn und Ermutigung für neue herausragende Leistungen, für kreative und innovative Werke ist...

Meine sehr geehrte Herren und Damen!

Entstanden ist der Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft auf Anregung der Mülheimer Künstlerschaft. Sie wollte darauf aufmerksam machen, dass es in Mülheim an der Ruhr eine erstaunliche Breite und Vielfalt künstlerischen Schaffens gibt und dass eine vergleichsweise große Zahl guter und weithin anerkannter KünstlerInnen hier ihre Heimat gefunden hat.

So beschloss der Rat der Stadt am 17. April 1962, jährlich den Kunstpreis zu verleihen. Schon ein Jahr später wurde angeregt, diesen Preis nicht nur im Bereich der bildenden Kunst zu verleihen, sondern auch an MusikerInnen, DichterInnen und WissenschaftlerInnen. Damit erhielt er auch seinen endgültigen Namen: Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft der Stadt Mülheim an der Ruhr.

Dass die Herren und Damen des Rates der Stadt vor fast 50 Jahren weitsichtig gehandelt haben, wird eindrucksvoll durch die Liste der Preisträger belegt, die allesamt durch Leben oder Werk mit Mülheim an der Ruhr verbunden sind...

Verehrte Preisträger,

indem Sie in Ihrer Arbeit die Dinge neu betrachten, bewusst nach neuen Blickwinkeln und Ausdrucksformen suchen, lösen Sie Diskussionen aus. Sie regen die Fantasie der Zuschauer an, Sie bezaubern, inspirieren, irritieren, verblüffen und verstören mit dem, was Sie uns, den Betrachtern, vor Augen führen.

Durch Ihre Werke drängen Sie die Zuschauer zu einer ästhetischen und kritischen Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Mit Ihrer Kunst geben Sie Impulse, ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Wege zu gehen. Das ist der Antrieb für Veränderung. Auch deshalb ist die Begegnung mit Künsten und KünstlerInnen für den Einzelnen und für die Gesellschaft so wichtig.

Es war vor 50 Jahren also eine weise Entscheidung, den "Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft" zu stifteten. Denn damit haben die InitiatorInnen in unserer Stadt einen fruchtbaren Boden geschaffen, auf dem Künste und Wissenschaften gedeihen können.

Heute wie damals wissen wir, dass die KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen aus Mülheim an der Ruhr ein wesentliches Kreativ- und Innovationspotenzial für die Entwicklung unserer Stadt sind. Wir brauchen sie in unserer Stadtgesellschaft - und wir brauchen Auszeichnungen, die unsere KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen fördern und die deren Leistungen öffentlich anerkennen.

Die bildenden KünstlerInnen, MusikerInnen, SchauspielerInnen und auch die WissenschaftlerInnen der unterschiedlichen Disziplinen, die diesen Preis bisher entgegennehmen konnten, sind hervorragende Kulturbotschafter unserer Stadt. Und so sind wir stolz darauf, dass eine so illustre Schar in und aus Mülheim wirkt...

Die Ruhrpreisjury, in der fachliches Wissen, Kennerschaft und Intuition für zukunftsträchtige Entwicklungen vertreten ist, begab sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit Mut auf Neuland, wenn sie ihre Empfehlungen zur Vergabe des Ruhrpreises abgab. In der Rückschau können wir feststellen: Die Jury hat stets richtig entschieden. Dafür gebührt auch ihr dankbare Anerkennung...

In der festen Überzeugung mit dem Musiker Andor Földes, dass "Lob eine gewaltige Antriebskraft ist, dessen Zauber seine Wirkung nie verfehlt", werde ich nun die Leistungen unserer diesjährigen Preisträger würdigen:

Der mit 6.000 Euro dotierte Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft 2011 geht zu gleichen Teilen an den Filmdesigner Uli Hanisch und an den Schauspieler Volker Roos.

Zur Begründung der Jury heißt es:

Uli Hanisch

Der in Mülheim an der Ruhr aufgewachsene Uli Hanisch begann seine herausragende Karriere als Szenenbildner in Mülheim an der Ruhr. Seinen ersten Kontakt mit der Filmbranche hatte er im Jahre 1987 bei Christoph Schlingensiefs "Mutters Maske", an dem er als zweiter Aufnahmeleiter mitwirkte. Sein Debüt als Szenenbildner gab er auch unter Schlingensiefs Regie bei dem Film "100 Jahre Adolf Hitler – Die letzte Stunde im Führerbunker". Etwas später übernahm er auch die anspruchsvollen Ausstattungsaufgaben bei Filmen von und mit Helge Schneider. Heute gehört er zu den gefragtesten Szenenbildnern und Art Directoren des deutschen Films, denn die von Uli Hanisch ausgestalteten Sets zeichnen stets ein außerordentliches Gespür für atmosphärische Details sowie eine Dekoration aus, die sehr bewusst zwischen Realismus und Stilisierung changiert. Aus diesem Grunde arbeiten viele renommierte Regisseure, wie Tom Tykwer oder Sönke Wortmann, immer wieder mit ihm zusammen.

Die herausragenden Leistungen seines künstlerischen Schaffens sind bereits mit vielen wichtigen Filmpreisen belohnt worden. Mit der Verleihung des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft seiner Heimatstadt, der er sich bekanntermaßen sehr verbunden fühlt, soll nun noch ein ganz besonderer Akzent gesetzt werden.

Volker Roos

Mit der Vergabe des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft 2011 gilt es einen Schauspieler zu würdigen, der mittels seiner künstlerischen Gegenwart und Individualität zu den prägenden Persönlichkeiten des Theaters an der Ruhr gehört.

Volker Roos legte 1967 seine "Schauspiel-Reife-Prüfung" ab und erhielt sofort Engagements in Tübingen und Krefeld. Im Jahre 1972 ging er an die Bühnen der Stadt Köln und arbeitete dort mit Hansgünther Heyme zusammen. Seit 1976 spielte er dann fast ausschließlich unter der Regie von Roberto Ciulli. Neben Roberto Ciulli, Helmut Schäfer und Gralf-Edzard Habben gehört er im Jahr 1981 zu den Gründungsmitgliedern des Theaters an der Ruhr.

Der Schauspieler Volker Roos besticht durch die hohe Konzentration seines Spiels und die starke physische Präsenz der von ihm verkörperten Figuren. Zudem ist er ein Anwalt der Sprache, die bei ihm eine außergewöhnliche Präzision erlangt. Durch diese ganz eigene Art und Eigenwilligkeit der Darstellung, die sich vollends in den Dienst der Inszenierungen stellen, gelingt es ihm immer wieder aufs Neue, die Gedanken und Gefühle der Figuren in Bewegung umzusetzen. So zeigt er als "Antonio" im "Kaufmann von Venedig" alle Facetten dieser schillernden Figur. Als "Kreon" in "Antigone" begnügt er sich nicht mit dem ungeschriebenen Schauspielgesetz, dass man den Mächtigen nicht zu spielen brauche, weil ihn die anderen spielen. Als "König Lear" lässt er lustvoll die alte Arroganz hervorbrechen und zeigt seine Wandlung zum sabbernden Greis mit großer, trauriger Würde. Stets berühren uns die Menschen, die wir durch ihn verkörpert sehen.

Unsere beiden Laudatoren werden Sie, meine sehr geehrten Herren und Damen, nun näher mit den Werken der Künstler vertraut machen.

Kristina Jaspers ist die Laudatorin von Uli Hanisch -

Rupert J. Seidl spricht für Volker Roos.

Seien auch Sie herzlich willkommen. Ich freue mich auf Ihre Ausführungen und danke Ihnen allen, dass Sie mir zugehört haben.

Last but not least: Die musikalische Unterhaltung bestreitet Oil on Canvas, die sehr lange nicht mehr live zu hören waren.

Viel Spaß!

Kontakt


Stand: 19.12.2011

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