Verleihung des Ruhrpreises für das Jahr 2008
Rede von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld
zur Verleihung des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft
am Sonntag, 20. Dezember 09, 11 Uhr,
Sparkasse
***
Sehr geehrter Herr Professor Schäfer,
lieber Mathias Hegemann,
sehr geehrter Herr Weck
meine sehr geehrten Herren und Damen,
ich begrüße Sie herzlich zur Verleihung des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft für das Jahr 2008.
Ruhrpreisverleihungen sind besondere, wichtige und schöne Anlässe. Schön ist auch, dass Sie - meine Herren und Damen – durch ihre Anwesenheit die öffentliche Anerkennung verstärken, die im Rahmen dieser Feierstunde ausgesprochen werden soll.
Denn mit dem Ruhrpreis verbindet sich seit seiner Stiftung das Anliegen, die Bedeutung, den Stellenwert von Kunst und Wissenschaft noch stärker in das Bewusstsein der Mülheimer Bürger und Bürgerinnen zu rufen.
Das Ziel des Preises ist, erbrachte Leistungen im künstlerischen und wissenschaftlichen Bereich zu würdigen, aber auch "aufblitzende" Talente weiter zu fördern, um sie zu Größerem zu ermuntern.
Betrachtet man die Lebensläufe der bisherigen Preisträger und Preisträgerinnen, so stellt man mit Genugtuung fest, dass alle mit Stolz auf die Verleihung des Ruhrpreises der Stadt Mülheim an der Ruhr verweisen, dass der Preis für die ausgezeichneten Personen von nachhaltig großer Bedeutung ist. Für mich ist es ein gutes Zeichen dafür, dass der Preis auch außerhalb der Stadt etwas gilt.
KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen leben nicht in ihren Elfenbeintürmen. Vielmehr wollen mit ihrer Arbeit natürlich vor allem den Menschen erreichen:
In einer Stadt, die einen solchen Preis verleiht, lohnt sich der Blick auf die Voraussetzungen für spätere künstlerische und wissenschaftliche Leistungen:
die Kultur der Stadt Mülheim an der Ruhr ist geprägt von elementaren Einrichtungen der kulturellen Bildung: Die Stadtbibliothek, das Kunstmuseum, das Theater und nicht zuletzt unsere Musikschule, die unser Förderpreisträger nur allzu gut kennt und schätzt. Sie alle haben sich die kulturelle Bildung, vor allem junger Menschen auf ihre Fahnen geschrieben. Denn der Kultur in unserer Stadt ist nicht vorrangig an Hochglanz, sondern wesentlich an kultureller Basisarbeit und am kulturellen Diskurs gelegen. Das ist der richtige und wichtige Weg.
Auf diesem Weg gestaltet die Stadt Mülheim an der Ruhr ihre kommunale Bildungslandschaft ganzheitlich, d.h.im Sinne einer Vernetzung aller Akteure im Bereich der Bildung.
Die Förderung der musisch-kulturellen Bildung ist darin ein Schwerpunkt der Kulturpolitik und ein unverzichtbares Element dieser kommunalen Bildungslandschaft.
Was meint kulturelle Bildung sonst noch? nun: vor allen Dingen, Menschen die Chance zur Teilhabe zu geben, zur Teilhabe an der Welt der Kultur, der Literatur, der Musik. Viele junge Menschen bekommen diese Chance in ihren Elternhäusern. Viele junge Menschen, leider immer mehr, bekommen diese Chance dort gerade nicht. Vor allem für sie müssen unsere Einrichtungen und Initiativen da sein.
Das gilt natürlich zuallererst für die Schule. Aber die allein ist damit überfordert, zumal gerade die musischen Fächer leider immer wieder Kürzungen und Streichungen erfahren.
Hier liegt die große Chance und die große Aufgabe außerschulischer Lernorte - die Chance unserer Museen, Theater und der Musikschule. Deshalb müssen wir sie auch in schweren finanziellen Zeiten erhalten!
Ich kann diese Einrichtungen nur bitten: Predigen Sie nicht nur zu den Bekehrten! Versuchen Sie, Programme und Modelle zu entwickeln, wie Sie auch sogenannte bildungsferne junge Menschen erreichen. Eröffnen Sie ihnen die Welt der Poesie und der Musik, durch die wir in unserem Leben so viel gewinnen können. Locken Sie, begeistern Sie, fördern Sie, aber fordern Sie auch.
So wird manches Kind, mancher junge Mensch, der sonst vielleicht nie auf die Idee gekommen wäre, einen Weg finden zur Beschäftigung mit den kulturellen Schätzen. Und im besten Fall dabei auch seine eigene Kreativität entdecken, seine eigene Freude am Gestalten der Welt und der Weiterentwicklung unserer Stadt.
So wird er dann vielleicht auch ein helles Köpfchen - wie unser diesjähriger junger Preisträger Matthias Hegemann, und von solchen können wir ja nicht genug haben.
In der Sphäre der Kunst und Wissenschaft findet die ständige Selbstreflexion der Gesellschaft über ihre Werte und Standards statt. Deswegen ist es nicht nur für die Individuen und ihre Lebensqualität, sondern auch für die Entwicklung der Gesellschaft wichtig, dass möglichst viele Menschen in jenen Diskurs einbezogen werden, der mit dem Medium der Künste und der Wissenschaft stattfindet.
Meine sehr geehrten Herren und Damen,
mein besonderer Gruß gilt heute natürlich den beiden Preisträgern, Prof. Dr. Peter Schäfer und Matthias Hegemann, sowie den Angehörigen und ihren persönlichen Gästen.
Mit Ihnen - sehr geehrter Herr Prof. Dr. Schäfer - zeichnet die Stadt Mülheim an der Ruhr einen der international bedeutendsten Geisteswissenschaftler aus. Dies zeigt und bestätigt, dass der Ruhrpreis - obwohl er auf eine fast 50 Jahre dauernde Tradition zurückblicken kann - eine lebendige und von der Substanz her aktuelle Einrichtung ist. Eine Einrichtung, deren wesentlicher Inhalt neben der Anerkennung herausragender Leistungen in Kunst und Wissenschaft aber auch die Förderung junger Menschen ist.
Und damit bin ich beim zweiten Preisträger der heutigen Feierstunde. Die Ruhrpreis-Jury hat sich in diesem Jahr für einen ausgesprochen jungen Förderpreisträger entschieden. Ihre Wahl fiel auf den erst elf Jahre jungen Musiker Matthias Hegemann.
Die Laudationes, die wir gleich hören, werden uns die Menschen Prof. Dr. Peter Schäfer und Matthias Hegemann näher bringen und auch Einblicke in ihr Schaffen bieten.
Aus diesem Grunde möchte ich mich darauf beschränken, die Preisträger in einigen wenigen Sätzen vorzustellen, die insbesondere auch seine Verbindung zu unserer Stadt darstellen.
Der diesjährige Hauptpreisträger Prof. Dr. Peter Schäfer machte im Jahr 1962 am altsprachlichen Zweig des heutigen Otto-Pankok-Gymnasiums sein Abitur. Danach studierte er katholische Theologie, Philosophie und Judaistik an der
Im Jahr 1974 erhielt Dr. Peter Schäfer einen Ruf an die Universität zu Köln auf die außerplanmäßige Professur für Judaistik am Martin Buber-Institut. Wenige Jahre später wurde er dann ordentlicher Professor in Köln.
Schon 1984 wechselte er schließlich an die Freie Universität Berlin, wo er bis zu seiner Emeritierung in 2008 blieb und auch Direktor des Instituts für Judaistik wurde. Eine besondere Ehre wurde ihm 1998 zu teil, als er Member und Visiting Mellon Professor an der Princeton University wurde. Seit 2003 hat er ausschließlich die Perelman-Professur am Institut für Jüdische Studien der Princeton University inne.
National wie international zählt Prof. Dr. Schäfer seit etlichen Jahren zu den vielseitigsten und bedeutendsten Judaistik-Forschern für die Zeit der Antike und des frühen Mittelalters. Mit seinem umfangreichen wissenschaftlichen Werk, das die Tradition jüdischer Studien in Deutschland wiederbelebte und weit über das Fach der Judaistik hinausreicht, hat er der Forschung auch in anderen geistes- und religionswissenschaftlichen Feldern wichtige neue Impulse gegeben und damit die internationale Wissenschaftslandschaft wesentlich bereichert.
Heute ist er – nach unserem Kenntnisstand - weltweit der einzige Wissenschaftler, der sowohl mit der höchsten geisteswissenschaftlichen Ehrung der USA (Mellon Award) als auch mit dem international höchstdotierten Leibniz-Wissenschaftspreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet wurde.
Der diesjährige Förderpreisträger Matthias Hegemann ist ein absolutes Ausnahmetalent am Piano und seit vielen Jahren Schüler an unserer Musikschule in der Klavierklasse von Kumiko Hokama-Kischkat. Sein virtuoses Klavierspiel, - er hat mit vier Jahren begonnen - hat er bei vielen öffentlichen Konzerten bereits sehr erfolgreich unter Beweis stellen können. Unvergessen ist sein Auftritt in der Philharmonie Essen im Rahmen des Klavier-Festival Ruhr, wo er höchst professionell mit viel Gefühl und Präzision vor einem großen Publikum spielte.
Seit 2004 hat Matthias an zahlreichen Wettbewerben mit großem Erfolg teilgenommen und viele Auszeichnungen erhalten. Die Aufnahme als Stipendiat der "Lang Lang International Music Foundation" im April 2009 ist ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Karriere dieses jungen Musikers.
Nur um sich der Bedeutung dieses Stipendiums bewusst zu werden: Es wurden im Rahmen des europäischen Starts der 2008 in New York gegründeten "Lang Lang International Music Foundation", deren Ziel die Förderung junger Begabungen ist, lediglich zwei Stipendien an junge europäische Musiker vergeben! Und heute kommt noch ein weiteres Superlativ dazu – denn mit seinen 11 Jahren ist der junge Mann mit Abstand der jüngste Ruhrpreisträger aller Zeiten.
Die Zuerkennung des Förderpreises zum Ruhrpreis soll Anerkennung sein für sein außergewöhnliches Talent und seine Leistungen, gleichermaßen aber auch Ermutigung und Ansporn, in seinem künstlerischen Streben nicht nachzulassen.
Ich möchte allerdings in diesem Zusammenhang auch anmerken, dass Matthias nicht nur Klavier spielt, sondern auch Fußball und dass er außerdem auch sehr gerne zur Schule geht.
Es ist rückblickend mit Freude festzustellen, dass die Stiftung des Ruhrpreises sinnvoll und richtig war und dass dieser Preis seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle im kulturellen Leben nicht nur in unserer Stadt spielt, ja sogar weit über die Stadtgrenzen hinaus wirkt. Der Ruhrpreis ist unser "Kulturbotschafter".
Weiter will ich feststellen: Die KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen aus Mülheim an der Ruhr sind wesentliches Kreativ- und Innovationspotential für die Entwicklung dieser Stadt. Wir brauchen sie notwendiger denn je.
Und wir brauchen dafür Partner, die uns in dieser Idee folgen und der Stadt Mülheim an der Ruhr bei der Auslobung von Preisen und Preisgeldern zur Seite stehen.
Mit der Sparkasse Mülheim an der Ruhr haben wir seit vielen Jahren einen solchen Partner gefunden. Dafür möchte ich Dank sagen und gleichzeitig die Hoffnung aussprechen, dass die Sparkasse Mülheim an der Ruhr uns und den Ruhrpreis auch weiterhin unterstützen möge.
Vielen Dank.
Kontakt
Stand: 25.08.2010













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