Warnung vor Algen-Produkten

Die blau-grünen AFA-Algen, der "Renner" unter den derzeitig propagierten sogenannten Nahrungsergänzungsmitteln, können nicht nur leberschädigende Gifte enthalten. Diese Cyanobakterien können auch Gifte bilden, die das Nervensystem angreifen und schädigen, warnt Mülheims Amtsapothekerin Dr. Sigrun auf dem Keller.
Angepriesen werden solche AFA-Algenprodukte als alternative Behandlungsmethode bei chronischen Erkrankungen, besonders beim Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) bei Kindern und Alzheimer-Erkrankungen. Es gibt keine Studie, die eine Wirksamkeit dieser "Therapie" belegt. Dagegen warnen nicht nur das Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukten (BfArM), sondern auch das kanadische Gesundheitsministerium vor möglichen Schädigungen durch den Verzehr der Algen. Außerdem besteht die Gefahr, dass aufgrund der irreführenden Fehlinformation über die angeblichen unbewiesenen Wirkungen Eltern eine notwendige ärztliche Behandlung ihrer Kinder abbrechen und sich das Leiden verschlimmert. Gleiches gilt für Erwachsene, die anstatt ärztlich verordneter Medikamente AFA-Algenprodukte zu sich nehmen.
Solche Produkte, denen eine heilende Wirkung zugeschrieben wird, sind als Arzneimittel anzusehen und müssen daher zugelassen sein. Die Zulassungsbehörde prüft dann vor Erteilung der Zulassungsnummer, mit der das Medikament gekennzeichnet wird, Herstellungsqualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Nahrungsergänzungsmittel dagegen sind Lebensmittel und werden vor dem Vertrieb nicht kontrolliert. Der Hersteller/Vertreiber haftet alleine für die gesundheitliche Unbedenklichkeit. Diese Rechtslage gilt auch in Amerika. In den USA wurden der Verkauf und Vertrieb von Blaualgen-Produkten, die mit Heilaussagen beworben werden, untersagt.
"Besonders eindringlich gewarnt werden muss vor dem Bezug aus dem Internet," so die Amtsapothekerin. Alleine 106 Eintragungen waren über eine übliche Suchmaschine zu AFA-Algen zu finden. Wenn in Internet-Adressen Begriffe wie "natur", "vital", "fresh", "mega-vital", "gesundheit", "natürlich" und ähnliche verwendet werden, vermutet der Verbraucher harmlose, gesunde Naturprodukte. Dabei werden Warnungen, die auch im Internet zu finden sind, leicht überlesen. Wer kommt schon auf die Idee, "die unsichtbare Blume des Wassers", "urige Kraft der wildgewachsenen Algen" "das vitalstoffreichste, natürlichste Lebensmittel" oder "das pflanzliche Naturwunder" könnte nicht gegen die dort genannten Krankheiten helfen oder sogar gesundheitsschädlich sein. Die Unverfrorenheit, mit der im Internet für unzählige und immer mehr werdende "Nahrungsergänzungsmittel" mit immer exotischeren Inhaltstoffen geworben wird, macht manchmal sprachlos. Dieser globale Direktvertrieb entzieht sich weitgehend der behördlichen Kontrolle. Der Verbraucher ist ihm ungeschützt ausgeliefert und muss sich alleine auf den Anbieter verlassen.

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Stand: 25.04.2002

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